Im Ergebnis nicht unerwartet, aber zu dem Zeitpunkt doch überraschend, hat Canon im September im Vorfeld der Photokina mit der EOS R eine spiegellose Kamera mit Kleinbildsensor vorgestellt. Was bei der Vorstellung der Kamera gezeigt wurde, hat auf Anhieb mein Interesse geweckt. In vielen, für meine Fotografie relevanten Punkten, versprach die Kamera eine interessante Ausstattung.

Die Möglichkeit, die Kamera noch rechtzeitig zum Herbst zu erhalten, hat dann den Ausschlag dazu gegeben, dass ich bei Martin Achatzi noch am selben Tag eine Vorbestellung für das Bundle „EOS R + RF 24-105“ getätigt habe. Aber Moment, „RF“ ?!? – müsste das nicht „EF“ heißen bei Canon? Nein, richtig gelesen. Die EOS R hat ein neues Bajonett, das auf den Namen RF hört und für spiegellose Kameras optimiert wurde. Die Konstruktion dieses neuen Bajonetts und die damit verbundenen Möglichkeiten waren mit ein Grund für mein Interesse an der EOS R. Bevor ich auf meine Beweggründe aber näher eingehe, zunächst ein kurzer Hinweis was in diesem Blogbeitrag zu finden sein wird und was nicht:

Um was es hier (nicht) geht

Ich berichte hier von meinen eigenen Erfahrungen und Eindrücken, basierend auf meiner Arbeit mit der EOS R in meiner Motivwelt innerhalb der Landschaftsfotografie. Dabei gehe ich auf die Punkte ein, die mir besonders wichtig sind – wie Handhabung und Systemqualität (Kamera in Verbindung mit meinen Objektiven). Die Ergebnisse und Eindrücke aus der Praxis sind dabei der Maßstab meiner Betrachtungen.

In meinen Betrachtungen fast komplett außen vor ist der Autofokus. Ich bin Landschaftsfotograf und gestalte meine Motive in Ruhe, meist auf dem Stativ. Der Autofokus spielt für mich nur in sofern eine Rolle, dass er mir als reines Komfortmerkmal das manuelle Einstellen der Schärfe in bestimmten Situationen abnehmen kann. Die Geschwindigkeit, mit der das dann passiert (oder auch nicht), ist komplette Nebensache – zumindest so lange ich dadurch keinen Sonnenuntergang verpasse.

Es geht hier auch nicht darum Bilder nur deswegen unterzubelichten, um nachträglich in der EBV beim Aufhellen irgendwelche Artefakte sichtbar zu machen, die man sonst nicht gesehen hätte. Konsequenter Weise verzichte ich auch darauf, Aufnahmen ohne Objektiv und mit aufgesetztem Gehäusedeckel zu machen. Was mir hingegen sehr wichtig ist, sind die Korrekturen, die in meiner Motivwelt (Landschaften und Landschaftsdetails, oft zu Tagesrandzeiten) erforderlich sind um zum gewünschten Bildergebnis zu gelangen.

Wer das Spannende in der Fotografie eher im Ausloten des theoretisch Möglichen sieht, wird hier genau so wenig interessante Infos finden, wie Fotografen, für die der AF eine wichtige Rolle spielt. Alle anderen, insbesondere Landschaftsfotografen und an der Landschaftsfotografie Interessierte, sind herzlich eingeladen hier weiter zu lesen.

Tagesanbruch über dem Pfälzerwald. EOS R + RF 24-105 F/4L.

Das hat mein Interesse an der Kamera geweckt

Es gab nicht das eine, einzelne (neue) Feature ohne das ich nicht hätte weiter leben wollen und das die EOS R nun mitgebracht hat. Stattdessen ist es das Paket als Solches was Canon mit der EOS R vorgestellt hat und was mich angesprochen hat.

Das Display: Da ist zunächst das Klappdisplay, das in alle Richtungen schwenkbar ist – sogar in Richtung des Motivs seitlich neben die Kamera. Das bringt mich bei einigen Bildideen, die ich schon eine ganze Weile mit mir herumtrage, ein großes Stück weiter.

