Die Tücken der Mondfotografie

Legendär ist mittlerweile mein Ruf unter Kollegen, wenn es darum geht, den Vollmond zu fotografieren. Nicht, dass ich mit außergewöhnlichen Bildern vom Vollmond aufwarten könnte, nein, der Grund ist ein ganz anderer: Immer dann, wenn ich mir vornehme den Vollmond zu fotografieren, spielt das Wetter nicht mit. Zumindest war das eine ganze Zeit so. Entweder ist im Vorfeld schon klar, dass der Himmel dick bedeckt ist oder es ziehen in letzter Sekunde doch noch Wolken auf und versperren die Sicht auf den Mond. Damit habe ich es tatsächlich geschafft an 23 aufeinderfolgenden Vollmondereignissen (also fast zwei Jahre), egal wo ich gerade war auf dem Erdball (Europa, Asien, Amerika), den Vollmond nicht vors Objektiv zu bekommen. An dieser Stelle muss ich ergänzen, dass mein Ziel bei der Fotografie vom Vollmond nicht darin besteht, die weit oben am Himmel stehende Kugel bei stockfinsterer Nacht mit dem Teleobjektiv möglichst groß abzubilden. Nein, das finde ich ausgesprochen langweilig. Meine Ambition geht dahin, den Vollmond zum Auf- oder Untergang über der Landschaft abzubilden.

Das Pech, das mich dabei verfolgte, hat mir erst mal einen Ruf eingebrockt und halb im Spaß, halb im Ernst haben die Kollegen schon ihre Planung für die Mondfotografie daran festgemacht, dass ich an diesem Tag nicht das gleiche vor habe. Jedenfalls war das lange ein Running-Gag und wir hatten viel Spaß deswegen. Irgendwann, vor etwas mehr als einem Jahr, habe ich mich dann nochmal daran gewagt und siehe da – der Fluch war auf einmal besiegt. Aljoscha und Harald hatten mich zum Vollmond-Untergang an die Burg Drachenfels mitgenommen. Mir war erst nicht ganz wohl bei der Sache, denn ich war mir sehr sicher, dass ich den beiden mit meinem Mond-Karma die Tour vermassele. Aber es hat tatsächlich funktioniert!

Der Fluch war gebrochen! Vollmonduntergang an der Burg Drachenfels im April 2019.

Nun gibt es, neben persönlichem Pech, noch ein paar andere Faktoren, die diese Art der Fotografie zu einer spannenden Sache machen. Damit der Mond auf dem Bild eindrucksvoll und nicht verloren und klein wirkt, ist eine längere Brennweite erforderlich. Das fängt bei ca. 200mm an und kann, je nach Motiv, gerne in den Bereich bis zu 600mm gehen. Je länger die Brennweite wird, um so kleiner wird der Bildwinkel und damit der Ausschnitt, den wir im Bild erfassen können. In diesem engen Bildausschnitt muss sowohl der Mond, als auch das zugehörige Motiv (bspw. ein Felsen oder eine Burg) abgebildet werden. Dabei soll der Mond auch noch möglichst flach über dem Horizont stehen. Die Position in der Landschaft zu finden, von der aus eine solche Aufnahme für ein bestimmtes Motiv möglich ist, erfordert einiges an Planung und vor allem an Erfahrung. Jens Theobald und Aljoscha Hirschinger sind für mich die Meister auf diesem Gebiet. Ich konnte mir mittlerweile einiges bei den beiden abschauen, und hier will ich Euch zeigen, wie ich das neulich genutzt habe, um eine Bildidee umzusetzen.

