Jedes Jahr im April zieht mich die Blüte der ‚Bluebells‘ in ihren Bann. Wer einmal gesehen hat, wie der Waldboden zu einem blauen Teppich wird und das frische Grün der ersten Blätter hinzukommt, wird meine Begeisterung verstehen. Auf dem europäischen Festland ist Hallerbos das Epizentrum dieses unvergleichlichen Naturschauspiels. Zeitgleich mit meiner Vorfreude auf die kommende Blüte, wächst auch die Anzahl an Nachfragen, die ich zu Hallerbos erhalte.

Damit ich das nicht alles immer wieder Erzählen muss, findet hier alle wesentlichen Informationen, die Ihr für einen (ersten) Besuch in Hallerbos braucht.

Bluebells, frisches Buchengrün, Licht – Diese drei Zutaten machen Hallerbos so verlockend.

Zeitpunkt: Wann blüht es in Hallerbos und wann sollte man (nicht) dort sein?

Zeitraum: Die Blüte der Bluebells findest jedes Jahr zwischen Mitte April und Anfang Mai statt. Der genaue Beginn der Blüte hängt von den Wetterbedingungen in den Vormonaten ab. Besonders interessant ist dabei die Vollblüte, wenn der Waldboden ein lila-farbener Teppich ist. Je nachdem ob es eher wärmer oder eher kälter war, ob es eher trocken oder eher nass war, kann der Zeitpunkt der Vollblüte durchaus bis zu zwei Wochen variieren. Am besten ist es, ab Anfang April den Fortschritt in der der Entwicklung der Blüte zu verfolgen und danach die weitere Planung auszurichten. Es heißt also, flexibel zu sein.
Die Länge der Blüte hängt übrigens davon ab, wie schnell sich das Blätterdach an den Bäumen schließt. Wird es zu dicht, bekommen die Bluebells zu wenig Licht und gehen ein.

Wie verfolgt man nun am besten den Fortschritt der Blüte? Bis vor ein paar Jahren war das noch echte Arbeit und man musste auf verschiedenen Portalen (Flickr, etc.) nach Bildern suchen und die Ergebnisse nach dem Aufnahmedatum Filtern. Das geht selbstverständlich auch heute noch, aber es gibt mittlerweile einen wesentlich bequemeren und vor allem effektiveren Weg: Die offizielle Webseite von Hallerbos zeigt während der Blühphase, sowie kurz davor, tagesaktuelle Aufnahmen aus dem Wald mit detaillierten Angaben und Prognosen zur weiteren Entwicklung der Blüte.

[wp-svg-icons icon=“safari“ wrap=“i“] Link zu der offiziellen Webseite von Hallerbos

Wetter: Hallerbos ist als Fotomotiv sehr tolerant, was das Wetter angeht. Außer für Starkregen und Unwetter (Gefahr im Wald!) finden sich eigentlich für jede Wettersituation Motive. Ein klarer Sonnenaufgang mit leichtem Morgendunst hat dort ebenso seinen Reiz, wie Nebel oder ein regennasser Wald.

[wp-svg-icons icon=“safari“ wrap=“i“] Link zum Kachelmann-Wetter für Hallerbos

Uhrzeit: Neben Motiven für den Sonnenaufgang, finden sich in Hallerbos auch Motive für den Sonnenuntergang und sogar für die Zeit danach. Bei leichtem Regen, oder zumindest feuchtem Wetter mit bedecktem Himmel, bietet sich dem Fotografen auch tagsüber eine sehr ansprechende Auswahl an Motiven. Was die Licht-Charakteristik angeht, unterscheidet sich Hallerbos dabei nicht von anderen Wäldern in Mitteleuropa. Bei klarem Wetter und Sonnenschein sind spätestens eine Stunde nach Sonnenaufgang die Kontraste jenseits von Gut und Böse.

Wann besser nicht: Die unmittelbare Nähe zu Brüssel und die mittlerweile doch recht große Bekanntheit dieses Naturschauspiels wirken sich natürlich auf die Anzahl der Besucher aus. Das hat zur Folge, dass der Wald zur Blütezeit an den Wochenenden praktisch überrannt wird. Zahlreiche Veranstaltungen tun ihr übriges dazu, dass es an Wochenenden gnadenlos voll wird in Hallerbos. Ich besuche Hallerbos nur noch unter der Woche.


