Im Januar 2017 habe ich auf einer zweiwöchigen Fototour durch den Südwesten der USA einige ausgewählte Locations besucht. Mit dabei auf dieser Tour war mein Fotobuddy Raik. Zusammen haben wir eine unglaublich tolle Zeit gehabt, Abenteuer erlebt und dabei auch das eine oder andere brauchbare Bild mit nach Hause gebracht. Meine Erinnerungen an unsere (fotografischen) Erlebnisse werde ich in einer Reihe von Blogbeiträgen mit meinen Lesern teilen. Die Reihenfolge wird dabei der Reiseroute entsprechen und deswegen fange ich hier mit unserer ersten Location, dem Death Valley, an.

Zabriskie Point

Auf den Jetlag ist wirklich Verlass. Um 03:30 Uhr sitzen wir hellwach in unserem Zimmer in Las Vegas und wenig später geht es auf die Piste in Richtung Death Valley. Rasch lassen wir die Lichter von Las Vegas hinter uns und hangeln uns über einige One-Horse-Towns hin zum Tal des Todes. Wir spitzeln durch die Windschutzscheibe nach oben, können aber keine Sterne sehen und als es zwischendurch zu regnen beginnt, fragen wir uns schon mal, was für Motive das Death Valley wohl bei Regen zu bieten hat. Man reist ja mit einigen Motivideen im Kopf an, aber eine Szenerie, die Regen vorsieht, haben wir für diese Location nicht im Gepäck. Einige Meilen vor dem Death Valley hört der Regen wieder auf und pünktlich zum Einsetzen der Dämmerung erreichen wir den Parkplatz an unserem ersten Ziel, dem Zabriskie Point. Gerade mal ein Auto steht dort. Perfekt, weil damit sicher nicht überlaufen.

Die beeindruckende Landschaft am Zabriskie Point ist ein Paradies für Fotografen. Es bieten sich Übersichtsaufnahmen an, ebenso wie Details. Den kurzen Weg vom Parkplatz hoch zum Aussichtspunkt gehen wir voller Spannung und unsere Schritte werden dabei immer schneller. Oben angekommen, setzen wir die Rucksäcke ab und lassen die grandiose Landschaft auf uns wirken. Eine Welt aus Linien, Formen und Farben liegt vor uns und will fotografisch erarbeitet werden.

Im Dämmerlicht vor dem Sonnenaufgang liegen noch keine harten Schatten in der Landschaft. Statt dessen modellieren ausschließlich Farbabstufungen und Linien die Landschaft vor uns. Ich entschied mich für eine schwarz-weiss Ausarbeitung der folgenden Aufnahme, um die Strukturen zu betonen

Zabriskie Point – Pre Dawn

Mit zunehmender Helligkeit wird das Licht etwas wärmer und die Farben im Gestein beginnen zu leben. Dank einer Wolkendecke über uns ist die Ausleuchtung immer noch weich und fast frei von Schatten. In solch einer Situation lohnt es sich die Farbabstufungen zu betonen. Mit einem leichten Tele habe ich dazu diesen Ausschnitt herausgegriffen.

Farben wie auf der Palette eines Malers. Zabriskie Point im weichen Licht vor Sonnenaufgang.

Schließlich reisst die Wolkendecke ein Stück weit auf und die Strahlen der Morgensonne tauchen die Hügel vor uns in warmes Licht. Während dieser Zeit ziehen über uns ein paar Fetzen der Regenwolken herein, unter denen wir auf dem Weg ins Death Valley durchgefahren sind.

Morgensonne auf den Badlands beim Zabriskie Point

Die Wolken reißen immer mehr auf und rasch wird das Licht zu hart für weitere Aufnahmen. Für uns ist das die Zeit, um nach einem Frühstück zu suchen und mit dem Scouting weiterer Locations zu beginnen. Schließlich wollen wir vorbereitet sein, wenn gegen Abend das Licht wieder interessant für uns wird.
Wir haben zwei Tage vor Vollmond und deswegen werden wir ca. 2h nach dem Sonnenuntergang auch den fast vollen Mond am Himmel haben. Entsprechend machen wir einen Plan für den Abend:  Zum Sonnenuntergang wollen wir die Salz Playa bei Badwater besuchen und nach dem Sonnenuntergang ein paar Startrails über der Playa fotografieren. Später in der Nacht, wenn der Mond am (hoffentlich wolkenlosen) Himmel steht, wollen wir schließlich die Mesquite Dunes im Mondlicht fotografieren. Das ist zumindest unsere optimistische Planung für den Rest vom ersten Tag in den USA.

Badwater

Bei Badwater sind es vor allem die hexagonalen Salzstrukturen, die wir als Bildbestandteil haben wollen. Die Salz Playa ist sehr groß und deswegen beschließen wir, über die Mittagszeit entspannt nach besonders schönen Strukturen Ausschau zu halten, diese im GPS zu markieren und am Abend gezielt an die Orte zurückzukehren.

Das funktioniert so weit recht gut, wir haben sehr ansprechende Salzstrukturen entdeckt und müssen dazu ca. 2 bis 3 km auf die Salz Playa hinaus laufen. Der Sonnenuntergang findet dann zwar hinter Wolken statt, aber sobald die Sonne untergegangen ist und die blaue Stunde einsetzt, reflektiert das helle Salz die Farbe des Himmels.