Die Planung

Als erstes spukt einem die Idee im Kopf herum und man prüft man für jedes Vollmondereignis den Verlauf des Mondes, insbesondere die Position des Aufgangs und des Untergangs. Das kann zunächst auf einer 2-D Karte geschehen und wenn das irgendwann in der Nähe des gewünschten Motivs stattfindet, kann man in die genauere Planung einsteigen und schauen ob das passt. Bei mir war das so, dass ich mich mit Jens unterhalten habe, was beim nächsten Vollmond möglich sein wird und Jens hatte bereits die Idee für dieses Motiv und auch schon einen Vorschlag für einen möglichen Kamerastandort. Er war sich aber nicht sicher, wie die genauen Gegebenheiten vor Ort sind und ob wir da wirklich freie Sicht haben werden. Dank moderner Technik, kann man bereits vorab erkenne, ob eine bestimmten Position im Gelände grundsätzlich passt.

TPE 3D

Ich nutze für meine fotografische Planung gerne die Tools aus der „The Photographers Ephemeris“ – Suite, kurz TPE. Mir gefällt dabei, dass sich diese Tools recht intuitiv bedienen lassen und gleichzeitig sehr präzise Ergebnisse liefern. Für die angedachte Bildidee wollte ich zunächst die folgenden Informationen erhalten:

  1. Besteht von der angedachten Kameraposition eine Sichtverbindung zur Location?
  2. Stimmt der Verlauf des Vollmonds von der Kameraposition aus?

Dazu habe ich die App TPE 3D genutzt und zunächst zwei Pins (A und B) gesetzt. Den Pin A habe ich an die Position der Burg Berwartstein gesetzt. Den Pin B habe ich an die Position in der Landschaft gesetzt, die Jens als Kameraposition vorgeschlagen hatte.

Wie im Screenshot aus der App zu sehen ist, besteht (zumindest vom Geländeverlauf) eine Sichtverbindung zur Location und auch der Verlauf des Vollmondes passt. 

Die Verifizierung vor Ort

Mit Jens war ich mir einig, dass die Idee funktionieren könnte und so haben wir beschlossen an diesem Abend unser Glück zu versuchen. Nun gibt es bei aller Vorabplanung auch jenseits vom Wetter noch einige Unsicherheiten, auf die man vor Ort in begrenztem Umfang reagieren kann, wenn man rechtzeitig dort ist. Deswegen trafen wir uns mit einer guten Stunde Vorlauf und das war auch richtig, denn was vorab auf den Planungen nicht zu erkennen war, ist der Bewuchs. Alle Geländemodelle (auch das von TPE 3D) kennen keine bodennahe Vegetation. Sie bilden statt dessen einfach den Verlauf einer geglätteten Oberfläche ab. In unserem Fall war eine ganze Reihe Bäume im Weg, die den Blick von der Wiese auf die Burg versperrte. Wir fanden nach kurzem Suchen hinter den Bäumen eine weitere Wiesenfläche, die einen Blick auf die Burg erlaubte. Jedoch waren wir uns dann nicht mehr sicher, ob die Höhe ausreichen würde, um weiterhin den Mond hinter der Burg zu haben.

Die AR-Darstellung in TPE

Das Kernstück und gleichzeitig der Namensgeber aus der TPE Planungssuite ist die App „The Photographers Ephemeres (TPE)“. Neben der Planung im 2D Modell bietet TPE auch eine AR Ansicht, die es erlaubt den Verlauf von Sonne, Mond und Sternen als Overlay über dem Livebild der Smartphone-Kamera anzuzeigen.
Zur Überprüfung, in wie weit unser neuer Standort noch zum Verlauf des Mondes passt, habe ich hier die AR-Darstellung genutzt. Im Screenshot ist zu erkennen, dass der Verlauf des Mondes für die gewählte Position passen wird.

Tip: Die Präzision dieser Darstellung hängt entscheidend von der Genauigkeit der Sensoren im Smartphone ab. Neben den GPS-Daten wird hier auch der Kompass benötigt. Es ist daher sehr wichtig, dass kein Metall in der Nähe ist und man ggf. eine Kalibrierung der Sensoren Durchführt. Dazu wird das Smartphone nach dem Einschalten der AR-Funktion einmal in Form einer liegenden Acht gedreht. Ich führe diese Kalibrierung regelmäßig vor Nutzung der AR-Darstellung durch.

