Die Kombination von Polfilter und Grauverlauffilter – vom Badpter über NiSi zu Haida

Es war um den Jahreswechsel 2014 / 2015 als ich zum ersten Mal von einem Zubehör-Teil namens Badpter erfuhr, welches es ermöglicht einen Grauverlauffilter zusammen mit einem Polfilter einzusetzen. Rückblickend wirkt diese Lösung etwas abenteuerlich, aber damals feierte ich sie als einen kleinen Durchbruch in der Filtertechnik. Benötigte der Badpter noch objektivspezifische Adapterringe, war bereits ein Jahr später mit dem NiSi V5 Halter eine Lösung verfügbar, die einen Polfilter in einen Adapterring integrierte, der in das Filtergewinde des Objektivs geschraubt werden konnte. Man brauchte keine speziellen Adapterringe mehr. Der eigentliche Clou war aber die Möglichkeit, den Polfilter in der Halterung verstellen zu können, ohne dazu den Halter mit den Verlauffiltern abnehmen zu müssen. Das war wieder ein wichtiger Fortschritt, denn es vereinfachte nochmals deutlich die Arbeit mit der Kombination von Pol- und Verlaufsfilter. Ich war wiederum schwer begeistert, durch den Mehrwert, den der Halter in meiner fotografischen Arbeitsweise gebracht hat. Ich war derart begeistert, dass ich zeitweise sogar mit dem Hersteller als Markenbotschafter zusammengearbeitet und meine Erfahrungen und Kritikpunkte an die Produktentwicklung gegeben habe. Die Kritik betraf dabei Im wesentlichen die Punkte „Einschrauben des Polfilters“ und „Montage des Adapters mittels Step-Up Ringen“. Ich ersten Punkt gab es leichte Verbesserungen durch kleine Änderungen im Design und ihm zweiten Punkt tat sich gar nichts. Zwar ist der NiSi Halter immer noch ein tolles Werkzeug, durch den quasi-Stillstand in der Weiterentwicklung hatten aber Marktbegleiter nicht nur die Chance aufzuholen, sondern darüber hinaus auch Lösungen anzubieten, die in einigen Punkten besser sind. So hat beispielsweise Haida mit dem M10 Filterhalter ein neues Konzept für die Kombination von Pol- und Verlauffiltern am Start, welches u.a. genau die beiden Punkte addressiert, die mich bei der NiSi Lösung zunehmend gestört hatten. Befreundete Fotografen, die den Halter bereits im Einsatz haben und von denen ich wusste, dass sie das neutral beurteilen können, waren sehr angetan davon und bestätigten im wesentlichen das, was ich auf Grund der Beschreibung erwartet habe: Problemloses Einsetzen/Wechseln des Polfilters sowie eine weitgehend „fummelfreie“ Montage ohne zusätzliche Step-Up Ringe. Das klang wirklich gut und für mich war das Anlass genug, mir den Haida M10 Halter genauer anzuschauen. Dazu habe ich mir den Halter und die in diesem Bericht vorgestellten Drop-In Filter im Haida-Deutschland Shop gekauft.

Bild 1: Der Haida M10 Halter, rechts in der Box (zusammen mit dem Drop-In CPL-Filter, dem Light Barrier und dem 77mm Adapter Ring).
Links daneben: Unterschiedliche Drop-In Einsätze und der 67mm Adapter Ring.

Das Drop-In Konzept des Haida M10 Halters

Das konzeptionelle Alleinstellungsmerkmal des Haida M10 Halters ist die Einschubmöglichkeit für Pol- und/oder ND Filter. Im wesentlichen ist das eine Filterkassette, die in eine Aufnahme zwischen Objektivadapter und Rechteckfilter-Einschub eingesetzt wird. Haida nennt diese Einsätze „Drop-In“ und bietet sie zum Start des M10 Halters in den folgenden Ausprägungen an:

  • CPL-Filter (über ein Rändelrad verstellbar)
  • Kombinierter CPL+ND Filter (über ein Rändelrad verstellbar), verfügbar in den Stärken 0,9/8x und 1,8/64x
  • ND Filter, verfügbar in den Stärken 0,9/8x  ; 1,8/64x ; 3,0/1000x ; 4,5/32000x
  • Clear Night Filter (Absorbtion von Kunstlicht zwischen 580nm und 610nm bei Nachtaufnahmen)
  • Leer-Einsatz zur Abeckung des Einschubs wenn kein Filter im Einschub verwendet werden soll. Haida nennt dies „Light Barrier“.

