Seit mehr als einem Jahr nutze ich das NiSi Filtersystem. In dieser Zeit konnte ich umfangreiche Erfahrungen mit dem System sammeln, gerade auch im Hinblick auf die Langzeitqualität von Filtern und Halter. Diese Eindrücke möchte ich in dem folgenden Beitrag mit meinen Lesern teilen.

Zunächst habe ich mir gedacht, es wäre einfach nur ein (weiterer) Halter für 100mm Einschubfilter, von denen es bereits viele am Markt gibt und die sich letztendlich nur durch Preis, Material und Verarbeitung unterscheiden. Um so mehr war ich überrascht, als ich mir den NiSi-Halter das erste Mal genauer angeschaut habe. Er unterschied sich funktional von allen anderen mir bis dahin bekannten Haltern vor allem darin, dass ein Polfilter im Adapterring montiert und verstellt werden kann, ohne dass dazu der Halter oder die Einschubfilter wieder entfernt werden müssen. Über ein Rädchen an der Außenseite des Halters kann der Polfilter im Adapterring präzise eingestellt werden. Genau das hatte ich immer gesucht und nur im Ansatz über den Badpter gefunden. Zwischenzeitlich haben auch andere Hersteller versucht dieses Konzept umzusetzen. Auf der Photokina 2016 waren die ersten Ergebnisse von Mitbewerbern zu sehen. Natürlich habe ich mir die angeschaut und was ich dort sehen sehen konnte, hat mich darin bestätigt, dass der NiSi Filterhalter nach wie vor das beste Produkt in diesem Bereich darstellt.

Jetzt aber zu dem Halter und meinen Erfahrungen, die ich in mehr als einem Jahr Arbeit damit gesammelt habe:

Lieferumfang

Ein zirkularer Polfilter (CPL) ist im Lieferumfang enthalten, ebenso wie ein Adapter-Ring zur direkten Montage des Halters an Objektiven mit einem Filterdurchmesser von 82mm. Die Montage an kleinere Filtergewinde erfolgt über Step-Up Ringe. Passende Step-Up Ringe für 77mm, 72mm, 67mm befinden sich ebenfalls im Lieferumfang. Alles das kommt in einer stabilen Box, die mit einem Magnetverschluß schließt und neben der Aufbewahrung auch dem Transport dienen kann. Diese Box ist sehr fest und schützt den Halter und das Zubehör bestimmt optimal. In einem eng gepackten Fotorucksack kann sie recht sperrig sein.

mpb160066Der NiSi V5-Halter in der Box:
Unteres Fach: Der Filterhalter mit eingesetztem 82mm Adapterring
Mittleres Fach: Der NiSi CPL (Polfilter)
Oberes Fach: Drei Step-Up Ringe (im Bild davor liegend)

Verarbeitung

Die Verarbeitungsqualität des Halters ist sehr gut. Er ist aus Aluminium gefertigt und fühlt sich wertig und solide an. Die Konstruktion für die Polfilterverstellung wirkt durchdacht. Die Verstellung des Polfilters (CPL) erfolgt über einen Zahnradtrieb, der sich sehr weich und präzise drehen lässt.

mpb160067Der Polfilter wird in den 82mm Adapterring eingesetzt und kann über zwei um 180 Grad versetzt montierte Rädchen verstellt werden. Im Bild ist eines dieser Rädchen orange markiert

Der Halter ist mit Kunststoff-Federn zur Aufnahme von drei Filter-Einschüben (2mm Dicke) ausgestattet. Alle drei Einschübe können auch dann genutzt werden, wenn der Polfilter im Adapter eingesetzt ist. Selbstverständlich nimmt der NiSi V5 Halter auch 100mm Filter anderer Hersteller auf.

