Im späten Frühjahr bzw. im frühen Sommer, kann man in unseren Wäldern etwas Besonderes erleben: Nach einer ersten Wärmeperiode sorgen üppige Regenfälle für viel Feuchte in der Natur. Dabei lässt der aufgeheizte Boden das Wasser rasch verdampfen, was zu Bodennebel führt. Die Blätter an den Bäumen sind in dieser Zeit schon dicht, haben aber noch das satte Frühjahrsgrün. Eben diese Kombination aus leichtem Regen im Wald, dem aufsteigenden Dunst und dem satten, frischen und nassen Grün zählt zu meinen Lieblingsstimmungen in der Natur. Mit dem Gertelbach im Nordschwarzwald habe ich einen Platz gefunden, an dem sich diese Momente besonders gut im Bild festhalten lassen.

Kurz oberhalb der großen Fallstufe zieht der Nebel aus dem Tal herauf. Das Laub hat noch das frische Frühjahrsgrün.

Die Location

Der Gertelbach entspringt westlich der Schwarzwaldhochstraße (B500) und verliert anschließend auf einer Strecke von etwas mehr als 2km gut 300m an Höhe. Dabei wechseln sich größere Fallstufen mit kleineren Kaskaden ab. Es ist genau diese Lage am Westhang des Schwarzwaldes hin zur Rheinebene, die dafür sorgt, dass sich die Wolken hier abregnen und der Dunst am Hang entlang durch die Wälder hochsteigt. Dabei entsteht dann eben diese Stimmung, die ich so sehr liebe. Es braucht also nur eine gute Vorhersage und schon bin ich im Frühsommer unterwegs zum Gertelbach.

Das Fisheye-Objektiv liefert faszinierende Perspektiven im Nebelwald.

Oben oder unten?

Im wesentlichen gibt es zwei Zugänge zum Gertelbach. Einmal unten im Ort Bühlertal über die Gertelbachstraße und einmal oben von der Spitzkehre an der Straße nach Sand (L83). Von beiden Zugängen aus gelangt man auf den Weg, der dem Bachlauf mehr oder weniger dicht folgt und dabei auch den Bach ein paar mal kreuzt. Ich bevorzuge den oberen Zugang. Die Landschaft im oberen Bereich des Baches gefällt mir besser, es wirkt dort mehr wie ein Urwald und man kann im oberen Bereich auch recht bequem warten bis der Nebel aus dem Tal zu einem hochsteigt an statt ihm von unten nach oben „hinterherzusteigen“.

Der obere Bereich des Gertelbach gefällt mit besonders gut, er erinnert mich an einen Urwald.

Brennweiten für die Fotografie am Gertelbach

Die hier in diesem Blogbeitrag gezeigten Aufnahmen entstanden mit zwei Objektiven:

• EF 16-35 f/4L IS
• EF 8-15 f/4L FISHEYE.

Gerade das 16-35 bietet einen sehr angenehmen Brennweitenbereich für die Arbeit am Bach. Es ermöglicht eine gezielte Betonung des Vordergrunds, womit sich beispielsweise die Strömungslinien im Wasser gut in das Bild mit einbeziehen lassen. Darüber hinaus verfügt es über ein Filtergewinde, was mir den Einsatz von Polfiltern erlaubt.

Das 8-15 muss zwar konstruktionsbedingt ohne Polfilter auskommen, es überzeugt aber durch Bildwinkel, die sonst nicht möglich wären.

Typisch für den Schwarzwald um den Gertelbach: Eine Mischung aus Laub- und Nadelbäumen mit moosbewachsenen Felsen.

Weiteres Zubehör und was sonst noch mit sollte

Polfilter: Besucher meiner Vorträge und Workshops wissen es bereits, ich fotografiere nassen Wald am liebsten mit Polfilter. Das Grün der feuchten Blätter wird dadurch unglaublich intensiv. Zudem erlaubt der Polfilter die Kontrolle von Spiegelungen im Wasser.

Stativ und Fernauslöser: Man sollte sich nicht täuschen, ein regnerischer Wald ist dunkel. Zwar gewöhnt sich unser Auge rasch daran und es kommt uns nicht viel dunkler vor, als bei anderen Witterungsbedingungen, der Belichtungsmesser in der Kamera erzählt uns aber etwas ganz anderes. Bei niedrigen ISO Werten (100, 200, 400) und einer Blende zwischen 10 und 16, sind wir sehr schnell im Bereich zwischen 5s und 30s. Hier ist ein Stativ unabdingbar, ebenso sollte ein Fernauslöser genutzt werden um die Kamera möglichst erschütterungsfrei auslösen zu können.

Ebenfalls interessant und immer wieder für Überraschungen gut: Die bodennahe Perspektive mit dem Fisheye

Regenschutz und Mikrofaser-Tuch: Bei der Fotografie im Regen wird die Kamera nass. Punkt. Das geht nicht anders und das hält das Zeugs i.d.R. auch aus. Trotzdem muss man die Kamera nicht unnötig der Nässe aussetzen. Deswegen decke ich die Kamera beim Wechsel der Location oder wenn es dann doch mal so stark schüttet, dass man gerade nicht fotografieren kann, mit einer Duschhaube wie aus dem Hotel ab. Die gibt es recht preiswert bei eBAY. Ich habe mir vor über fünf Jahren einmal ein 300er Pack für knapp 5 Euro bestellt. Die habe ich mit meinem Freund Radomir geteilt und von den verbliebenen 150 Stück habe ich jetzt noch gefühlt 90 Stück übrig. 3 oder 4 Stück habe ich immer im Rucksack dabei, die wiegen so gut wie nichts.

Was bei der Fotografie im Regen praktisch unvermeidbar ist, sind Regentropfen auf der Frontlinse des Objektivs. Die sind ziemlich fies, denn beim Blick durch den Sucher bzw. auf den Liveview arbeiten wir mit Offenblende und da fallen kleinere Tropfen nicht auf. Bei der Aufnahme wird die Blende dann auf den vorgewählten Wert geschlossen und -zack- schon haben wir hässliche Wasserflecken auf dem Bild, die man nachträglich nur mit sehr viel Mühe und Pfriemelei wieder (halbwegs) entfernen kann. Hier hilft nur die eiserne Disziplin, unmittelbar vor jeder Belichtung mit einem Mikrofasertuch die Frontlinse abzuwischen. Selbst dann besteht bei längeren Belichtungen noch die Gefahr, dass während der Belichtung wieder Tropfen auf die Linse fallen. Deshalb sollte man das gleich im Anschluß kontrollieren und ggf. gleich nochmal eine Aufnahme machen.

Auch an den kleinen seitlichen Zuflüssen des Gertelbach lassen sich interessante Motive entdecken.

Bachkleidung und Wetterschutz: Neben einer regendichten Jacke für den Fotografen, empfehlen sich auch Gummistiefel bzw. Neoprenmaterial bei kälteren Gewässern. Denkt auch daran, die Regenschutzhülle für den Rucksack einzupacken, die ihr vielleicht zu Hause in der Schublade geparkt habt. Sie bietet zumindest einen gewissen Schutz für den Rucksack. Ich habe aber auch schon Situationen erlebt, bei denen nach der Tour trotz Regenschutzhülle das Wasser im Rucksack stand.

Nass aber glücklich: Der Autor bei der Arbeit hinter der Kamera. Danke an Steffen für das genial Making-Of!

Weitere Jahreszeiten

Selbstverständlich hat der Gertelbach auch im Herbst und im Winter seinen Reiz. Ich werde zu gegebener (Jahres)Zeit dazu wieder in einem Blogbeitrag berichten. Ihr dürft gespannt sein…