Nach dem Sonnenaufgang in den Mesquite Dunes des Death Valley geht es am zweiten Tag unserer Fototour durch den Südwesten der USA in Richtung Nordosten. Wir kehren dabei aus der Wüste wieder in die Zivilisation zurück. Krasser könnte der Unterschied kaum sein: Bei einem Kaffeestop in einem der zahllosen Einkaufszentren am Rande von Las Vegas entdecke ich an meiner Hose noch etwas Sand aus den Dünen, in denen ich heute morgen zum Sonnenaufgang stand. Glücklicherweise lassen wir Las Vegas bald wieder hinter uns und nach noch nicht mal einer Stunde Fahrt sind wir an unserer nächsten Location angelangt, dem Valley of Fire State Park in Nevada.

Es ist sehr beeindruckend, wenn plötzlich die leuchtend roten Felsen des Valley of Fire aus dem sonst eher stumpfen Wüstenumfeld auftauchen. Natürlich wussten wir, dass wir hierher wollten und wir haben uns im Vorfeld eingehend informiert, was wir hier fotografieren können. Dennoch sind wir erst mal überwältig von der Landschaft und so fahren wir staunend durch den Park. Es ist, als hätte man uns ein Geschenk gemacht: „So, hier habt Ihr haufenweise tolle Landschaft: Tobt Euch aus!“

Crazy Hill

Nachdem wir unsere erste Begeisterung im Griff haben, setzt wieder das Fotografenprogramm im Hirn ein: Ein Blick auf die Uhr, ein Blick gegen den Himmel und ein Blick auf die Liste mit den Notizen aus unserer Reisevorbereitung und wir wissen, wo wir hin müssen. Der Crazy Hill wartet auf uns. Wir parken am Parkplatz des Trailheads, der auch zu der Rainbow Wave (die gelegentlich auch Fire Wave genannt wird) führt. Wir laufen aber in die entgegengesetzte Richtung. Ein paar Meter folgen wir einem Pfad leicht bergab, dann können wir das Objekt unserer Begierde auch schon sehen und „auf Sicht“ weiterlaufen.

Der Crazy Hill im Valley of Fire: Die Formen, Farben und Linien dieses Hügels wollen wir uns anschauen.

Dort angekommen, gilt es erst einmal eine Perspektive zu finden, bei der die Linien ansprechend im Bild geführt werden können. Ich entscheide mich schließlich für eine bodennahe Aufnahme mit einem Weitwinkelobjektiv. Eine dünne Wolkendecke ist am Himmel und dadurch erscheinen die Farben in etwas gebrochenen, pastellartigen Tönen. Nach dem ich alles aufgebaut habe und meinen Bildausschnitt festgelegt habe, scheint die Sonne dann wie bestellt für ein paar Minuten durch eine Lücke in der dünnen Wolkendecke und taucht dabei die Landschaft in ein angenehm warmes Nachmittagslicht. Die Farben wechseln jetzt von den Pastelltönen zu intensiven Tönen, ein Polfilter unterstreicht das noch einmal.

Der Crazy Hill im warmen Licht der Nachmittagssonne.

Die Szenerie mit den bunten Farben und Linien wirkt nicht nur auf den Bildern ein Stück weit surreal. Auch wenn man vor Ort ist, schaut man sich um und fragt sich, ob man wirklich gerade in so einer bunten Gegend steht.

 Eine Umgebung, so bunt wie man sie nur selten findet.

Mittlerweile sind wieder dünne Wolken vor die Sonne gezogen und die Farbtöne werden wieder etwas weicher.

Als hätte jemand Farben über die Treppen gekippt: Felsstufen am Crazy Hill.