Besonders interessant wird das Drop-In Konzept durch das damit verbundene Handling. Innerhalb kürzester Zeit kann ein Drop-In Filter eingesetzt oder herausgenommen werden – und das ohne weiter vorne montierte Verlaufsfilter-Einschübe (GND) demontieren zu müssen. Alle angebotenen Drop-In Filter verfügen über die Haida NanoPro-MC Vergütung, was sie besonders wasserabweisend und leicht zu reinigen macht.

Lieferumfang

Der Lieferumfang des Haida M10 Halters hat mich überrascht. Die Verpackung in dem weißen, festen Karton mit einprägtem Druck wirkt schon fast „Apple-Like“ – zumindest so lange, bis man sie öffnet. Beim Öffnen der Verpackung schlug mir ein ziemlich penetranter Plastikgeruch entgegen, der offensichtlich vom mitgelieferten Etui stammt. Das Etui erinnert von Material und Form etwas an ein CD-Etui aus den 90ern. Es macht davon abgesehen jedoch einen guten Eindruck im Hinblick auf die Verarbeitung und den Schutz des Filterhalters beim Transport. Der Reißverschluss lässt sich leicht öffnen und verfügt zusätzlich über eine Schlaufe. Das mag ich, denn damit lässt sich der Reißverschluss auch mit Handschuhen gut greifen. Im Inneren befindet sich ein geformter und mit weichem Stoff verkleideter Einsatz der den Filterhalter mit Adapterring und einem eingesetzten Drop-In Einsatz aufnehmen kann. Im Lieferumfang enthalten und eingesetzt ist hier der CPL-Filter als Drop-In Filter. Im Deckel des Halters ist zusätzlich eine Netztasche, in welcher der Leer-Einsatz (Light Barrier) untergebracht ist. Am Filterhalter selbst sind zwei Einschubschienen für 100mm-Rechteckfilter montiert. Eine dritte Schiene liegt dabei und muss bei Bedarf selbst montiert werden. Dazu legt Haida auch einen kleinen Schraubendreher und längere Schrauben mit dazu. Dazu gibt es noch ein kleines Heft mit einer Anleitung, ein paar Hinweisen und einer Übersicht über die Haida Filter-Produkte sowie ein paar Beispielbildern, von denen ich persönlich einige nicht unbedingt als Werbung für Filterfotografie verstehe. 

Zusammenfassend bekommt man: 

  • Halter mit zwei Slots (ein dritter Slot liegt dabei und kann bei Bedarf selbst montiert werden)
  • Drop-In CPL (Polfilter)
  • Leer-Einsatz für den Betrieb ohne Drop-In Polfilter (Light Barrier)
  • Adapter-Ring nach Wahl (muss bei der Bestellung angegeben werden, bzw. steht auf der Unterseite der Verpackung)
  • Transportetui
  • Broschüre/Anleitung
  • Einen Karton, der Eindruck macht

Man kauft also stets einen Halter inklusive CPL und einen passenden Adapterring für die Montage Filtergewinde des Objektivs. Will man den Halter an Objektiven mit unterschiedlichem Filtergewinden verwenden, bietet Haida zu einem (wie ich finde) sehr fairen Preis weitere Adapterringe in verschiedenen Größen zwischen 32mm und 82mm an. Die nervige Fummelei mit Step-Up Ringen entfällt also. Tip: Wer diese Lösung weiterhin für den Gipfel der Filterbautechnik hält und nicht missen möchte, bestellt sich einfach den Halter mit einem 82mm Adapter und kauft im Zubehörhandel einen Satz preiswerte Step-up Ringe dazu.

Bild 2: Der Haida M10 Halter im aufgeklappten Etui (rechts unten mit eingesetztem Drop-In CPL und dem 77 Adapterring).
Links oben in der Netztasche befindet sicher der Leer-Einsatz (Light Barrier). 