Im letzten Licht des Tages reflektiert das Salz auf der Playa von Badwater die blaue Farbe des Himmels

Die Bewölkung am Himmel lässt es bereits erahnen: Wir werden an diesem Abend kein Glück mehr haben, was die Fotografie von Sternen angeht. Die Wolken sind aber nicht so dicht, dass sie den Mond vollständig blockieren können. Also warten wir auf den Mondaufgang und tatsächlich ist der Mond deutlich hinter den Wolken erkennbar. Zwar fehlt ihm die Struktur, aber er ist hell genug, um die Playa in ein magisches Licht zu tauchen.

Mond über der Playa von Badwater

Schließlich nimmt die Bewölkung weiter zu, das Mondlicht scheint immer weniger durch und wir verabschieden uns an dieser Stelle von der zweiten Motividee für diesen Abend, den Dünen im Mondlicht. Statt dessen beschließen wir, den Dünen morgen früh zum Sonnenaufgang eine Chance zu geben.

Mesquite Dunes

Auch am zweiten Morgen hilft uns der Jetlag rechtzeitig aus den Federn zu kommen. Von unserem Motel in Beatty, Nevada fahren wir ca. 40 Minuten bis zu den Mesquite Dunes. Unterwegs glauben wir ein paar Sterne erkennen zu können, die Wolkendecke hat also zumindest ein paar Lücken. Das macht Hoffnung auf den Sonnenaufgang. Wir stapfen im Dunkeln los und bereits nach den ersten Sandhügeln haben wir den Eindruck tief in der Wüste zu stehen. Obwohl unsere Stirnlampen eine ordentliche Leistung haben und gut Licht abgeben, hat man in der Wüste den Eindruck, dass man sich damit nur schwer orientieren kann. Zu monoton ist die Umgebung und der Lichtstrahl verliert sich irgendwann in der Weite der Sandlandschaft und am nächsten Dünenkamm, ohne dabei einen nennenswerten Orientierungspunkt zu beleuchten.

Irgendwann machen wir auf einer Düne halt, um uns etwas zu orientieren. Dabei sehe ich, dass der Himmel in Richtung des Sonnenaufgangs Farbe bekommt und die Wolken sehr rasch auf uns zu ziehen und sich dabei am Himmel verteilen. Das ist doch perfekt für eine Langzeitbelichtung! Deswegen ist etwas mehr als vier Minuten später das folgende Bild im Kasten:

250 Sekunden in der Morgendämmerung am Rande der Mesquite Dunes, Death Valley

Weiter geht es auf der Suche nach einem Flecken Sand ganz ohne Fußspuren, der uns den Eindruck möglichst unberührter Wüste geben soll. Aber selbst nachdem wir ein ganzes Stück weit in die Dünen hineingelaufen sind, finden wir immer wieder deutliche Fußspuren, die kreuz und quer durch den Sand gehen. Mittlerweile sind wir im Wettlauf gegen den Sonnenaufgang. Als dann der Himmel immer mehr Farbe bekommt, halte ich nach etwas Ausschau, was als Vordergrund taugen kann und keine Fußspuren aufweist. Dabei finde ich in einer weitläufigen Senke zwischen den Dünen eine Fläche mit einem hellen, gipsähnlichen Gestein. Der Himmel brennt mittlerweile und deswegen wird das jetzt mein Motiv:

Sonnenaufgang im Death Valley, Mesquite Dunes.

Nachdem die Sonne aufgegangen ist, erklimme ich den nächsten Dünenkamm und sehe von dort das ganze Ausmaß des Dramas: Überall um mich herum kreuzen Fußspuren die Gegend. Es war die richtige Entscheidung, den Sonnenaufgang in der Senke mit dem Gestein zu fotografieren. Raik hat es besser getroffen, er war irgendwann „links abgebogen“ und hat ein paar Dünen weiter tatsächlich einen Bereich gefunden, der fast frei von Fußspuren war.

Ein paar dünne Wolken vor der Sonne schenken uns kurz nach dem Sonnenaufgang nochmal für ein paar Minuten etwas weicheres Licht. Das gibt mir die Gelegenheit, mit dem Teleobjektiv einen Bereich der Dünen ins Bild zu nehmen, in dem nicht ganz so viele Fußspuren sind. Was mir dabei noch fehlt ist ein Größenmaßstab, der die Weite der Landschaft erst verdeutlicht. Schließlich entdecke ich beim Blick durch den Sucher einen anderen Fotografen, der in diesem Bereich unterwegs ist. Ich warte bis er einen Dünenkamm erreicht hat und habe mein Bild:

Morgenlicht auf den Mesquite Dunes, Death Valley

Wir könnten vermutlich noch Tage im Death Valley bleiben und würden uns nicht langweilen, was Motive angeht. Trotzdem zieht es uns weiter zu einer Location, die gerade mal einen halben Tagesritt entfernt ist und uns noch viel mehr in ihren Bann ziehen soll. Wir machen uns auf den Weg ins Valley of Fire. Meine Erlebnisse dort findet Ihr in Kürze in einem weiteren Blogbeitrag.

Den Blogbeitrag von Raik zu dieser Location, findet Ihr auf raiklight.de