Die individuellen Anpassungsmöglichkeiten der Kamera durch neue Bedienelemente in Verbindung mit der Konfigurierbarkeit der Kamera: Mit einem sog. „Control-Ring“ an den neuen RF-Objektiven und einer Touchbar am Kameragehäuse bietet die EOS R zwei, zumindest für Canon, neue Bedienelemente. Diese können, wie auch die meisten anderen Bedienelemente der Kamera, individuell angepasst werden. Davon habe ich intensiv Gebrauch gemacht und mehr Informationen dazu gibt es weiter unten in diesem Beitrag.

Das neue RF-Bajonett und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Adaption bestehender Objektive mit EF-Bajonett: Was soll denn bitte an einem neuen Bajonett zum Freuen sein? Schließlich passen die bisher genutzten Objektive nicht mehr ohne Adapter! Hier ist es nun genau die Sache mit dem Adapter, die es so spannend macht für mich. Bestehende Objektive mit EF-Bajonett können über einen Adapter an der EOS R weiterverwendet werden.
Bereits von der EOS-M weiß ich, dass Canon diese Adapterlösungen in einer Qualität bietet, die keine Wünsche offen lässt. Man merkt praktisch nicht, dass man mit einem adaptierten Objektiv arbeitet. Daher machte ich mir auch bei der EOS R überhaupt keine Sorgen in diese Richtung. Für die EOS R bietet Canon neben einem einfachen Adapter (vergleichbar mit dem der EOS-M) noch zwei weitere Adapter an und die sind spannend, sehr spannend. Ein Adapter hat einen Einstellring, wie ihn auch die neuen Objektive mit dem nativen RF-Bajonett haben und der bspw. mit der Belichtungskorrektur oder der Wahl der Blende belegt werden kann. Das ist schon mal ganz nett, wenn man diese Möglichkeit nutzen will. Was mich dann aber wirklich elektrisiert hat, ist der dritte Adapter-Typ, den Canon für die EOS R vorgestellt hat. Wie bereits von den Supertele aus dem Hause Canon bekannt, hat dieser Adapter einen Filtereinschub. Hier können entweder ein Pol-Filter oder ein variabler ND-Filter eingesetzt werden. Damit bieten sich ganz neue Möglichkeiten, vor allem bei Objektiven die eine gewölbte Frontlinse haben und nicht so ohne weiteres mit Filtern versehen werden können, wie bspw. meinem EF 11-24 oder sogar dem EF 8-15 Fisheye. Für mich ist das ein echter Mehrwert, denn damit lassen sich ganz neue Bildideen realisieren.
Nicht zu vergessen ist hier die Möglichkeit, dass ich meine bisher verwendeten und ganz hervorragend abbildenden EF-Objektive ohne Einschränkungen weiter nutzen kann. Die Kamera ist eben nur ein Teil des optischen Systems und was nutzt es mir, wenn die Kamera zwar super tolle Spezifikationen hat, die sich wie der Traum eines Fotografen lesen, es bei den verfügbaren Objektiven aber eher mau aussieht. Insofern hat Canon hier in meinem Augen vieles richtig gemacht, was die Integration der Kamera in den bestehenden EOS-Kosmos angeht.

Endlich wieder ein 24-105 Objektiv: Ich finde es sehr angenehm, in einem durchgehenden Brennweitenbereich zwischen 24 und 105 Millimeter arbeiten zu können, ohne das Objektiv wechseln zu müssen. In meinem zuvor verwendeten Setup waren dazu zwei Brennweitenbereiche vorhanden: 24-70mm und 70-210mm. Gerade im Bereich um 70mm war das oftmals lästig, um nicht zu sagen hinderlich, wenn ich bei rasch wechselnden Motiven zwischen den beiden Objektiven hin- und her wechseln musste. Stattdessen verwende ich jetzt (wieder) ein 24-105mm und ein 100-400mm Objektiv. Theoretisch habe ich das Wechseldilemma jetzt eben bei 100mm. Aus irgend einem Grund bewege ich mich aber deutlich seltener in diesem Bereich und entsprechend weniger trifft mich das.