Verarbeitung

Der Haida M10 Halter macht einen guten Eindruck, was die Verarbeitung angeht. Wo Kunststoff verbaut ist, wirkt das nicht billig. Die eingesetzte Filzlippe im Halter ist sauber eingepasst und hat bisher noch keine Schwächen durch häufiges Einsetzen und Verschieben eines Filters gezeigt. Der Federhebel, über den der Halter auf dem Adapter einrastet ist aus Aluminium (wie auch der Halter selbst) und lässt sich gut greifen. Die Drop-in Einsätze sind in Kunststoff gefasst. Sie lassen sich leicht in den Halter einsetzen, verkanten dabei nicht und die Arretierung klickt deutlich ein. Zum Herausnehmen der Drop-In Einsätze werden die beiden roten Tasten („Öhrchen“) am Griffstück zusammengedrückt, was den Einsatz entriegelt und anschließen kann dieser ganz einfach herausgezogen werden. Die Verstellung  des eingesetzten Polfilters geschieht über ein Rändelrad und funktioniert bisher recht gut. Allerdings läuft sie nicht so weich, wie das bspw. beim NiSi-Halter der Fall ist. Im direkten Vergleich, finde ich den NiSi-Halter nochmal eine Spur wertiger und auch in der Haptik etwas angenehmer. Das mag daran liegen, dass er mehr aus Metall besteht und auch daran, dass die Verstellung des Polfilters beim NiSi Halter sehr weich läuft. Beim Pol-Filter im Haida Drop-In Einsatz wirkt das ab und zu fast schon hakelig, jedenfalls nicht so weich und rund bei dies beim NiSi Halter der Fall ist. Besonders deutlich wird das im direkten Vergleich, wenn man den Haida und den NiSi Halter nebeneinander hat. Über die Langzeit-Qualität des M10 Halters möchte ich mir nach etwas mehr als drei Monaten Nutzung noch kein Urteil erlauben. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der Verstellmechanismus der Drop-In Polfilter über die Zeit bewährt. Gerade beim Einsatz am Meer kann gerne mal ein Sandkörchen reinrutschen. In jedem Fall werde ich diesen Artikel zu gegebener Zeit mit meinen Langzeiterfahrungen aktualisieren, stay tuned! 😉

Der Haida M10 Filterhalter in der Praxis

Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Wie schlägt sich der Haida M10 Filterhalter in der Praxis? Was bringt das neue Drop-In Konzept tatsächlich an Mehrwert? Wie gut passt das alles in meine Arbeitsweise? Dazu habe ich mehrere Monate mit dem M10 Halter gearbeitet. Meine Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit dem Halter habe ich in diesem Abschnitt zusammengefasst.

Montage

Zur Montage des Halters wird zunächst der passende Adapterring in das Frontgewinde des Objektivs eingeschraubt. Haida bietet einen direkten Adapter für praktisch jedes gängige Objektivgewinde zwischen 39mm und 82mm an.

Der eigentliche Halter wird auf diesen Ring aufgesetzt und rastet über einen griffigen und leicht zu bedienenden Federhebel auf dem Adapterring ein.

Beides, Montage des Adapterrings sowie aufsetzen des Halters auf den Adapter, geht auch noch sehr gut mit Handschuhen. Es ist kein Vergleich zu der doch recht fummeligen Montage des NiSi Systems mit StepUp-Ringen.

Im Bezug auf die Montage des Halters, gibt es beim Haida M10 Filterhalter eine kleine Besonderheit im Vergleich zu den anderen Filterhaltern, die ich kenne: Wenn der Haida M10 Halter so montiert ist, dass die Drop-In Einsätze von oben eingesetzt werden, ist der Federhebel zur Verriegelung des Halters auf dem Adapater auf der rechten Seite (in Blickrichtung zum Motiv hin gesehen). Man greift also einfach mit der rechten Hand an der Kamera vorbei zum Objektiv hin und kann den Adapter verriegeln (beim aufsetzen) oder entriegeln (zum abnehmen). Das funktioniert sehr gut – so lange man Rechtshänder ist. Als Linkshänder ist das u. U, nicht so einfach. Den Halter einfach um 180 Grad zu drehen um die Verriegelung auf der linken Seite zu haben würde technisch zwar gehen, allerdings würden dann die Drop-In Einsätze „auf dem Kopf stehen“, müssten also nach unten hin herausgenommen und eingesetzt werden. Das wäre sicher keine gute Idee. Als Rechtshänder ist mir das natürlich nicht aufgefallen, mein Kollege Thomas Zilch (Fotograf und bekennender Linkshänder) hat mich darauf hingewiesen. Ich fand, dass dieser Umstand auf jeden Fall in einem Review erwähnt werden sollte.