Es macht Spaß, immer wieder neue Ausschnitte zu finden und mit dem Verlauf der Linien und Farben im Bild zu spielen und die Zeit vergeht dabei sehr schnell. Bald schon müssen wir uns losreißen, denn im Januar wird es früh dunkel, bereits kurz nach 17:00 soll der Sonnenuntergang sein und für den Sonnenuntergang wollen wir die Location wechseln. Die Rainbow Wave soll unser letztes Ziel des Tages werden. Etwas skeptisch bin ich, denn was ich bisher auf Bildern gesehen habe, sieht zwar ganz nett aus, aber dieser „da muss ich unbedingt hin!“-Reflex blieb bisher aus. Wir nehmen die Location also eher mit, weil wir schon mal in der Nähe sind. An der Rainbow Wave angekommen, bestätigt sich der Eindruck, den ich vorab hatte. Ich finde diese Location eindeutig überbewertet und kann den Hype nicht nachvollziehen, der an einigen Stellen darum gemacht wird. Für mein Empfinden gibt es im Valley of Fire zahlreiche andere Locations, die mich wesentlich mehr ansprechen. Raik dürfte es ähnlich gegangen sein, ich habe ihn jedenfalls schon deutlich euphorischer erlebt an anderen Locations.

Klammheimlich haben wir auf einen klaren Nachthimmel gehofft, um noch Sterne fotografieren zu können. Aber nach Sonnenuntergang ziehen rasch dichte Wolken auf, was unser Vorhaben durchkreuzt. Wir nehmen es leicht, es ist ja erst der zweite Abend hier und es werden sicher noch klare Nächte kommen. Wir beschließen stattdessen den Rest des Abends bei dem Mexikaner gegenüber von unserem Hotel zu verbringen. Dabei freuen wir uns auf den morgigen Tag im Valley of Fire, für den wir eine schöne Auswahl an Locations auf unserer Liste haben.

Elephant Rock

Als erste Location für den Tag haben wir uns den Elephant Rock ausgesucht. Dort wollen wir zum Sonnenaufgang sein. Der Elephant Rock befindet sich gleich am östlichen Parkeingang. Vom Parkplatz am Kassenhäuschen läuft man ca. 100 Meter den Hügel hinauf, parallel zur Straße. Das ist dann auch schon die erste kleine Herausforderung an dieser Location: Nein, nicht die 100m Fußweg, vielmehr gilt es hier einen Blickwinkel zu finden, der die Straße möglichst aus dem Bild heraus hält. Wir sind so rechtzeitig vor Ort, dass wir uns nicht nur mit der Location vertraut machen können, es bleibt sogar noch Zeit das Umland fotografisch zu erkunden. Raik geht in die Ebene unterhalb des Elephant Rock hinab, ich gehe hoch zum Rock für eine Übersichtsaufnahme:

Blick vom Elephant Rock über die Ebene nord-östlich des Parks. Irgendwo dort unten hüpft Raik herum.

Spannend aus fotografischer Sicht wird es am Elephant Rock, sobald die Sonne hinter der Felskante hervortritt. Für zusätzliche Spannung sorgen an diesem Morgen die Wolken, die das zunächst verhindern. Etwas angenagt von der unglücklichen Lichtsituation, sind wir gedanklich schon dabei uns von der Motividee für heute zu verabschieden. Dann schiebt sich die Sonne in eine kleine Wolkenlücke und wir bekommen doch noch unsere Bilder.

Elephant Rock, kurz nach Sonnenaufgang.

Nach diesem „Last-Minute-Deal“ mit der Sonne, wird es auch schon Zeit, dass wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Location machen. Wir müssen dazu einmal quer durch den Park, bis an die westliche Abzweigung der Scenic Loop Road.

Fire Cave

Die Fire Cave ist eine (sehr) kleine Höhle mit interessanten Ausformungen und einem kleinen Felsbogen innerhalb der Höhle. Man würde wohl an dieser Location vorbeilaufen, wenn man nicht wüsste, wo man suchen muss. Dabei ist unsere Location gerade mal wenige Meter in Sichtweite neben der Straße. Sie ist aber so klein, dass man nur gebückt ein Stück weit hinein kriechen kann und für mehr als einen Fotografen ist da auch kein Platz. Während also ein Fotograf so halb drinnen ist, hat der andere Pause und kann, wie Raik, diese Aufnahme machen:

Die Fire Cave. Was aussieht wie ein Unterstand für Zwergen, hat innen drin einiges zu bieten.

Da drin soll sich also ein Motiv verbergen? Ja, das tut es und so sieht es aus:

Fire Cave im Valley of Fire State Park, Nevada. 