Praxiserfahrungen

Im Folgenden eine knappe Zusammenfassung meiner Erfahrungen mit dem Halter und illustriert mit ein paar Ergebnissen, die mit dem NiSi Filtersystem entstanden sind. Dazu muss ich sagen, dass ich für meine Fotografie recht häufig einen Polfilter in Kombination mit Grauverlaufsfiltern oder Neutralgraufiltern nutze.

mpb160068EOS 5DsR – EF 70-200 f/2.8 L IS II USM – NiSi V5 Halter mit NiSi IR Nano GND 0.9 hard
ISO100 – f/16 – 10,0s

Die Montage des Polfilters im Adapterring

Der mitgelieferte Polfilter (CPL) lässt sich sauber in den Adapterring einschrauben. Allerdings gelingt mir das Einschrauben nicht immer ohne dass ich auf den Filter drauftatsche. Besonders wenn ich in Eile bin, schaffe ich das nicht „unfallfrei“. Ein Mikrofasertuch ist hier ein willkommener, für mich wichtiger, Begleiter. Einmal eingeschraubt, steht der Polfilter nicht über den Halter hinaus und es können weiterhin alle drei Filtereinschübe genutzt werden.

Die Montage des Adapters am Objektiv

Bei Objektiven mit 82mm Filterdurchmesser erfolgt die Montage des Adapters durch einfaches Aufschrauben auf das Filtergewinde des Objektivs – ganz genau so, wie das z.B. bei dem Halter von Lee der Fall ist. Nutzt man Objektive mit kleinerem Filterdurchmesser, kommen die Step-Up Ringe ins Spiel. Auf den ersten Blick ist das eine pfiffige Idee, schließlich nehmen die Step-Up Ringe weniger Platz weg als zusätzliche Adapterringe und sie wiegen auch etwas weniger. Will man jedoch den Halter schnell zwischen Objektiven mit unterschiedlichem Filtergewinde tauschen, wirken die Step-Up Ringe manchmal etwas fummelig. Gerade dann, wenn ein Polfilter im Adapter eingesetzt ist und sich der Step-Up Ring zusammen mit dem Adapter vom Objektiv gelöst hat und erst wieder abgeschraubt werden muss bevor der Adapter auf einen anderen Step-Up Ring geschraubt werden kann. Hier würde ich mir wünschen, zusätzliche Adapterringe mit verschiedenen Gewinden zur Verfügung zu haben. Was die Montage des Halters am Objektiv angeht, hat sich bei mir der folgende Weg eingespielt: Erst den Step-Up Ring auf das Objektiv schrauben und dann den Adapter aufschrauben.

Das Aufstecken des Halters auf den Adapter

Der Halter rastet sehr sauber auf dem Adapterring ein, das Drehen des Halters auf dem Adapterring (zur Neigung des Verlaufs) geht sehr weich, hat aber noch genügend Friktion, um den Halter in jedem Drehwinkel zu fixieren.

Das Einstecken der Filtereinschübe in den Halter

Die Federn heben die Einschubfilter ebenfalls gut und über vier Kreuzschlitzschrauben kann die Klemmkraft der Federn eingestellt werden. Im Auslieferungszustand waren die Federn so fest eingestellt, dass ich zuerst dachte, die Filter wären zu dick für den Halter. Nach dem Einstellen der Schrauben funktioniert das dann aber genau wie es soll.

Verwendung an Weitwinkelobjektiven

Eine Frage bei der Verwendung von Filtervorsätzen ist immer, ob es zu Vignettierungen durch den Filterhalter kommt. Diese Frage kann immer nur in Verbindung mit dem verwendeten Objektiv beantwortet werden, da neben der Brennweite auch die Konstruktion des Objektivs einen Einfluß darauf hat, wann es zu Vignettierungen durch Filter kommt. Wenn es zu Vignettierungen kommt, hilft es zuweilen die Anzahl der Filtereinschübe (Federbügel) zu reduzieren, bspw. von 3 auf 2 Einschübe. Bei 16mm am Vollformat (Objektiv Canon 16-35 f/4 L IS USM) konnte ich keine Vignettierung durch den Halter oder die Federn (3 Einschübe) feststellen.

mpb160064Typisches Setup für meine Arbeit im Wald: NiSi V5 Halter mit eingesetzem NiSi CPL und einem NiSi IR Nano GND-Filter mit weichem Verlauf.
Warum ein Verlaufsfilter im Wald? Siehe unten in den FAQ…