Drop-In

Der Wechsel der Drop-In Einsätze bei aufgesetztem Halter ist sehr unkompliziert. Es genügt dazu den Einsatz an dem Griffstück zu entriegeln, nach oben aus dem Einschub heraus zu ziehen und durch einen anderen Einsatz zu ersetzen. Hier kommen gleich drei Sachen zusammen, die mich wirklich begeistern.

Zeit: Der Wechsel eines Drop-In Einsatzes ist eine Sache von wenigen Sekunden. Gerade wenn sich das Licht schnell ändert, man nun doch einen Polfilter nutzen will oder wenn man einfach nur mal ausprobieren will, wie die Belichtung mit einem (leichten) ND Filter wirkt, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Tatscher-Frei: Wer schon mal versucht hat mit einem Handschuh den Polfilter in den NiSi Halter unfallfrei einzusetzen oder daraus zu demontieren, der weiß von was ich rede. Mit Handschuhen ist das praktisch fast nicht möglich und sogar ohne Handschuhe hat man schneller einen Tatscher auf dem Filter als einem lieb ist.

Wechsel ohne Demontage der Einschubfilter: All das ist möglich ohne den Halter mit den Einschubfiltern abnehmen zu müssen. Eine exakt vorgenommene Einstellung des Grauverlaufs wird also nicht verändert durch den Tausch des Drop-In Einsatzes.

Einschübe für 100m Rechteckfilter

In die Filterschienen passen handelsübliche GND-Filter, die i.d.R. 2mm dick sind. Die Filter lassen sich gut einschieben, die Friktion hält sie sicher in der gewünschten Position ohne aber für eine Feinjustage (das exakte Ausrichten der Verläufe ist Millimeterarbeit) zu fest zu heben. Man ist bei dem Haida M10 Halter, wie bei anderen Haltern auch, nicht auf die Rechteck-Filter des Halteranbieters (in diesem Fall Haida) beschränkt. Neben den NiSi GND Filtern, die ich aktuell darin nutze, habe ich das auch mit den Rechteck-Filtern von SinghRay und Lee ausprobiert und das funktioniert tadellos.

Der erste Einschub für Rechteckfilter ist sehr nah am Filterhalter montiert. Das ist grundsätzlich schon mal gut, denn je größer der Abstand zwischen den Gläsern ist, um so störender können Reflexe auftreten. Zusätzlich sorgt eine In den Halter eingelassene Filzdichtung dafür, dass der erste Einschub möglichst lichtdicht mit dem Halter abschließt. Gleichzeitig verhindert diese kleine Dichtung auch, dass der Filter beim Durchschieben kontakt mit dem Metall des Halters bekommt und dadurch zerkratzen kann.  Wer hier seine bestehenden ND-Filter weiter nutzen möchte, stößt evtl. auf Probleme. Details dazu, sowie Informationen wie man das umgehen kann, finden sich im Special „Umstieg“.

Vignettierung des Halters und optische Qualität der Drop-In Filter

Die Frage, ob ein Filtersystem bei einer bestimmten Weitwinkel-Brennweite vignettiert, kann immer nur in Verbindung mit dem verwendeten Objektiv beantwortet werden. Als kürzeste Brennweite mit Filtern nutze ich aktuell das Canon EF 16-35 f/4 L IS USM. Bei diesem Objektiv habe ich bei 16mm Brennweite keine sichtbare Vignettierung durch den Halter.

Die optische Qualität der Drop-In Filter ist ein sehr wichtiger Aspekt. Anders als bei den Rechteckfiltern, kann man hier nicht einfach auf einen anderen Anbieter ausweichen, wenn etwas nicht stimmt. Hier kann ich Entwarnung geben, die bisher von mir genutzten Drop-In Filter liefern durch die Bank Top-Ergebnisse. Sowohl die Polarisationsfilter, als auch die ND-Filter sind extrem farbneutral.

Der Haida M10 Halter an der EOS R mit dem RF 24-105 Objektiv. Kein Drop-In Filter (Light Barrier Einsatz) und einem 0.9 GND Medium Filter…

…und das Ergebnis dazu (wenige Minuten vorher aufgenommen).

