Mitte Oktober habe ich zusammen mit meinem Freund Erik den Hohenberg besucht um dort den Tagesanbruch über der Herbstlandschaft im Bild festzuhalten. Der Hohenberg drängt sich dem Fotografen nicht auf Anhieb als Morgenlocation auf, denn der Blick vom Hohenberg hin zur Burg Trifels ist der Sonne abgewandt. Davon wollten wir uns aber nicht abhalten lassen. Wir hatten uns auf etwas ruhigere Motive mit zurückhaltenderen Lichtstimmungen eingestellt. Das einzige, was wir uns erhofft haben, war eine Nebeldecke im Tal über dem Ort Annweiler.

Nach einem letzten Check der Wettervorhersage am Vorabend haben wir uns für den nächsten Morgen am Wanderparkplatz als Treffpunkt verabredet. Bei der Anfahrt waren zwar immer wieder Nebelfelder zu sehen, so richtig durchgehend dicker Nebel war aber nicht zu erkennen. Es blieb also spannend. Während wir den Berg hinauf stapften sahen wir dann nach einer Biegung in einiger Entfernung ein Licht knapp unter uns. In diesem Moment war dann auch zu erkennen, dass das Licht, was zu dem Ort Annweiler gehören musste, durch eine Nebeldecke schien. Unser Wetterwunsch schien in Erfüllung zu gehen!

Gut 40 Minuten und knapp 240 Höhenmeter später traten wir dann aus dem Wald an das Geländer auf dem Hohenberg und wurden von einem phantastischen Blick über das Tal belohnt. Vor uns ragen die Hügel der Pfalz wie Inseln aus dem Nebel. Über allem wacht die Burg Trifels und unter dem Nebel leuchten die Lichter der Ortschaft Annweiler. Rasch bauen wir in der Dunkelheit unsere Kameras auf. Wie dunkel es eine knappe Stund vor Sonnenaufgang wirklich noch ist, sehe ich an der Belichtungszeit. Um etwas Zeichnung in die Landschaft zu bekommen, muss ich bei ISO100 und Blende 11 immerhin 7 Minuten (420 Sekunden) belichten.

Vor Sonnenaufgang: Die Burg Trifels wacht über dem Nebel.

Gerade bei langen Belichtungen kann die Kamera feine Details einfangen, die unserem Auge verborgen bleiben. Hier ist es die zarte Reflektion des Morgenrots auf den Mauern der Burg Trifels. Erstmals für diesen Herbst spüren wir auch die Kälte. Endgültig vorbei sind die noch relativ milden Spätsommermorgen.

Gespannt warten wir, wie sich das Licht und der Nebel weiter entwickeln wird. Eine besondere Stimmung ergibt sich, als die ersten Sonnenstrahlen wie ein Spot die Burg Trifels beleuchten.

Erste Sonnenstrahlen auf der Burg Trifels 

Dabei beobachte ich an diesem Morgen zum ersten mal in diesem Herbst eine Farbe im Himmel, wie sie nur in der kalten Jahreshälfte zu sehen ist. Es ist ein rosa-farbener Streifen gegenüber dem Sonnenaufgang, knapp über dem Horizont und nach unten hin relativ scharf begrenzt. Für mich ist das „Winterlicht“.

Winterfarben im Himmel über der Burg Trifels

Nachdem die Sonne über den Horizont schaut, lässt der Zauber kurz nach. Dafür bietet der wolkenlose Himmel zu wenig. Jetzt aber schon nach Hause zu gehen, wäre ein Fehler. Wir wissen, wenn durch die Thermik der Nebel erst mal in Bewegung kommt, werden sich neue Lichtstimmungen ergeben an der Grenze von der Sonne zum Nebel.

Der Ausblick beim Warten auf das Zusammentreffen von Sonne und Nebel. Die Nebeldecke wirkt bereits unruhig.

Dann geht alles ganz schnell: Der Nebel driftet in das Tal direkt unter uns. Die Sonne fällt durch eine Schneise zwischen den Hügeln in diesen Abschnitt und an der Grenze von Sonne, Schatten und Nebel entsteht für kurze Zeit ein unglaublicher kalt/warm-Kontrast.

Rasch werden die Kontraste zu hart, als dass man sie noch vernünftig im Bild festhalten könnte. Daher beobachten wir das Schauspiel noch ein wenig ohne die Kamera, lassen uns von den Sonnenstrahlen wärmen und treten schließlich zufrieden den Weg zurück ins Tal an. Wieder war ich dankbar diese besonderen Stimmungen in der Natur erleben zu dürfen.