Einem freundlichen malayischen Fotohändler und einer überaus verständnisvollen Ehefrau, habe ich es zu verdanken, dass ich seit kurzem eine EOS M3 mein eigen nennen darf. Dieses kleine Kästchen Kameratechnik, das meine EOS M (die erste Version) ersetzen soll, besitzt unter anderem ein Klappdisplay. Das war auch einer der Gründe, die mir das kleine Teufelchen auf meiner Schulter ins Ohr geflüstert hat, als es darum ging, die Kamera von dem freundlichen Händler in Kuala Lumpur zu kaufen. Schließlich hört man ja immer, dass bodennahe Aufnahmen so bequem möglich sind mit einem Klappdisplay. Zumindest schwärmt jeder, der so was hat, in den höchsten Tönen davon. Die Versuchung war groß, der Preis stimmte (nein, er war unverschämt günstig!) und so verließ ich kurz später den malayischen Einkaufstempel mit einer EOS M3 unter dem Arm und dem Vorsatz, selbst herauszufinden wie gut oder schlecht das mit dem Klappdisplay ist.

Nun bin ich niemand, der irgendwelche Testszenerien aufbaut. Bei mir muß ein Ausrüstungsteil genau dann funktionieren, wenn ich damit arbeiten will. In diesem Fall also morgens oder abends auf der Wiese. Da passte es nur all zu gut, dass sich kurz nach meiner Rückkehr aus Malaysia die ersten Kuhschellen in unseren Naturschutzgebieten zeigten.

Also ab zu den Kuhschellen und schauen, was die neue Kleine kann!

Der erste Eindruck

Mit dem EF – EOS M Adapter lassen sich alle Objektive aus dem EOS System an der kleinen M betreiben. Ganz klassisch habe ich mich zunächst für das 100mm Makro Objektiv entschieden. Dann ging es auch schon los…

mpt160005Dank Klappdisplay bequemer Einblick von oben

Die Kamera auf den Boden gelegt, das Display heraus geklappt und WOW!! – ich war spontan begeistert. Das ist ja wie mit den alten Mittelformatkameras und dem Lichtschachtsucher, nur dass hier das Bild sogar noch seitenrichtig dargestellt wird. Ganz entspannt lässt sich so der Bildaufbau kontrollieren.

mpb160019Das fertige Bild dazu: EOS M3 – EF100mm f/2.8 L IS USM – EF EOSM Adapter, Blende 2,8
Tautropfen außerhalb der Schärfenebene zaubern hier die hellen Kringel ins Bild.

Die Arbeitsweise – Autofocus vs. manueller Fokus

Das Display der EOS M3 lässt sich nicht nur klappen, es ist auf gleichzeitig ein Touch-Screen. Damit lassen sich ganz pfiffige Sachen anstellen. Zum einen gibt es die Funktion ‚Touch-AF‘. Dazu tippt man auf dem Display auf die gewünschte Stelle und die Kamera stellt auf diese Stelle scharf und löst anschließend aus. Das ist auf den ersten Blick überaus praktisch, eben weil intuitiv. In der Praxis kann das aber schnell mal, im wahrsten Sinne des Wortes, daneben gehen. Der Bereich, in dem der Fokuspunkt gesucht wird ist relativ groß und wenn beispielsweise ein Grashalm im Hintergrund vorbeiläuft, kann es schon mal vorkommen, dass die Kamera auf den Halm scharf stellt und nicht auf die Blüte davor. Als Alternative dazu bietet sich das rein manuelle Fokussieren an. Die Kamera unterstützt dabei mit der Möglichkeit das Sucherbild 10-fach zu vergrößern. Damit lässt sich sehr exakt fokussieren. Zusätzlich bietet die EOS M3 noch eine Technik namens ‚Fokus-Peaking‘ an. Damit werden die Kanten in der Fokusebene rot umrandet. Das habe ich ebenfalls ausprobiert. Mir liegt das manuelle Fokussieren mittels 10x-Lupe jedoch besser.

mpb160020EOS M3 – EF100mm f/2.8 L IS USM – EF EOSM Adapter, Blende 2,8
Der ‚Touch-AF‘ hat die obere Blütenkante ausgewählt. Manuell hätte ich den Fokus auf die vordere Blütenkante gelegt.

Die Arbeitsweise – Erschütterungsfreies Auslösen

Die EOS M3 bietet keinen Anschluß für einen Kabelfernauslöser. Sie kann statt dessen mit einem Infrarot-Fernauslöser bedient werden. Darüber hinaus gibt es einen Selbstauslöser mit 10s Vorlauf und einen Selbstauslöser mit 2s Vorlauf. Zusammen mit dem Touchauslöser ist gerade der letztere für meine Zwecke ideal. Ich stelle die Schärfe manuell ein, tippe leicht(!) auf das Display, es piept kurz und zwei Sekunden später erfolgt die Auslösung. Damit kann ich erschütterungsfrei Auslösen, ohne zusätzliches Zubehör.

mpb160021EOS M3 – EF100mm f/2.8 L IS USM – EF EOSM Adapter, Blende 2,8
Schärfe manuell auf die Haare am Stengel gelegt, über Touchauslöser mit 2s Vorlauf ausgelöst.