Hallerbos im Regen: Selbst alltägliche Motive bekommen so ihren Reiz

Logistik: Anfahrt, Parken, Unterkunft

Anfahrt: Hallerbos liegt direkt an der E19, die als Teil der Ringautobahn R0 Brüssel umschließt. Es gibt jedoch keine spezielle Abfahrt, die einen direkt an den Wald führt. Für die Anfahrt aus westlicher Richtung nimmt man die Abfahrt 21 (Halle), biegt dort links ab und an der zweiten Ampel nochmal links. Im Verlauf dieser Straße, gehen jeweils nach links Zufahrten zu verschiedenen Parkplätzen von Hallerbos ab.

Parken und Zugang: Folgt man dabei einfach dem ersten Schild, was man findet landet man zwar auf einem Parkplatz mehr oder weniger in der Nähe, das ist dann aber selten der Parkplatz, den man letztendlich bevorzugt hätte. Eine direkte Verbindung zwischen den Parkplätzen gibt es nicht, statt dessen landet man, besonders wenn man aus westlicher Richtung kommt und am Parkplatz P1 vorbeifährt. rasch in einem Labyrinth schmaler, einspuriger Wege.  Es schadet also keines Wegs, sich vorab genau zu informieren, wo man parken möchte und wie man dort hin kommt. Meine bevorzugten Locations erreiche ich am besten vom Parkplatz P8 (Straßenadresse für das Navi: ‚Vlasmarktdreef, 1500 Halle), der zudem auch noch relativ zentral liegt und gut erreichbar ist.

Eine Karte mit allen offiziellen Parkmöglichkeiten findet sich hier: [wp-svg-icons icon=“safari“ wrap=“i“] Link zu der PDF-Karte von Hallerbos.

Unterkunft: Im Speckgürtel von Brüssel findet man viele Hotels. Leider beeinflußt die Nähe zu der Metropole Brüssel das Niveau der Preise entsprechend. Dabei ist ein typisches Businessmuster zu beobachten, bei dem unter der Woche die Preise höher sind, als am Wochenende. Das verträgt sich leider nicht sehr gut mit der Empfehlung, einen Besuch in Hallerbos, wenn möglich, nicht auf das Wochenende zu legen. Zwar kann man versuchen durch ein Vorausbuchen einen günstigeren Preis zu bekommen, das ist jedoch eine Wette auf den Fortschritt der Blüte und nur selten schafft man es damit wirklich bei optimalen Bedingungen (Vollblüte und passendes Wetter) vor Ort zu sein.
Was man bei der Wahl der Unterkunft ebenfalls noch beachten sollte, ist der Verkehr rund um Brüssel unter der Woche. Während der Blütezeit der Bluebells ist bereits in der Anfahrtszeit, zu der man zum Sonnenaufgang unterwegs ist, schon sehr viel Verkehr auf der Ringautobahn. Daher ist es von Vorteil, wenn man ein Quartier hat, bei dem man nicht unbedingt einmal um halb Brüssel herum fahren muss. In dieser Hinsicht ist neben Halle auch Waterloo noch recht günstig gelegen.
Übernachten im Wald oder auf den Parkplätzen und Zufahrtsstraßen ist nicht gestattet. Das wird auch regelmäßig und streng kontrolliert. Obwohl sich das mittlerweile eigentlich rumgesprochen haben sollte, gibt es immer wieder „Spezialisten“, die Nachts in ihrem Fahrzeug geweckt werden müssen und des Waldes verwiesen werden.

Ausgesuchte Locations in Hallerbos

Hallerbos ist groß und lädt zum Erkunden ein. Man wäre kein guter Fotograf, wenn man nicht jedes mal wieder neue Motive finden würde – dennoch hat man so seine Lieblinge unter den Motiven. Nun habe ich über die Jahre mehr oder weniger im gesamten Gebiet von Hallerbos fotografiert und dabei haben sich für mich ein paar Locations als Favoriten herausgestellt, die ich auf der folgenden Karte eingezeichnet habe. Das sind auch die Locations, die ich immer empfehle, wenn jemand noch nicht in Hallerbos war und mich nach Locations fragt. Es sind so zu sagen die Standards von Hallerbos. Sie bieten vieles von dem was Hallerbos fotografisch besonders interessant macht, liegen dazu in dem Bereich, in dem der Blütenteppich i.d.R. am dichtesten ist und sind fußläufig gut zu erreichen (ca. 10 Minuten vom Parkplatz P8).