Mein Workflow mit dem Haida M10 Halter

Kommen wir zum spannendsten Teil, zu dem Arbeitsablauf in der Praxis und wie der Haida M10 Halter das mit dem Drop-In Konzept besonders effektiv unterstützen kann. Knackpunkt ist hierbei der möglichst rasche und einfache Wechsel der Drop-In Einsätze, der es mir erlaubt, ohne große Unterbrechungen meiner Arbeit auf sich ändernde Lichtverhältnisse zu reagieren. Dazu möchte ich jeweils kurz den Workflow in den Abendstunden (abnehmendes Licht), sowie in den Morgenstunden (zunehmendes Licht) an einem kleinen Beispiel beschreiben.

Workflow bei abnehmenden Licht am Beispiel „Fotografie am Meer“

In der Regel habe ich mich schon eine ganze Weile vor Sonnenuntergang an der Location umgesehen und „mein“ Motiv gefunden. Die Kamera ist aufgebaut, die Grauverläufe sind positioniert. Für mein Motiv hätte ich in diesem Beispiel gerne eine Belichtungszeit im Bereich von etwa 0,5s . Diese Zeit passt hier gut zur Strömungsgeschwindigkeit des Wassers. Nun ist es dazu aktuell aber noch etwas zu hell. Statt die Blende sehr weit zu schließen und damit in einen Bereich zu kommen, in dem die  Beugung zu sichtbaren Qualitätseinbußen führt, setze ich den Drop-In CPL mit kombiniertem ND 0,9 ein und bewege mich in einem Bereich, der relativ nahe an der förderlichen Blende liegt.

Ich mache mit dieser Einstellung meine ersten Aufnahmen und wenn das Licht weiter abnimmt kommt irgendwann der Punkt, an dem ich in wenigen Sekunden den Drop-In CPL mit kombiniertem ND 0,9 durch den normalen Drop-In CPL ersetze. Das geschieht praktisch ohne nennenswerte Unterbrechung meiner Arbeit, ohne die GND-Filter verschieben oder gar demontieren zu müssen und vor allem auch ohne die Gefahr, den Filter versehentlich zu vertatschen.

Zusammengefasst lässt sich mein Workflow mit dem Haida M10 bei abnehmenden Licht wie folgt beschreiben:
„Arbeit mit Drop-In mit ND Aufschlag“ „Licht nimmt ab“ „Wechsel auf Drop-In ohne ND Aufschlag“ „Arbeit mit Drop-In ohne ND Aufschlag“

Workflow bei zunehmendem Licht am Beispiel „Bachlandschaft“

Bei der Fotografie im Wald, liebe ich es, wenn es leicht regnet oder der Wald zumindest noch regennass ist und der Himmel dabei so bedeckt ist, dass das Licht möglichst diffus gestreut wird.

Hier kann ich, gerade in den ersten Stunden nach Tagesanbruch oft ohne weitere Hilfsmittel die Belichtungszeiten erzielen, mit denen ich einen schönen Fließeindruck des Wassers im Bachlauf erreiche. Auch hier bin ich i.d.R. länger mit einer Komposition meines Motivs beschäftigt. Wird es dabei heller, ersetze ich den Drop-In CPL einfach durch einen Drop-in CPL mit einem ND-Aufschlag von 0.9 oder gar 1,8 und kann fast unterbrechungsfrei weiterarbeiten. Oft passiert es auch dass das Licht in relativ kurzer Zeit zu- und wieder abnimmt, bspw. wenn eine dichtere Wolkendecke durchzieht. Spätestens dann bin ich froh über die sehr rasche und umkomplizierte Möglichkeit, die mir das Drop-In Konzept des Haida M10 bietet.

Zusammengefasst lässt sich mein Workflow mit dem Haida M10 bei zunehmenden Licht wie folgt beschreiben:
„Arbeit mit Drop-In ohne ND Aufschlag“ „Licht nimmt zu“ „Wechsel auf Drop-In mit ND Aufschlag“ „Arbeit mit Drop-In mit ND Aufschlag“

Kombinierter CPL+ND 1.8 als Drop-In Einsatz im Haida M10 Halter.