Weitere Eindrücke – was mir sonst noch aufgefallen ist

Nutzt man eine „ausgewachsene“ digitale Spiegelreflexkamera, ist man es gewohnt die volle Kontrolle über alle bildbestimmenden Parameter zu haben. Dazu zähle ich auch die Möglichkeit, die Farbtemperaturwerte für den Weißabgleich manuell einstellen zu können. Diese Möglichkeit fehlte bereits bei der EOS M und ist bei der EOS M3 immer noch nicht an Board. Es bleibt also nur ein Verlass auf den automatischen Weißabgleich (AWB) oder eine der Voreinstellungen (Sonne, Schatten, Bewölkt, etc.) sowie die nachträgliche Korrektur im RAW-Konverter. Dennoch hat mich die EOS M3 hier sehr angenehm überrascht. Ich hatte noch keine Kamera, die Profi-Modelle von Canon eingeschlossen, bei denen der automatische Weißabgleich so treffsicher gearbeitet hat, wie dies bei der EOS M3 der Fall ist. Das relativiert das Fehlen der manuellen Farbtemperatureinstellung ein ganzes Stück weit. Wie gesagt, man kann die Farbtemperatur ohnehin im RAW-Konverter nachträglich verlustfrei anpassen, trotzdem bevorzuge ich es, wenn ich die Kamera so einstellen kann, dass ich möglichst wenig Nacharbeit habe. Kreativität findet für mich immer noch hinter der Kamera statt und nicht am Computer.

Ebenfalls sehr praktisch finde ich das separate Einstellrad für die Belichtungskorrektur. Neben dem direkten Zugriff auf die Belichtungskorrektur, zeigt es mir auch unabhängig von der gewählten Displayeinstellung den eingestellten Wert für die Belichtungskorrektur an. Es könnte sich aber ein wenig leichter (mit weniger Widerstand) bedienen lassen.

In diesem Zusammenhang kommen wir aber zu einem Punkt, der mich an der EOS M3 stört. Es fehlt die sogenannte „Belichtungssimulation“ in den Halbautomatik-Programmen (Av und Tv). Das bedeutet, die Kamera will mir das Displaybild immer in optimaler Belichtung anzeigen. Nehme ich eine Belichtungskorrektur vor, ändert sich die Darstellung des Displaybildes kurz in die gewünschte Richtung, kehrt dann aber wieder zu der von der Kamera als optimal erachteten Darstellung zurück. Bei der Aufnahme wird die Korrektur selbstverständlich berücksichtigt, ein visuell unterstütztes Arbeiten mit der Belichtungskorrektur ist so aber nicht möglich. Abhilfe schafft hier das Arbeiten im rein manuellen Modus (M), der die Helligkeit entsprechend der Einstellungen von Zeit und Blende anpasst. Hier hoffe ich auf ein Firmware-Update von Canon, das diese Funktion auch für die Halbautomatik-Programme bereitstellt.

mpb160022EOS M3 – EF100mm f/2.8 L IS USM – EF EOSM Adapter, Blende 2,8
Motiv im Schatten, Hintergrund im Sonnenlicht – Der automatische Weißabgleich der EOS M3 leistet gute Arbeit.

Ein erstes Fazit

Die EOS M3 hat mich sehr angenehm überrascht, sowohl in Punkto Bildqualität als auch was den Bedienkomfort mit Klappdisplay und Touchauslöser angeht. Gerade das Klappdisplay verwöhnt einen unglaublich was das bodennahe Arbeiten angeht. Es weckt dann auch gleich Begehrlichkeiten, denn man fragt sich, warum das Display nur entlang einer Achse im Querformat klappbar ist. Warum ich bei Arbeiten im Hochformat kein Klappdisplay brauchen soll, weiß wohl nur der Controller bei Canon, der die Kosten für den komplexeren Klappmechanismus erfolgreich eingespart hat.

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Auch gegen Ende ihres Lebenszyklus geben die Küchenschellen noch dankbare Motive ab, wenn das Licht stimmt.
Unterwegs mit schwerem Gerät und dem Kinn im Dreck: EOS 5DsR – EF300mm f/2.8 L IS USM, Blende 3,2

Bei mir hat erst einmal die Bequemlichkeit gesiegt, zumindest in so fern, dass ich in diesem Frühjahr meine Pflanzenaufnahmen bevorzugt mit der EOS M3 machen werde. Ich kann wesentlich entspannter Arbeiten, wenn ich hinter der Kamera knie statt das Gesicht in die Wiese zu bohren oder mich sonst wie zu verrenken. Was das fehlende Klappdisplay im Hochformat angeht, muss ich ausprobieren in wie fern die WLAN-Funktion der EOS M3 in Verbindung mit einem Smartphone dafür ein Ersatz sein kann.
An dieser Stelle noch ein Hinweis, nur für den Fall dass sich ein Exemplar der aussterbenden Gattung „Fotoclubmitglied“ mit ärmelloser, khakifarbener Fotoweste auf diese Seite verirrt: Ja, früher hatten wir einen Kaiser und nein, ein Winkelsucher ist für mich keine Alternative zu einem Klappdisplay!

Im Laufe des Jahre werde ich, je nach Umfang, hier oder in einem weiteren Blogeintrag meine Erfahrungen mit der EOS M3 ergänzen. Bis dahin freue ich mich auf weitere Aufnahmen unserer heimischen Orchideen und auch darüber, dass ich auf dem Rückweg von der morgendlichen Fototour in der Bäckerei halt machen kann ohne so angeschaut zu werden, als hätte ich meinen Rausch auf der Wiese ausgeschlafen.