Die Qualität des mitgelieferten Polfilters

Wie bereits beschrieben, wird mit dem Halter ein zirkularer Polfilter (CPL) mitgeliefert. Dieser hat eine extrem dünne Fassung. Wobei der Begriff „Fassung“ hier eigentlich irreführend ist, denn es ist lediglich ein Gewinde (ca. 86mm) um den Filter in den Halter einschrauben zu können. Theoretisch könnten auch andere Polfilter mit 86mm Gewinde eingeschraubt werden, diese bauen aber wesentlich dicker und damit würde man zumindest einen der drei Filtereinschübe verlieren. Außerdem könnten dabei ND-Filter mit hoher Stärke nicht mehr lichtdicht mit dem Halter abschließen. Kurzum, man ist auf den mitgelieferten Polfilter angewiesen und wenn man keine Alternativen hat, ist es natürlich um so wichtiger, dass die Qualität des Polfilters stimmt. Damit steht und fällt schließlich das ganze Konzept. Entsprechend gespannt war ich, wie sich der NiSi CPL im Vergleich zu meinen anderen zirkularen Polfiltern von Singh-Ray und von B+W verhält. Nach über einem Jahr Arbeit damit kann ich sagen, dass der NiSi Polfilter absolut top ist, sowohl von der Auflösung, als auch von den Farben. Er hat eine neutrale Farbwiedergabe und ist mittlerweile zu meinem Standard-Polfilter geworden, den ich auch dann nutze, wenn ich keine Kombination mit Einschubfiltern benötige.

mpb160065…und das Ergebnis dazu: Satte Farben durch den Polfilter und ein Wald, der im oberen Bereich durch die Abdunklung geschlossener wirkt.
EOS 5DsR – EF 16-35 f/4 L IS USM – NiSi V5 Halter mit NiSi CPL und NiSi IR Nano GND 0.6 soft
ISO200 – f/16 – 4,0s

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das System in der Praxis sehr gut funktioniert. Es ist einfach super praktisch, wenn man den zirkularen Polfilter verstellen kann, ohne die Ausrichtung der Einschübe zu verändern oder den Halter abnehmen zu müssen. Ich möchte das jedenfalls nicht mehr missen.

Für mich ist der NiSi V5 Halter derzeit der beste Halter für 100mm Einsteckfiltersysteme auf dem Markt und der Standard wenn es darum geht, Polfilter und Einsteckfilter gleichzeitig zu verwenden. Die Verarbeitung ist sehr gut und die Lösung mit der Integration des Polfilters ist einfach genial.

Das NiSi Filtersystem hat bei mir mittlerweile die Filter von Singh-Ray und Lee, sowie den Filterhalter von Lee abgelöst. Neben der optischen Qualität der NiSi Glasfilter hat mich vor allem die Funktionalität und die Qualität des NiSi Filterhalters überzeugt.

Bezugsquellen

In Deutschland wurden die NiSi-Filter zeitweise von Rollei vertrieben. Diese sind an den „…made by NiSi“ Aufdrucken zu erkennen. Diese Geschäftsbeziehung besteht nicht mehr und aktuell werden unter dem Rollei-Label Produkte verkauft, die den von NiSi hergestellten vom Aussehen her sehr ähnlich sind. Die original NiSi Produkte sind aktuell über den europäischen Amazon-Shop des Herstellers zu beziehen, sowie über Ringfoto, den offiziellen Deutschland-Distributor. Ein bekannter Ringfoto-Händler ist bspw. Martin Achatzi, den ich einfach nur empfehlen kann.

 

FAQ – Ein paar Fragen zum Einsatz von Filtern

Im Zusammenhang mit Filtern werden mir häufig Fragen gestellt, viele davon ähneln sich. An dieser Stelle möchte ich ein paar dieser Fragen beantworten. Ausgewählt habe ich sie nach ihrem Bezug zu diesem Review, also bitte nicht als geschlossene Abhandlung zum Thema „Filter“ verstehen.

Wie wirken denn diese Neutralgrauverlaufsfilter? Macht sich das sehr bemerkbar?
Neutralgrauverlaufsfilter dunkeln einen bestimmten Bereich des Bildes ab. Meinstens setzt man sie so ein, dass sie den Himmel abdunkeln. Dadurch werden die Kontraste, die der Sensor abbilden muss, reduziert. Ich habe dazu zwei Vergleichsaufnahmen gemacht, einmal mit Grauverlaufsfilter und einmal ohne. Beide Aufnahmen sind hier zum Vergleich unverändert (wie sie aus der Kamera kommen) zu sehen. Zieht einfach den Slider von unten nach oben um zu sehen, welche Wirkung der Filter auf die Aufnahme hat. Bitte ladet die Seite nochmal neu (Strg+F5), wenn Ihr das Bild mit dem Slider nicht sehen könnt.

