Alle Jahre wieder! Im August beginnt die Blüte in der Mehlinger Heide. Viele Fotografen, mich eingeschlossen, freuen sich darauf und können es kaum erwarten bis die Heide wieder blüht und Bodennebel zum Sonnenaufgang die Landschaft verzaubern. Deswegen war ich in den vergangenen Tagen frühmorgens in der Mehlinger Heide unterwegs, einfach um zu sehen, wie weit denn die Blüte schon ist.

Bei meinem ersten Besuch, vor ca. zwei Wochen, haben nur vereinzelt ein paar Heidesträucher entlang der Wege geblüht. Ich habe die Heide wieder verlassen in der Annahme, dass ich in einer, spätestens zwei Wochen eine üppig blühende Heidelandschaft vorfinden würde. Um so erstaunter war ich, als ich bei meinem Besuch gestern feststellen musste, dass sich kaum ein Fortschritt in der Blüte ergeben hat. Weite Bereiche der Heide sind immer noch ohne Blüte. Als ich nachschauen wollte, wie weit denn die Knospen an den Sträuchern sind, die noch nicht blühen, musste ich feststellen, dass an diesen Sträuchern die Zweige wie abgestorben wirken. Sehr seltsam…

Ganz unabhängig vom Stand der Blüte, bietet die Heidelandschaft viele weitere Motive und hat vor allem dann ihren fotografischen Reiz, wenn nach kühlen Nächten der Bodennebel über der Landschaft steht. Stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen zum Sonnenaufgang gelingen dann praktisch immer.

Bereits für gestern früh standen alle Vorzeichen auf „Heidewetter“: Temperaturen nur knapp zweistellig und leichte Bewölkung für die Zeit zum Sonnenaufgang waren vorhergesagt. Aber wie das so ist mit den Vorhersagen, die können sich irren – und das taten sie auch. Über Nacht ist eine dicke Wolkenschicht hereingezogen, die  dazu geführt hat, dass es mit ca. 14 Grad viel zu warm war für Bodennebel. Pünktlich zum Sonnenaufgang sind diese Wolken dann in Richtung des Sonnenaufgangs an den Horizont gezogen, womit auch der Sonnenaufgang aus fotografischer Sicht gestorben war.

Als schwacher Trost für die verkorkste Wetterentwicklung bot sich eine Langzeitbelichtung der ziehenden Wolken über der Heide an.

mpb160053430 Sekunden Landschaft. Was man nicht alles macht, wenn man sonst keine Motive findet.

Während der Belichtungszeit von mehr als sieben Minuten, fasste ich den Entschluß, dem Wetter am nächsten Morgen noch mal eine Chance zu geben. Zweimal hintereinander werden die Vorhersagen ja hoffentlich nicht total daneben liegen.

Tatsächlich war die Nacht klar und kühl und zum Sonnenaufgang war kein Wölkchen am Himmel. Bereits auf meinem Weg zur Heide habe ich in den Wiesen links und rechts der Straße Nebelfelder erkennen können. Meine Vorfreude auf den Tagesanbruch wuchs mit jedem Kilometer, den ich der Heide näher kam. Als ich vom Parkplatz aus schon Nebel über der Heide erkennen konnte, war ich zufrieden und wusste, dass sich das frühe Aufstehen diesmal gelohnt hat.

Was mir, im Vergleich zum Vortag, auf den ersten Metern des Weges schon aufgefallen ist: Die Spinnennetze waren durch die kühlere Nacht mit Tau bedeckt und haben als weisse Flecken die Heidelandschaft geziert. Gestern morgen fehlte der Tau und die Netze waren noch „unsichtbar“.

mpb160054Spinnennetz vor Sonnenaufgang. Der Hausherr war bereits wach…

Mit dem Sonnenaufgang begann der Nebel aufzusteigen und die aufgehende Sonne malte Strahlen in den Nebel. Spätestens jetzt wünscht sich der verwöhnte Fotograf ein paar Wolken im Himmel. Nun ja, man kann nicht alles haben und es muss ja auch noch einen Grund geben, wieder hier her zu kommen.

mpb160056Da jetzt noch ein farbiger Wolkenhimmel drüber, das wärs!

Was man natürlich immer machen kann, wenn der Himmel nix taugt: Man lässt ihn einfach weg aus dem Bild! Das habe ich dann auch getan:

mpb160055Na also, geht doch! Der Zauber eines Sonnenaufgangs in der Mehlinger Heide.

Dass die Mehlinger Heide auch ohne eine üppige Blüte immer einen Besuch wert ist, hat sie wieder einmal bewiesen. Dennoch kann ich mich über die Bilder aus diesem Jahr nicht wirklich freuen.

Der Zustand vieler Sträucher hat mich beunruhigt und ich mache mir  Sorgen um die Heide. Ich hoffe, dass die Pflanzen keinen dauerhaften Schaden genommen haben, sich vielleicht noch erholen können und spätestens im nächsten Jahr wieder in voller Blüte stehen werden. Meine Sorgen gilt dabei nicht dem Verlust möglicher Motive, sondern dem Biotop ‚Mehlinger Heide‘ als naturnaher Lebensraum für viele Arten.