Am anderen Ende der Fire Cave fiel mir eine interessante Verwitterung auf. Deswegen bin ich noch einmal mit dem Fisheye Objektiv hinein gekrabbelt.

Verwitterung am Ende der Fire Cave.

Noch etwas zu der Location: Die Fire Cave funktioniert fotografisch nur dann sauber, wenn noch kein direktes Sonnenlicht in die Höhle hineinfällt. Das ist i.d.R. am frühen Vormittag der Fall. Wer dort hin will, sollte seinen Besuch also entsprechend planen, was die Tageszeit angeht. Wenn wir gerade beim Planen sind: Die Fire Cave befindet sich ca. 20 Meter neben der Straße. Bitte, wer für den Weg dorthin GPS-Koordinaten braucht, sollte sich vorsichtshalber auch Trockennahrung, Wasser für fünf Tage sowie Leuchtraketen einpacken…

Eine bequem zu erreichende Location: Die Fire Cave liegt nahe an der Scenic Loop Road.

Mittlerweile haben wir späten Vormittag, die Sonne steht schon recht steil, der Himmel ist wolkenlos und entsprechend hart ist das Licht. Wir sind jetzt an der Fire Cave so weit durch und normalerweise hätten wir jetzt frei bis zum späten Nachmittag, wenn das Licht wieder angenehmer wird. Wir würden nun Essen, neue Locations scouten oder uns einfach nur eine Runde aufs Ohr hauen. Aber nicht heute, denn wir haben da noch eine Location auf Lager, einen Bereich mit hohen Felswänden, die uns Schatten spenden und damit das harte Mittagslicht noch etwas abhalten können. Dort wollen wir nach ein paar Details suchen, die wir im Schatten der Felsen hoffentlich gut fotografieren können.

White Domes

Wenig später sind wir auf dem White Domes Loop, einem gut markierten Rundweg, der uns zuerst als Sandweg ein Stück bergab führt, um dann als trockenes Bachbett zwischen hohen Felswänden entlang zu führen.

Auf dem White Domes Loop führt der Weg zwischen steile Felswände, diese spenden bis in den späten Vormittag hinein Schatten.

Hier beginnt es jetzt für uns interessant zu werden. Wir suchen nach Formen und Strukturen, die im Schatten liegen und bestenfalls durch reflektiertes Licht beleuchtet werden. Dieses weiche, fast schattenfreie, Licht eignet sich hervorragend, um Details im Bild fest zu halten. Bald schon werden wir fündig:

Am White Domes Loop: Wasser hat die kleineren Steine an einer Engstelle zwischen den Felsen abgelagert.

Auch in die schmaleren Abläufe in den Felswänden hat das Wasser Steine gespült.

Nach dem auch am White Domes Loop die Sonne die letzten Flecken erreicht hat, ist es Zeit für die verdiente Mittagspause. Sie fällt fotografisch zweckmässig aus (geht schnell und macht satt bis zum Abendessen). Am frühen Nachmittag sind wir auch schon wieder auf dem Weg zurück in den Park.

Rainbow Vista

Unsere Abendlocation haben wir im Vorfeld der Reise, während unserer Planung, auf Satellitenbildern des Parks entdeckt. Die Gegend um die Rainbow Vista sah vom Landschaftsverlauf vielversprechend aus. Eine gezielte Suche nach Bildern aus dem Gebiet hat das bestätigt. Außerdem ist heute Vollmond und deswegen war es uns zusätzlich wichtig, dass sich das Gelände in Richtung des Mondaufgangs öffnet. Auch das tut die Rainbow Vista für den Mondaufgang im Januar.

Soweit wäre damit alles in bester Ordnung – theoretisch zumindest. Wer mein „leicht“ angespanntes Verhältnis zum Mondaufgang kennt, der weiss, dass hier durchaus noch Potential für Überraschungen steckt. Aber der Reihe nach, erst einmal kommen wir dort an…

Vom Parkplatz aus geht es wenige hundert Meter über Sand und dann eine Felsschräge hinauf und wir finden den Ausblick, wie wir ihn uns auf den Satellitenbildern herausgesucht haben.

Zeitig vor Ort, die Aussicht von der Rainbow Vista passt.