Wissenswertes für einen Umstieg auf den Haida M10 Halter

Wer mit dem Gedanken spielt, von einem anderen 100m System auf den Haida M10 Halter um zu steigen, sollte folgendes wissen in Bezug auf die Nutzung bestehender Filter am Haida M10 Halter: 

Runde Einschraubfilter passen nicht

Der Haida M10 Halter erlaubt es nicht Einschraubfilter anderer Systeme weiter zu verwenden. Beim Umstieg von NiSi bedeutet das bspw., dass man auf den Landscape Polarizer ebenso verzichten muss, wie auf evtl. gekaufte ND Einschraub Filter.
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GND Filter können weiterverwendet werden

Die gängigen Grauverlauffilter sind i.d.R. ca. 2mm stark und damit untereinander kompatibel was Filter und Halter verschiedener Hersteller angeht. Der Haida M10 Halter ist hier keine Ausnahme. Meine NiSi Rechteck-Filter lassen sich sehr gut in den Halter einsetzen und darin verschieben ohne versehentlich zu verrutschen. Mit den Filtern von Lee und Singh Ray funktioniert das ebenfalls problemlos. Weitere Marken habe ich noch nicht ausprobiert, allerdings erwarte ich da auch keine Probleme.
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Mögliche Einschränkungen bei ND Filtern

ND Filter (quadratische 100mm Filter) können mit Einschränkungen weiter verwendet werden. Das Konzept des Haida M10 Halters sieht es vor, die ND-Filter als Drop-In Filter zu nutzen. Wer das nicht mag, beispielsweise weil er bereits hochwertige ND Filter als quadratsiche 100mm Filter besitzt, kann diese auch im Haida M10 Halter nutzen. Allerdings verliert er dabei ein gutes Stück an Flexibiliät, gerade was das rasche Wechseln der Filter im Drop-In Konzept angeht. Ein Vorteil des Drop-In Konzepts ist es auch, dass der erste Einschub für Rechteckfilter sehr nah (möglichst Lichtdicht) am Filterhalter sitzen kann. In den Halter selbst ist zusätzlich eine Filzlippe eingelassen, die einen eingeschobenen Filter so abdichtet, dass kein Streulicht hinter den Filter fallen kann. Die ND-Filter bisheriger Systeme haben meist auf der Rückseite eine Gummidichtung (Gasket) aufgeklebt, die den Filter zum Halter hin abdichten soll. Im Haida M10 Halter passt nun der ND-Filter mit Dichtung nicht mehr in den Slot. Hier gibt es zwei Optionen: Man entfernt entweder die Dichtung vom Filter oder man setzt den Filter so ein, dass die Dichtung nach vorne zeigt. Beides funktioniert, lässt jedoch ein Stück weit das eigentliche Konzept des M10 Halters ungenutzt.
Noch eine weiterer Punkt ist für Umsteiger interessant und hat möglicher Weise Auswirkung auf die Arbeitsweise: Da beim Haida M10 Halter die Aufnahme für die Drop-In Filter im dem Teil des Filterhalters sitzt, der auch die GND Einschübe auf nimmt, dreht sich der Polfilter mit, wenn man die GND-Filter verdreht. Hier muss ggf. der Polfilter abschließend nachjustiert werden.

Bild 3: Die Terrascape Filtertasche „Classic“ ist sehr gut geeignet zur Unterbringung von Drop-In Filtern, GND-Verläufen und dem Halter.

Ein Tip zu Aufbewahrung und Transport

Eine gewisse Herausforderung stellt das M10 Filtersystem an die Aufbewahrung bzw. den Transport. Zwar kommt der Halter in einem Transport-Etui, in der Praxis überzeugt diese Lösung jedoch nur eingeschränkt. Mein Fotokollege Thomas Zilch hat den Nutzwert des Etuis in der Praxis recht treffend in einem Wort beschrieben: „Unterirdisch“. Das liegt vor allem auch daran, dass dieses Etui neben dem Halter mit einem eingesetzten Drop-In Filter (i.d.R. ist das der Polfilter) und dem Light-Barrier keine weiteren Filter aufnehmen kann. Nimmt man nun zusätzlich seine GND-Filter sowie weitere Drop-In Filter mit, hat man ein unübersichtliches Sammelsurium vom Taschen und Etuis dabei, die zudem (bei den Drop-In Filtern) auch noch verhältnismäßig viel Platz einnehmen.

Will man sein Filtersystem „field-ready“ haben, so daß man ohne großes Suchen Zugriff auf den Halter und die Filter hat, ist das erst mal eine Knobelaufgabe. Knackpunkt sind hierbei die Drop-in Filter. Deren Bauform taugt nur sehr eingeschränkt für den Transport in den üblichen Filtertaschen.

