„…dafür muss sich das heute aber wirklich lohnen!“ – ist mein Gedanke, nachdem mir eben bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Tauwasser von einem Felsüberhang in den Nacken gelaufen ist. Zusammen mit Chris bin ich endlich wieder im Pfälzerwald unterwegs. Nach einem Regenwetter, was gefühlt drei Wochen über der Pfalz lag, hat es über Nacht aufgeklart. Die Feuchte der vergangenen Tage ist zusammen mit dem nächtlichen Temperaturabfall eine Kombination, die uns auf Nebel hoffen lässt. Wir haben den gekennzeichneten Wanderweg verlassen und gehen dicht an einem langen Buntsandsteinfelsen entlang. Der Pfad ist schmal, links steht die Felswand, rechts geht es steil mehrere Meter herunter. Oft passt nur ein Fuß zwischen Fels und Hang. Nasse Wurzeln und tiefe Überhänge unter denen wir durch müssen, machen das ganze noch mal spannender. Ab und zu machen wir halt, um uns zu orientieren. Dabei erkennen wir durch die Bäume, wie der Himmel schon lange vor Sonnenaufgang Farbe bekommt. Das lässt unsere Vorfreude steigen und als wir wenig später auf dem Felsen über dem Tal stehen, sind wir restlos begeistert!

Unter uns im Tal liegt der Nebel und die Wolken am Himmel reflektieren das erste Rot der Sonne, die noch ein ganzes Stück unter dem Horizont steht. Als wäre das nicht schon genug, leuchten auch ein paar Nebelfetzen, die weiter aufgestiegen sind, im Gegenlicht.

mpb160013Was für ein Blick! Mit dieser Aussicht wurden wir auf dem Felsen empfangen.

Unzählige male durften wir schon den Tagesanbruch auf den Hügeln, Burgen und Türmen über der Pfalz erleben. Mit der Zeit bekommt man dabei ein Gefühl, wie sich eine Wettersituation weiter entwickeln kann. Bald merken wir, dieser Morgen wird außergewöhnlich. Die Färbung der Wolken hat heute ungewöhnlich früh begonnen und ist dazu sehr intensiv. Wenn das nicht in den nächsten Minuten komplett kippt, aber danach sieht es nicht aus, dann erleben wir heute ein Feuerwerk.

Fünfzehn Minuten vor Sonnenaufgang erreicht die Färbung im Himmel schließlich ihren Höhepunkt. Dazu liegt der Nebel vor uns im Tal und spätestens jetzt steht für mich fest: Das ist einer der spektakulärsten Tagesanbrüche, die ich bisher erlebt habe!

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Die Färbung im Himmel hat den Höhepunkt ihrer Intensität erreicht.

Fasziniert beobachten wir das Schauspiel, das sich uns bietet. Die Färbung im Himmel verliert nun wieder an Intensität, dafür bekommt jetzt der Nebel immer mehr Licht.

mpb160017Kurz bevor die Sonne über den Horizont schaut: Der Nebel im Tal wird heller.

Den Wolken hatten wir die tolle Färbung im Himmel vor dem Sonnenaufgang zu verdanken. Jetzt, in dem Moment, in dem die Sonne über den Horizont schauen will, kommt die Kehrseite der Medaille: Wir sehen statt der Sonne nur einen diffusen, hellen Fleck am Himmel. Aber darüber wollen wir uns nicht beklagen, zu einzigartig waren die Minuten zuvor.

Jetzt haben wir etwas ‚Pause‘ und genießen den Ausblick. Zum ersten mal merke ich, dass ich eiskalte Füße habe. Egal, die werden auch wieder warm.

Zwischenzeitlich nutze ich das diffuse Licht und suche mir Details im Nebel heraus.

mpb160015Jede Lichtsituation hat ihre Motive: Baumgruppe im Nebel bei leicht diffusem Licht. 

Bald ist es so hell, dass die Kontraste auf dem Bild kaum noch in den Griff zu bekommen sind. Trotzdem bleiben wir noch eine Weile und schauen einfach nur zu, wie um uns herum im Tal der Nebel in Wallung ist.

mpb160016Ein Nebelgeist – Praktisch auf der letzten Rille, was den zu bewältigenden Kontrastumfang in einer Aufnahme angeht.

Es fällt uns schwer, heute morgen den Heimweg anzutreten. Zu fasziniert waren wir von dem was wir gesehen haben. Aber irgendwann muss man gehen, sonst kann man nicht noch mal herkommen – und das werden wir sicher! 😉

Chris hatte übrigens noch eine kleinere Kamera aufgebaut, die Bilder für eine Timelapse-Sequenz geliefert hat. Hier ist der fertige Film dazu: