Ein paar Gedanken zur Motivation

Sehr oft haben Locations, die für eine bestimmte Tageszeit bekannt sind auch zu anderen Zeiten ihre fotografischen Reize. Man kann die nur nicht so einfach „konsumieren“, statt dessen muss man sich seine Motive selbst erarbeiten. Ein aktuelles Beispiel ist das Felsenglühen an den Altschloßfelsen. Jedes Jahr lassen viele Fotografen ihre eigene Kreativität mehr oder weniger vollständig zu Hause und folgen einem Rudeltrieb um abends das bekannte Felsenglühen zu fotografieren. Dabei haben die Altschloßfelsen so viel mehr zu bieten. Chris und ich besuchten zum Sonnenaufgang diese Location um den Frühlingsmorgen an den Altschloßfelsen fotografisch einzufangen.

Tagesanbruch an den Felsen

Vom Wanderparkplatz am Spießweiher liefen wir los. Kurz vor Sonnenaufgang waren wir an den Felsen und im Frühlingsgezwitscher der Vögel entstanden die ersten Aufnahmen.

mpb160040Tagesanbruch auf dem Pfad zu den Felsen

Das Laub an den Bäumen war noch sehr jung und bot der tief stehenden der Sonne viel Durchlass. An den Baumstämmen vorbei und durch den Wald hindurch war die Sonne als kleiner Fleck zu erkennen.

mpb160043‚Eine Sekunde Frühling‘ – so lange wurde diese Aufnahme belichtet.

mpb160042Das frühmorgendliche Licht- und Schattenspiel auf den Felsen.

Interessante Details finden sich eigentlich überall – selbst auf dem Boden. Bei der folgenden Aufnahme war es der Verlauf der Wurzeln, den ich mit einem Weitwinkelobjektiv und einer bodennahen Perspektive in einen örtlichen Bezug zu den Felsen gesetzt habe.

mpb160045Wie die Adern der Felsen wirken die mächtigen Wurzeln der Bäume bei dem Versuch auf dem felsigen Untergrund halt zu finden.

Folgt man dem Pfad entlang der Felsen, gelangt man zu einem Felsentor, was zum Spiel mit dem Weitwinkel-Objektiv einlädt.

mpb160044Blick durch ein Felsentor an den Altschloßfelsen

Wie große Murmeln liegen hier moosbewachsene Felskugeln unter dem Felsbogen.

Die eigentliche Mission

Die bisherigen Aufnahmen haben vielleicht schon einen Eindruck davon vermittelt, wie wunderbar ein Frühjahrsmorgen an den Altschloßfelsen sein kann.  Ich hatte ja bereits auf meinem Vortrag über die Pfalz (Pirmasenser Fototage 2014) das abendliche Felsenglühen genauer erklärt und beschrieben, wie der Lichtverlauf am Abend ist und wie es dadurch zu dem Glühen kommt. Damals schon war ich erstaunt, wie wenig sich manche ‚Naturfotografen‘ mit den Grundlagen der Natur, wie bspw. dem Sonnenverlauf, befassen. Es ist auch kein Geheimnis, dass zum Beginn des Frühjahrs die Positionen von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gegenüber liegen. Damit ist, was das Felsenglühen angeht, schon eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass dieses Schauspiel nicht nur Abends zu bewundern ist, sondern auch morgens – wenn die übrige Geometrie des Felsens mitspielt.

mpb160041Die Rückseite der Felsensäule, an der im Frühjahr abends das Glühen beobachtet werden kann.

Erinnern wir uns: Beim abendlichen Glühen reflektieren zwei Felswände die Sonne auf eine Felsensäule. Setzt man nun die Lichtquelle auf die gegenüberliegende Seite, dann wird theoretisch die Säule angestrahlt und das Licht reflektiert auf die beiden Wände, was aber wesentlich weniger intensiv sein wird. Nun, genau das funktioniert hier leider nicht, denn in der gegenüberliegenden Verlängerung befindet sich der Ausläufer eines anderen Felsens. Bewegt sich die Sonne aber etwas weiter, dann wird die linke der beiden Felswände angestrahlt und reflektiert auf die rechte Wand. Blickt man nun zwischen linker Wand und Pfeiler hindurch, sieht man die rechte Wand glühen!

mpb160046Voila´- Das Felsenglühen am Morgen!

Vielleicht sehen wir nun auch morgens viele Fotografen an Altschloßfelsen? Ob es sich lohnt dort auch in der Frühe hinzugehen, sollte jetzt jedenfalls keine Frage mehr sein.

Wir waren übrigens fast die ganze Zeit alleine Unterwegs. Erst als wir uns schon wieder auf dem Rückweg machten, haben wir den ersten Hund mit Spaziergänger an der Leine getroffen.