Ich habe mich deswegen auf dem Taschenmarkt ein wenig umgesehen und bin über einen Post bei Facebook auf die Terrascape „Classic“ – Tasche aufmerksam geworden. Terrascape genießt ohnehin einen sehr guten Ruf in der Fotoszene und hat mit dem Modell  „Classic“ eine Tasche im Programm, die zusätzlich zum Halter bis zu 11 weitere Filter GND-Filter aufnehmen kann. 

Die Fächer für die Aufnahme der GND-Filter bieten ausreichend Flexibilität um auch die etwas dickeren Drop-In Filter aufzunehmen. Dazu legt man einfach die Drop-In Filter seitlich, abwechselnd einmal nach links und einmal nach rechts gedreht, in die Fächer für die GND-Filter. Neben meinen ingesamt sechs Drop-In Filtern, bietet die Tasche dann noch Platz für fünf GND-Einschübe, sowie den Halter inklusive Light-Barrier und Adapter-Ringe. Ein ausführliches Review der Tasche folgt in Kürze.

Im Vergleich zum NiSi Halter

Seit Mitte 2015 hat mich der NiSi-Halter (V5 und V5-Pro), teils in Zusammenarbeit mit dem Hersteller, in der Landschaftsfotografie begleitet. Die Art und Weise, wie bei diesem Halter ein verstellbarer Polfilter zusammen mit Grau- und Grauverlaufsfiltern genutzt werden kann, war zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form bei keinem anderen Anbieter zu finden. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten (fünf Euro ins Fotografen-Phrasen-Schwein!) und bei dem NiSi-Halter besteht der Schatten im wesentlichen aus zwei Punkten, die mich stören und von denen mindestens einer aus meiner Sicht besser gelöst sein könnte. Zum einen ist das die Montage des Polfilters im Halter. Das Einschrauben des Polfilters in den Halter erfordert spitze Finger, wenn man den Polfilter dabei nicht vertatschen will. Im Winter, mit Handschuhen ist es fast nicht möglich, das „unfallfrei“ hinzubekommen. Der zweite Punkt, der mich ebenfalls stört und der in meinen Augen besser gelöst sein könnte, ist die Befestigung des Adapters auf dem Objektiv. Der Adpater selbst hat ein 82mm Gewinde. Für Objektive mit kleinerem Filterdurchmesser, müssen Step-Up Ringe genutzt werden. Das funktioniert in der Theorie gut, ist in der Praxis aber eine recht fummelige Angelegenheit, die ihre Tücken hat – spätestens dann, wenn sich der Step-Up Ring mal wieder schwer vom Adapter lösen lässt.
Diese beiden Kritikpunkte habe ich bei dem Haida M10 Halter nicht. Konzeptionell, durch den Drop-In Einsatz, kann der Polfilter in Sekundenschnelle eingesetzt oder herausgenommen werden, ohne die Gefahr das Filterglas dabei mit den Fingern zu berühren. Das funktioniert auch mich Handschuhen gut. Zudem hat sich Haida dazu entschlossen, verschiedene Adapterringe anzubieten, die den Halter direkt mit dem Objektivgewinde verbinden – ohne den Umweg über Step-Up Ringe. Der Ring lässt sich gut greifen und ist wesentliche schneller montiert, als das bei der Step-Up Lösung von NiSi der Fall ist.
Gleichstand sehe ich bei der optischen Qualität der mitgelieferten Polfilter. Beide Polfiltereinsätze sind optisch sehr hochwertig, bei beiden ist die Polarisationswirkung vergleichbar und beide arbeiten extrem farbneutral (ohne erkennbaren Farbstich) durch den Polarizer.

Mein Fazit zum Haida M10 Filterhalter

Mit dem M10 Filterhalter hat Haida einen Halter für 100mm Einschubfilter im Programm, der das für Landschaftsfotografen wichtige Thema „Polfilter in Kombination mit Grau(verlaufs)filter“ durch den Drop-In Ansatz auf ein völlig neues Level hebt. Für meine bevorzugte Arbeitsweise bietet der Haida M10 Halter eine nahezu optimale Unterstützung. Von allen derzeit am Markt befindlichen Filtersystemen liefert er mir den meisten Mehrwert. Im Vergleich zu meinem bisher verwendeten NiSi System gibt es die beiden Hauptkritikpunkte, die ich am NiSi System habe, beim Haida M10 Halter nicht. Er löst daher meine bisher verwendeten NiSi Halter ab.

Weitere Informationen: Alle Links auf einen Blick

Hier noch einmal die Links aus dem Text an einer Stelle zusammen gefasst:

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