Fangen wir mit den Nachteilen der Bärlauchfotografie an: Von den Gummistiefeln aufwärts riecht man sehr intensiv nach Knoblauch. Bodennahes Arbeiten belohnt den Rest des Fotografen mit einer Extrabriese davon. Nicht jeder mag das. Bei mir hat das bspw. zur Folge, dass ich, nach der Fototour wieder zu Hause, mich noch im Keller umziehen muss, bevor ich in die Wohnung darf. Mein Stativ bleibt zum Auslüften auch mindestens über Nacht dort und am nächsten Tag empfängt mich bereits an der Kellertür ein ausgeprägter Knoblauchduft.
Der Bärlauch in der Waldlandschaft
Das war es aber auch schon, mit den Nachteilen. Aus fotografischer Sicht, finde ich den Bärlauch ausgesprochen attraktiv. Neben feuchten Mulden und Auen- und Bachlandschaften sind schattige Wälder ein typisches Umfeld für den Bärlauch. Zeitgleich mit dem üppigen Frühlingsgrün unserer heimischen Wälder, sorgt er für einen hellen Teppich im Wald. In seiner vollen Blüte, erinnert mich das immer ein wenig an einen Märchenwald.
Auenwald während der Bärlauchblüte
Was die Aufnahmen solcher Szenen angeht, ist es auch hier von Vorteil, wenn die Sonne verdeckt ist und Feuchtigkeit im Wald ist. Nutzt man dann einen Polfilter, erscheinen die Grüntöne besonders intensiv.
Doppelter Nutzen des Polfilters: Kontrolle der Spiegelung im Wasser und Intensivierung der Farben im Bild.
Es lassen sich aber auch schöne Stimmungen im Bild festhalten, wenn die Sonne direkt in den Wald hineinscheint. Dabei hilft es, die Sonne ein wenig hinter einem Baum zu verstecken, dadurch werden die Kontraste nicht ganz so hart.
Sonne über dem Bärlauchhang. Wie ein Dschungel liegt der Bärlauch auf dem Waldboden. Eine kleine Blende bildet die Sonne als Stern ab.
Der Bärlauch als Hauptmotiv
Der Bärlauch gibt nicht nur als Teil der Landschaft ein schönes Motiv ab. Er ist auch selbst ein dankbares Hauptmotiv. Ich habe mit der Darstellung des Bärlauchs ein wenig experimentiert, denn ich wollte die Pflanze nicht wie in einem Bestimmungsbuch abbilden. Statt dessen sollte auch hier die Umgebung der Pflanze mit einbezogen oder zumindest angedeutet werden. Dazu habe ich mich zunächst tief herunter auf den Boden begeben und eine Perspektive gesucht, wie sie beispielsweise ein kleines Tier hat, das den Bärlauchdschungel durchqueren will.
Blick durch den Bärlauchdschungel.
Aus einer etwas höheren Perspektive, knapp über dem Blütenteppich, wirken einzelne Pflanzen sehr filigran und fast schon verloren. Eine lange Brennweite und eine offene Blende unterstützen diesen Eindruck bzw. lassen ihn erst entstehen.
Vereinzelt ragen Bärlauchblüten über den Pflanzenteppich hinaus.
Die üppigen, dichten Vorkommen findet man erst in einem “Respektabstand” von einigen Metern ab dem Waldrand. Zum Waldrand hin, finden sich bestenfalls noch einzelne Pflanzen.
Eine Bärlauchpflanze am Waldrand.
Für mich ist der Bärlauch so etwas wie der heimliche Star des Frühjahrs. Kaum eine andere Pflanze prägt so intensiv ihr Habitat, wie es der Bärlauch während seiner Blüte tut. Dafür mag ich ihn und dafür ziehe ich mich dann auch gerne im Keller um. Danke fürs Lesen!
Hallo Michael,
zuerst einmal ziehe ich ehrfürchtig meinen Hut zu deiner Homepage, ich bin schwer beeindruckt!
Nun zum Thema Bärlauch … Der Bienwald ist mir wohl ein Begriff und ich war auch schon 2, 3 Mal da. Allerdings ist der Bienwald auch nicht gerade ein kleines Wäldchen, der ja u.a. auch ausgesprochene Trockenzonen aufweist. Könntest du bitte etwas näher ausführen wohin man sich im Bienwald wenden muss wenn man dem Bärlauch im nächsten Frühjahr fotografisch etwas näher auf die Pelle rücken möchte?
Hallo Silvio,
ich würde mich, wie Du schon angedeutet hast, in den Gebieten umschauen, die von Bächen durchzogen sind; bspw. ist die Gegend um das Naturfreundehaus.
Grüße, Michael
Danke, Michael!
Da werde ich mich im kommenden Frühjahr mal etwas intensiver dem Bienwald widmen.
Gruß, Silvio
Klasse Bilder Michael, das dritte ist überragend, nicht nur wegen dem Blendenstern, viel mehr wegen dem einen kleinen Lichtspot, fantastisch! Du hast es halt drauf 🙂
Wow, wo gibts denn solch einen traumhaften Wald bei uns in der Pfalz? Ich vermute mal in Rheinnähe? Auf jeden Fall toller Beitrag und tolle Bilder, Klasse!
Hallo Nicolas,
freut mich sehr, wenn Dir die Bilder gefallen. Du hast richtig vermutet, der Wald ist der Bienwald, südlich von Kandel und damit tatsächlich in Rheinnähe.
LG, Michael
Und wieder ein sehr schöner Blogbeitrag, aus meiner Sicht mit sehr unaufgeregten Bildern, also dezente Bilder, aber genauso schön und wirksam. Immer wieder bin ich von Deiner Vielfalt und Vielseitigkeit begeistert. Freue mich schon sehr auf den nächsten Blogbeitrag.
Lieben Dank, Holger – auch dafür, dass Du trotz einigen Streichen der Autokorrektur bis zum Ende gelesen hast… :-):-)
Es freut mich wirklich sehr, wenn Dir meine Bilder gefallen. Drei weitere Blogeinträge sind derzeit in Vorbereitung. Lass Dich überraschen (nicht nur von der Autokorrektur)… 😉
LG, Michael