Praxis-Erfahrungen mit der EOS R

Die Handhabung und Bedienung der Kamera

Ich war sehr gespannt, als ich die Kamera zum ersten Mal in die Hand genommen habe. Schließlich ist sie kleiner geworden als bisherige Canon KB-DSLR. Die Kamera fühlte sich sofort vertraut an. Sie liegt (auch ohne Batteriegriff) gut in der Hand. Der Zeigefinger fällt fast automatisch auf den Auslöser und der Daumen liegt dabei auf dem Modus Wahlrad (Mode-Dial). Die EOS R ist zwar kleiner als bspw. eine EOS der 5er Serie, ich hatte aber trotzdem nicht den Eindruck, eine zu kleine Kamera in der Hand zu halten. Die Erreichbarkeit der umliegenden Knöpfe auf der rechten Kamera-Seite, entweder per Daumen oder per Zeigefinger, ist im ersten Moment ebenfalls gut. Allerdings bediene ich die Kamera meist auf dem Stativ und weniger aus der Hand heraus. Die Kollegen aus der Portrait-Fotografie werden die Ergonomie daher sicher besser beurteilen können.

Ebenfalls gespannt war ich auch auf die beiden neuen Bedienelemente, den „Control-Ring“ am RF-Objektiv bzw. am EF-Adapter und die „Touchbar“ auf der Rückseite der Kamera. Nach mehreren Wochen intensiver Arbeit mit der EOS R lautet mein Fazit zu den beiden neuen Bedienelementen: „Gut und schön, ohne ging es aber auch!“

Fangen wir mit dem Control-Ring an. Dieser sitzt bei den neuen RF-Objektiven vorne am Tubus. EF-Objektive können mit einem EF/RF Adapter mit integriertem Control-Ring angeschlossen werden. In diesem Fall sitzt der Control-Ring dann kurz vor dem Bajonett am Adapter. Der Control-Ring kann als Steuerelement für einen Belichtungsparameter (Zeit/Blende/ISO) bzw. die Belichtungskorrektur konfiguriert werden. Nun hat die EOS R kein Daumenrad mehr auf der Kamerarückseite, wie wir das bisher von den EOS-Kameras kannten. Damit ist zunächst auch das Standard-Steuerelement für die Belichtungskorrektur nicht mehr vorhanden, denn die lag eben gut erreichbar auf dem Daumenrad. Mit dem Control-Ring kann man, wenn man mag, zwar auch sehr einfach die Belichtungskorrektur vornehmen. Jedoch ist das Bessere bekanntlich der Feind des Guten und nun lässt sich bei der EOS R die Belichtungskorrektur ebenso einfach am Modus-Wahlrad einstellen. Dieses bedient man ebenfalls mit dem Daumen und daher ist das, gerade wenn man von anderen EOS Kameras kommt, deutlich intuitiver. Zudem muß man dazu nicht vor die Kamera greifen, wie das bei dem Control-Ring der Fall ist. Vielleicht ist der Control-Ring ja eine gute Ausweichlösung für die Belichtungskorrektur, wenn man das Modus-Wahlrad mit einer anderen Funktion belegt hat? Falls hier jemand mit liest, der die EOS R verwendet: Lasst doch bitte einen Kommentar hier, wie ihr den Control-Ring verwendet.

Das zweite neue Bedienelement, die Touchbar, lässt sich umfangreicher konfigurieren. Sie kann unterscheiden zwischen „Wischen nach links und rechts“, „Links antippen“ und „Rechts antippen“. Gegen versehentliches Betätigen kann die Touchbar gesperrt werden, man muss dann zunächst ca. 2 Sekunden die Touchbar berühren bevor sie aktiv wird. Für einen Schnellzugriff ist diese Sperre eher hinderlich, da sie erst mal eine 2 Sekunden Zwangspause aufbrummt, bevor es mit der Bedienung weiter geht. Ich nutze diese Sperre daher nicht. Canon selbst spricht übrigens keine Empfehlung für die Belegung der Touchbar aus. Die Touchbar ist im Auslieferungszustand der Kamera unbelegt und muss vom Nutzer gezielt mit Funktionen belegt werden. Zunächst habe ich die Touchbar mit verschiedenen Einstellungen zum Weißabgleich versehen, wobei das „Wischen nach links und rechts“ einer Verstellung des Weißabgleichs in K entsprochen hat. Ich hielt das zwischenzeitlich für keine so gute Idee, da ich persönlich das Wischen auf der Touchbar als recht unpräzise empfinde. Zumindest muss ich immer ein wenig hin- und herkutschen, bis ich den gewünschten K-Wert dann tatsächlich eingestellt habe. Mit einem Einstellelement mit physikalischer Rastung, wie bspw. einem Einstellrad, geht das bei mir besser. Ich habe mich mittlerweile aber etwas an das Verhalten der Touchbar gewöhnt.

