Freitag, 27. Februar 2015

Nach langer Durststrecke sieht die Wettervorhersage für die Pfalz endlich wieder gut aus. Mit „gut“ meine ich eine Chance auf einen leicht bewölkten Himmel zum Sonnenaufgang und Nebel in den Tälern. Mit Steffen habe ich mich für den Morgen verabredet, wir wollen auf jeden Fall zusammen losziehen. Wohin, das entscheiden wir nach dem Aufstehen und einem Blick auf das Wolkenradar und aus dem Fenster. Wir haben für verschiedene Wetterkonstellationen unterschiedliche Ziele festgelegt.

Samstag, 28. Februar 2015

Um 4:30 Uhr beendet der Wecker die Nacht und während ich mir den Kaffee in den Thermobecher fülle, kommt die SMS von Steffen: „Geiersteine“. Das war die abgesprochene Location für „leichten bis mäßigen Bodennebel und wenig bedeckten Himmel“. Eine knappe Stunde später begrüße ich Steffen auf dem Waldparkplatz bei Lug und wir machen uns an den Aufstieg. Kurz, aber knackig steil geht es auf einem Pfad durch den Wald hoch zu den Geiersteinen. Die Nässe der letzten Tage hat zu einer fiesen Mischung geführt: Glatte Wurzeln, bedeckt mit nassem Laub werden zu Stolperfallen. Decken wir an der Stelle einfach den Mantel des Schweigens über die weiteren Ereignisse beim Aufstieg…
Nach guten fünfzehn Minuten sind wir oben und was wir in der Dämmerung sehen, bestätigt erst mal unsere Planung: Der Himmel ist kaum bedeckt. Nur ein paar Wölkchen sind zu sehen, über uns funkeln Sterne und in den Tälern liegt Bodennebel. Herrlich, wenn ein Plan funktioniert!

Dazu ist es oben auf dem Felsen auch absolut windstill, was es erlauben wird bei Langzeitbelichtungen Bäume und Äste scharf im Bild zu haben. Perfekt, damit kann ich den Bildaufbau umsetzen, den ich mir zuvor ausgedacht habe! Dazu muss ich zuerst noch etwas klettern, an einer Stelle die nicht gesichert ist. Das gelingt aber unfallfrei und so entstehen vor Sonnenaufgang die ersten Aufnahmen.

mpb150017Vor Sonnenaufgang. Ob uns das Wolkenband am Horizont noch die Show vermasselt?

Etwas Sorgen macht uns das Wolkenband dicht über dem Horizont. Wenn es an dieser Position bleibt, dann wird die Sonne darüber spitzeln bevor sie zu hoch steht. Schiebt es sich aber weiter zu uns, dann wird das so nicht funktionieren.

Wir sollen Glück haben und das Wolkenband wandert sogar in die entgegengesetzte Richtung.

mpb150018Die Sonne kommt über das Wolkenband – Perfekt!

Die nächste spannende Frage ist, was nun mit dem Nebel wird. Im Sommer, wenn weniger Feuchtigkeit im Boden ist, dampft die Sonne leichten Bodennebel einfach weg. Jetzt, zum Ende des Winters und nach dem Niederschlag der letzten Tage, sind die Böden feucht und der Nebel kocht regelrecht hoch. Binnen Minuten wird aus dem leichten Bodennebel eine dicke Nebelsuppe, die zu uns hoch drängt.

mpb150019Binnen Minuten kocht die Sonne den Nebel hoch

Bald werden die Kontraste zu groß, um die Sonne vernünftig mit ins Bild zu nehmen. Wir wissen aber, dass das nicht das Ende der Veranstaltung bedeuten muss. Wenn sich der Nebel wieder etwas lichtet, werden interessante Landschaftsdetails auftauchen. Darauf wollen wir warten. Wenn es dann so weit ist, heißt es schnell schnell sein und rasch zu reagieren, denn durch den Nebel in Bewegung ändern sich die Motive permanent.

mpb150020Ein Baum schaut aus dem Nebel

Schließlich machen wir uns zufrieden und glücklich über das Erlebte auf den Rückweg. Der ist teilweise sehr rutschig, aber jetzt sind wir ja gewarnt.

Anmerkung

Meine Naturfotografie steht für authentische Fotografie. Nichts wird nachträglich aus den Bildern entfernt oder hinzugefügt, ohne dass dies explizit angegeben ist. Bei zwei Bildern in diesem Artikel habe ich nachträglich Strommasten entfernt, die unschön aus dem Nebel hervorgeschaut haben.