Der Parkplatz und die Locations auf einer Karte. (Kartenmaterial © OpenStreetMap-Mitwirkende)

Sonnenaufgang: Die Locations (1) und (2) sind beide gut geeignet für den Sonnenaufgang. An (1) findet man ein paar Minuten früher gutes Licht, was die Chance auf leichten Dunst im Bild erhöht. Die Location (2) hat etwas dichteren Bewuchs in Richtung Sonnenaufgang und erlaubt daher nach Sonnenaufgang noch ein paar Minuten länger zu fotografieren. Eine Option ist es, an Location (1)  zu beginnen, dort aber nicht zu lange zu verweilen und zügig zur Location (2) zu wechseln.

Sonnenaufgang an Location 1, Brennweite 400mm

 

Sonnenaufgang an Location 2, Brennweite 24mm

Sonnenuntergang: Dreht man sich bei Location (2) einfach nur um, hat man gleich eine brauchbare Location für den Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang an Location 2, Brennweite 350mm

Bewölkt oder nach Einbruch der Dunkelheit: Für diese Lichtsituation sind Motive gefragt, die nach einer gleichmäßigen Ausleuchtung verlangen. Mein Absoluter Favorit findet sich hier an Location (3)

Nach Einbruch der Dunkelheit an Location 3, Brennweite 125mm

Regen: Ein feuchter Frühjahrswald hat seinen ganz besonderen Reiz. Das ist natürlich auch in Hallerbos so. Nur kommen dort noch die Bluebells hinzu, die solche Szenen beinahe kitschig erscheinen lassen. Besonders fotogen finde ich bei Regenwetter den Bereich um Location (4).

Regen im Bereich von Location 4, Brennweite 180mm, Polfilter

An diesen Locations schaue ich immer wieder vorbei. Jedoch finde ich es mindestens genau so spannend in anderen Bereichen weniger bekannte Motive zu suchen und dazu möchte ich hier auch ausdrücklich auffordern.

Ausrüstung: Was sollte man an Equipment mitnehmen?

Brennweite: In Hallerbos kann man mit jeder Brennweite glücklich werden. Ich habe dort vom Fisheye, über ein Weitwinkel bis zum starken Tele alles dabei. Das Fisheye erlaubt mir spannende Blickwinkel, die durch den blauen Waldboden nochmals an Reiz gewinnen. Das Weitwinkel betont die Licht- und Schattenkontraste der tiefstehenden Sonne und das Tele verdichtet die Motive und erlaubt es mir Details zu isolieren. Selbstverständlich ist hier auch ein Makro-Objektiv in seinem Element um die Details der Bluebells im Bild fest zu halten.


Aufnahme mit dem Fisheye an Location 2

Weiteres Zubehör: Neben einem Stativ sollte ein Fernauslöser nicht fehlen. Ganz wichtig an dieser Location ist für mich der Polfilter. Gerade wenn der Wald nass ist, erreicht man mit dem Polfilter eine unglaubliche Farbsättigung in den Aufnahmen.

Verhalten

In Hallerbos herrscht absolutes Wege-Gebot. Das bedeutet, dass man die öffentlichen Wegen nicht verlassen darf! – Auch nicht einen Schritt vom Weg in den Wald hinein. Die Wurzeln der Bluebells sind sehr empfindlich und an den Stellen, an denen sie platt getreten werden (und nichts anderes geschieht, wenn man die Wege verlässt), wachsen sie im nächsten Jahr kaum noch. Dennoch werdet Ihr, gerade am Wochenende, immer wieder Leute sehen, die das nicht wissen oder denen das einfach egal ist. Bitte helft hier die Natur zu schützen, in dem Ihr Euch selbst an das Wege-Gebot hält und Leute, die ihr abseits vom Weg sieht darauf hinweist, wie sensibel die Natur hier ist.

Ich wünsche Euch bestmögliches Licht und viele tolle Motive in Hallerbos!