Durch die Wahl geeigneter Filter bereits bei der Aufnahme, kommt das Bild ein gutes Stück „fertiger“ aus der Kamera und braucht i.d.R. nur noch geringe Nachbearbeitung. Ich bevorzuge diese Arbeitsweise, nicht zuletzt, da sie mir Zeit in der Nachbearbeitung (vor dem Computer) spart, die ich statt dessen viel lieber in der Natur hinter der Kamera verbringe.

Was hat es mit dem Polfilter im Wald auf sich?
Eigentlich müsste die Frage lauten: „Was hat es mit dem Polfilter im nassen Wald auf sich?“ Die Betonung sollte hier wirklich auf „nass“ liegen, denn das ist die Voraussetzung dafür um mit einem Polfilter im Wald unglaublich satte Farben zu bekommen. Der Grund liegt darin, dass durch die Feuchtigkeit auf den Oberflächen der Blätter viele kleine Reflektionen sitzen. Wie wir alle wissen, sind Reflexe im Bild hell und viele kleine Reflexe lassen ein Bild ausgewaschen wirken. Mit dem Polfilter beseitigen wir nun die Mehrzahl dieser Reflexe und die darunter liegende Farbe, meist ein sattes nasses Grün, kommt zum Vorschein.

Im Beitrag zu sehen ist der Einsatz eines Graufverlauffilters im Wald. Ist das nicht eher kontraproduktiv, das dunkelt ja auch die Bäume ab, oder?
Im Prinzip: Ja! Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Im Wald setze ich i.d.R. nur einen sehr schwachen Grauverlauffilter ein, der zudem einen weichen Übergang besitzt und den ziehe ich auch nur sehr behutsam ins Bild. Bleibt noch die Frage nach dem „warum?“. Nun, sicher ist euch schon mal aufgefallen, wenn ihr in einem dicht belaubten Wald unterwegs gewesen seid, dass ihr das Gefühl hattet, das Blätterdach über Euch ist geschlossen und bietet in gewisser Weise Schutz. Bilder sollen Stimmungen transportieren und genau diese Stimmung erreicht man in einer Waldaufnahme, in dem man den oberen Bereich ein wenig abdunkelt. Sicher könnte man diese Korrektur auch recht problemlos in der Nachbearbeitung machen, aber warum soll ich das nicht gleich bei der Aufnahme erledigen? Mit diesem kleinen Kniff überrasche ich auch immer wieder meine Workshopteilnehmer – egal, ob es jetzt darum geht, das gleich bei der Aufnahme zu machen oder doch lieber nachträglich in der Bildbearbeitung.

Du bist NiSi Ambassador. Wie unbeinflußt ist denn dieser Beitrag?
Seit geraumer Zeit nutze ich NiSi-Filter und bin äußerst zufrieden mit der Qualität der optischen Filter. Seit letztem Jahr stehe ich auch in engem Kontakt mit dem Hersteller und zähle zum Kreis der NiSi-Markenbotschafter. Wer nun denkt „der schreibt, das Zeugs ist toll, weil er Vorteile davon hat“, der hat etwas Grundlegendes nicht verstanden und dem erkläre ich es hier gerne noch einmal: In der Fotografie ist das Equipment ein Werkzeug, was mir dabei hilft meine Bildideen in Bilder umzusetzen. Ein gutes Equipment ist für mich ein wichtiger Schlüssel zu guten Bildern und ich müsste mit dem sprichwörtlichen Klammerbeutel gepudert sein, wenn ich mein Equipment nicht ausschließlich danach auswählen würde, wie es mir bestmöglich hilft, meine Bildideen umzusetzen. Daher nutze ich für meine Fotografie nur das an Equipment , von dem ich überzeugt bin, dass es meine Anforderungen erfüllt – egal in welchem Verhältnis ich zu dem Hersteller stehe. Ebenso verdiene ich nichts daran, wenn ihr Produkte von NiSi kauft.