Nach dem uns die letzten Tage und Wochen mit Regen und Sturm mehr oder weniger an die Bude gefesselt hatten, wurde ich schon ganz unruhig, weil ich endlich wieder fotografieren wollte. Da kam der Vorschlag von Raik gerade recht, heute Abend doch einmal dem Licht auf dem Schlüsselfels eine Chance zu geben. Kurz darauf trafen wir uns am Waldparkplatz bei Busenberg.

Der Aufstieg zum Schlüsselfels ist kurz, nach zwanzig Minuten ist man oben. Der Weg mit der Nummer „3“ ist mehr ein Pfad und windet sich im Zick-Zack den Berg hoch. Kurze, steile Teilstücke wechseln sich dabei mit längeren, fast ebenen Passagen ab. Gemütlich hochlaufen und dabei quatschen ist nicht immer möglich, dazu ist der Anstieg doch zu fies.

Oben angekommen genießen wir zuerst einmal den Fernblick, den der Schlüsselfels bietet. Fast windstill ist es heute Abend hier und der Blick reicht über die Hügel des Pfälzer Waldes bis zur Rheinebene und den Vogesen. Weiter unten im Tal liegt die Burg Berwartstein. Für uns Fotografen typisch, bewerten wir gleich die fotografischen Möglichkeiten. Sowohl für das ‚Hier und Heute‘, als auch im Hinblick auf andere Jahreszeiten und Wetterbedingungen.

Jetzt im Januar wird die Sonne rechts von uns untergehen, wenig attraktiv hinter einem Hügel. Der Himmel ist leicht bewölkt mit ein paar Schleiern und in Richtung Sonnenuntergang nimmt die Bewölkung zu. Wenn wir Glück haben, kommt zum Sonnenuntergang etwas Farbe in den Himmel. In den Tälern herrscht derweil winterliche Tristesse. Grün-Braun-Nass und ohne Schnee, eben typisch für einen (wieder mal viel zu milden) Winter in der Pfalz. Am Horizont ist Nebel in den Niederungen zu erkennen, aber der ist zu weit weg, um ihn ansprechend ins Bild einbauen zu können. Die Burg Berwartstein im Nebel, das wär schon was. Aber danach sieht es jetzt leider nicht aus. Damit ist diese Location ein Kandidat für eine Wetterlage, die Nebel in den Tälern verspricht, denn einen schönen Blick auf die Burg Berwartstein hat man von hier aus, soviel steht fest.

 mpb150008So haben wir Licht und Landschaft zunächst vorgefunden. Danke an Raik für das Making-Of!

Vom Schlüsselfels führt ein fast ebener Weg zum Buchkammerfels. Auf der Karte ist die topografische Position des Buchkammerfels der des Schlüsselfels nicht unähnlich und da wir bis zum Sonnenuntergang noch etwas Zeit haben, beschließen wir, die Location am Buchkammerfels anzuschauen. Vielleicht bietet der etwas, was der Schlüsselfels nicht für uns hat? Nein, das tut er nicht. In wenigen Minuten sind wir dort und stellen rasch fest, dass es sich weder heute noch zu anderen Jahreszeiten großartig lohnen dürfte hier fotografisch tätig zu werden. Also geht es wieder zurück zum Schlüsselfels und dort wollen wir warten, ob der Sonnenuntergang vielleicht noch ein As für uns aus dem Ärmel zieht. Die Sonne steht schon tief und kommt zwischen den Wolken hervor. Dabei wirft sie ein super schönes, warmes Streiflicht in den Wald und wir rennen die letzten Meter zum Schlüsselfels um zu schauen, ob wir das Licht dort irgendwie nutzen können. Dort angekommen stellen wir fest, dass der Nebel, der vor wenigen Minuten noch ganz am Horizont war, eindeutig auf dem Weg zu uns ist. Mit dem Tele lassen sich schon erste „Wald-Nebel“ Ausschnitte einfangen.

mpb150004Nebelfetzen steigen aus dem Wald vor dem Schlüsselfels auf

Dann fällt mir die Burg Berwartstein ein. Vielleicht tut sich ja doch noch was in Punkto Burg und Nebel? Von meiner Kameraposition aus schaue ich zwischen Felsen und Bäumen durch und was ich dann sehe, kann ich kaum glauben: Die Berwartstein wird gerade vom Nebel umwandert! Jetzt muss es schnell gehen. Ich wechsle die Position hinauf auf den Felsen, um eine ungehinderte Sicht auf die Burg zu haben. Ein paar Einstellungen und Kompositionen von der Burg in der Landschaft sind noch möglich, dann ist sie auch schon komplett im Nebel versunken.

mpb150006Die Burg Berwartstein im Winternebel

So allmählich wird das hier was Gutes! Erst der Nebel im Wald, dann die Burg Berwartstein im Nebel – jetzt sind wir gespannt auf den Sonnenuntergang und wie der Nebel weiter zu uns zieht. Vergessen sind die Kälte und die klammen Finger, wir sind heiß und wollen noch ein paar gute Bilder mitnehmen – und wir werden nicht enttäuscht. Zwar kommt kein wildes Feuer in den Himmel, dafür gibt es ein nettes Leuchten über dem Horizont mit leichten Schleierwolken darüber. Die Show macht heute Abend aber der Nebel. Auf dem Schlüsselfels stehen wir wie auf einer Insel über dem Nebelmeer. Langsam steigt er zu uns hoch, die Feuchtigkeit in der Luft lässt Stative und Kameras beschlagen. Die Grauverlaufsfilter müssen wir immer wieder frei wischen. Aber es lohnt sich. Es entstehen die letzten Bilder für den Tag und es fällt uns schwer überhaupt aufzuhören.

mpb150005Nebelmeer unter dem Schlüsselfels

Erst als der Nebel beginnt uns einzuhüllen und die Sicht selbst auf kurze Distanz trübe wird, packen wir zufrieden und mit kalten Fingern ein.

Wer hätte das gedacht? Zuerst sieht es nach einem wenig spannenden Winterabend und einer für den Tag nicht optimalen Location aus und dann dreht das noch mal komplett und wir waren mitten drin! Genau das ist es, was mich immer wieder antreibt rauszugehen: Die Natur zu erleben, mich von ihr überraschen zu lassen und dann im Idealfall, so wie heute, mit fantastischen Bildern heimzukommen.

Im Schein der Stirnlampen machen wir uns auf den Rückweg, glücklich und zufrieden mit dem Erlebten. Kaum haben wir ein paar Höhenmeter verloren, verschluckt uns der Nebel auch schon komplett und der Rückweg gerät stellenweise zum Ratespiel. „Sind wir am Abzweig schon vorbei oder kommt der erst noch?“ Fast ohne Fehlversuche schaffen wir es zum Parkplatz. Schön wars!