 

 

 

Die Aufnahme

Nachdem die Stative aufgebaut waren, war erst einmal Warten angesagt. Wir sollten noch ca, 15 Minuten Zeit haben, bis sicher der Mond links von der Burg und halb verdeckt von den Bäumen zeigen wird. Als er dann dort zu erkennen war, wussten wir endgültig, dass wir auf der sicheren Seite sein werden und die Planung stimmt. All zu viel Zeit bleibt dem Fotografen nicht, wenn der Mond an der gewünschten Postion steht. Deswegen sollte man möglichst schon vorher den Bildausschnitt (in etwa) gewählt haben und die bestimmte Grundeinstellungen an der Kamera festgelegt haben. An diesem Abend war ich mit der EOS R und dem Tamron 150-600 G2 Objektiv unterwegs. Dieser Brennweitenbereich ist ideal für diese Art der Fotografie.

Keine Rücksicht auf die ISO: Der Mond bewegt sich bei längeren Brennweiten relativ schnell durch das Bild. Eine längere Belichtung in der Dämmerungszeit bei niedriger ISO, wie man das sonst in der Landschaftsfotografie gewohnt ist, würde zu einer verwischten Abbildung des Mondes führen und das Bild wäre ruiniert. Um auf der sicheren Seite zu sein, folge ich für die Wahl der Verschlusszeit der Faustformel „Belichtungszeit <= 1/ (0,5*Brennweite)“. Bei 600mm bedeutet das, ich stelle 1/320s als Verschlusszeit ein. Die Blende gebe ich ebenfalls vor, hier ist es f/9. Damit sind in dem Belichtungsdreieck, bestehend aus Zeit, Blende und ISO, zwei von drei Parametern vorgegeben. Die ISO muss jetzt variiert werden, um die passende Belichtung zu erreichen. Das überlasse ich der Kamera und stelle die ISO auf „Auto“. Der Wert, der zum Aufnahmezeitpunkt ermittelt wird ist ISO2500. Das ist immer noch relativ niedrig und zeigt, dass noch deutlich Resthelligkeit in der Landschaft war.

All zu viele Motivvariationen gab es nicht bei dieser Mondfotografie. Das liegt vor allem daran, dass bereits eine geringe Veränderung des Standorts zu einer deutlichen Veränderung der Position des Mondes im Verhältnis zur Burg führte. Letztendlich hat mir im Ergebnis die Hochformat-Variante mit dem Mond hinter der Burgterrasse am besten gefallen:

 

 

 

Das Ergebnis der Planungsarbeit: Der Vollmond hinter der Burg Berwartstein im Juli 2020.

360 Grad – On Location

Wie kann ich meinen Lesern am besten einen Eindruck davon vermitteln, wie es vor Ort ausgesehen hat? Wie war es an dem Ort, an dem ich mit meiner Kamera stand und wie sah es drum herum aus? Bisher habe ich das im Text beschrieben und manchmal auch ein „Making-Of“ dazu gepostet. Das waren aber immer nur sehr statische Eindrücke. Wie wäre es, wenn sich der Leser selbst am Ort des Geschehens umsehen könnte? Daran habe ich gearbeitet und hier ist der Versuch, den Betrachter an die Location mit zu nehmen. Schreibt mir doch bitte in die Kommentare, wie Euch das gefällt.

Schaut Euch doch mal an unserer Location um! (Einfach mit gedrückter Maustaste das Bild bewegen.) 

 

Ich hoffe, dieser Einblicke in meine Arbeitsweise war wieder interessant für Euch. Wie immer freue ich mich über Kommentare, Anregungen und Fragen. 

Weitere Informationen: Alle Links auf einen Blick

Hier noch einmal die Links zu Produkten und Fotografen an einer Stelle zusammen gefasst:

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