Oben angekommen genießen wir den Panoramablick. Der Himmel ist locker bewölkt, das möge sich bis zum Mondaufgang bitte noch verziehen, oder zumindest so verteilen, dass der Mond zu sehen sein wird. Bis dahin gibt die Felswand einen guten Windschutz ab und ist zudem noch angenehm warm von der Nachmittagssonne. Ich lehne mich entspannt an und beobachte in Ruhe, wie sich die Wolken bewegen. Bis zum Mondaufgang ist noch eine gute Stunde Zeit und ich erlaube mir den Luxus hier einfach die Ruhe, die Einsamkeit und den Ausblick zu genießen. Im Rahmen jeder Reise habe ich irgendwann das Gefühl „angekommen“ zu sein. Für diese Reise ist das in diesem Moment der Fall.

Mit mir angekommen ist offensichtlich auch mein Pech, was die Fotografie von Vollmond angeht. Zu Hause in der Pfalz versteckt der Mond sich regelmäßig, wenn ich mit der Kamera unterwegs bin. Auch hier scheint mir kein Glück beschieden zu sein, was den Vollmond angeht. Der Himmel hat zwar nicht übermäßig viele Wolken, aber die verdichten sich zielgenau an der Stelle, an welcher der Vollmond aufgehen wird:

Na, prima! Die Überlagerung der Planungssoftware mit dem Realbild zeigt es: Die Wolken blocken den Mond perfekt.

Spätestens jetzt steht fest: Meine Mondkacke ist mächtig und wirkt international! Mein Frust hält sich jedoch in Grenzen. Schließlich bin ich es ja gewohnt, dass das mit dem Mond nix wird. Als kleinen Trost taucht die untergehende Sonne die Landschaft in ein wunderbares Licht. Eine Panorama bietet sich hier an, nein, es drängt sich gerade zu auf.

Panoramablick von der Rainbow Vista, im Hintergrund die Berge der Lime Ridge

Bald darauf hat der Mond das Rennen mit den Wolken endgültig verloren. Er wird sich an diesem Abend nicht mehr zeigen. Eine Wolkendecke, aus der es in der Nacht zu regnen anfangen soll, liegt nun über dem größten Teil des Himmels. Nur in Richtung des Sonnenuntergangs ist noch ein kleiner Streifen am Horizont wolkenfrei. Die Sonne nutzt das und lässt zum Abschied noch einmal die Wolken aufleuchten. Ein letztes kurzes Schauspiel am Himmel über uns, dann geht das Licht weg und wir treten den Weg zurück zum Auto an. Kaum sind wir eingestiegen, beginnt es zu regnen. Das nennt man gutes Timing!

Die untergehende Sonne lässt noch einmal die Wolken aufleuchten. 

Mit dem Regenwolken am Himmel hat sich auch die Möglichkeit erledigt, heute Abend einen Sternenhimmel zu fotografieren. Macht ja nix, wir sind ja erst drei Tage hier, es kommen sicher noch Gelegenheiten.

Bleibt die Frage, wie es denn weiter geht. Im Hotel angekommen, besprechen wir noch einmal unsere weitere Planung. Ursprünglich hatten wir vor, morgen früh den Sonnenaufgang im Valley of Fire mitzunehmen um dann grob in Richtung der Nationalparks Zion und Bryce Canyon weiter zu fahren. Die Wettermodelle, die wir zur Planung nutzen, sind sich zwar einig darin, dass es morgen früh regnen soll, ab dem späten Vormittag gehen die Vorhersagen aber deutlich auseinander. Zwischen „heiter und leicht bewölkt“ und „Schnee bis in tiefe Lagen“ ist fast alles dabei. Auf dieser Basis wollen wir noch keine Entscheidung treffen. Wir werden daher morgen den Wecker etwas früher stellen, um dann zu entscheiden was unser nächstes Ziel auf der Reise werden wird. Damit die Spannung an dieser Stelle nicht abreisst, verrate ich hier noch nicht, wo wir morgen sein werden. Lasst Euch überraschen… 😉

Den Blogbeitrag von Raik zum Valley of Fire findet Ihr auf raiklight.de