Meine aktuelle Belegung der Touchbar habe ich im folgenden Abschnitt näher beschrieben. Sie passt perfekt in meine Arbeitsweise, die davon geprägt ist, dass ich auf dem Monitor möglichst nur die Informationen sehen sehen will, die ich in diesem Moment brauche.

Abendliches Streiflicht im Pfälzerwald. EOS R + RF 24-105 F/4L

Tastenbelegung + individuelle Konfiguration

Überhaupt ist es mir sehr wichtig, dass mir eine Kamera ohne große Umwege in der Bedienung die Funktionen bietet, die ich zum Fotografieren brauche und mich darüber hinaus möglichst wenig ablenkt. Wenn ich beim Fotografieren abgelenkt werde, sei es durch zu viel Ansprache von Dritten oder weil ich überlegen muss, wie ich die Kamera bedienen soll, dann komme ich aus dem Flow bzw. erst gar nicht hinein.

Hier lässt sich die EOS R umfangreich konfigurieren. Insbesondere die Belegung der Tasten ermöglicht es, die Kamera in vielen Bereichen so anzupassen, dass sie sehr gut zur persönlichen Arbeitsweise passt. Für meine Arbeitsweise habe ich die Tastenbelegung in den folgenden Punkten angepasst (abweichend von der Standardbelegung im Auslieferungszustand):

Movie-Taste als Abblendtaste: Da Filmen keine Rolle für mich spielt, habe ich die Movie-Taste mit der Funktion „Schärfentiefe-Kontrolle“ belegt. Das entspricht der Funktion einer Abblendtaste. Dabei wird die Blende im Objektiv auf den eingestellten Arbeitswert geschlossen. Das ist in der Landschaftsfotografie hilfreich bei der Positionierung von Verlaufsfiltern und hilft mir außerdem bei der Ausrichtung der Kamera für einen Sonnenstern. Die Funktion bleibt so lange aktiv, wie die Taste gedrückt wird.

Touchbar (links) – Wasserwaage an/aus: Zur einfachen Kontrolle der Ausrichtung der Kamera auf dem Kugelkopf kann ich über diese Taste die Wasserwaage anzeigen lassen. Die Wasserwaage bleibt nach dem Antippen der Touchbar so lange eingeblendet, bis sie durch erneutes Antippen der Touchbar wieder ausgeblendet wird.

Touchbar (rechts) – Histogram an/aus: Schatten abgesoffen? Lichter ausgebrannt? Noch etwas Luft bzgl. ETTR? All das beantwortet das Histogram auf einen Blick. Deswegen schätze ich die Möglichkeit es direkt einblenden zu können. Das Histogram bleibt ebenfalls nach dem Antippen der Touchbar so lange eingeblendet, bis es durch erneutes Antippen der Touchbar wieder ausgeblendet wird.

Touchbar (Wischen) – Kelvinwert: Obwohl ich in RAW arbeite und den Weißabgleich dadurch nachträglich noch beliebig ändern kann, achte ich bereits bei der Aufnahme darauf den Weißabgleich so einzustellen, dass er zur Szenerie passt und meine Motivaussage unterstützt. Zwar arbeitet der automatische Weißabgleich (AWB) in der EOS R überraschend gut, für mich zählt jedoch die gezielte Wahl des Weißabgleichs mit zu den Überlegungen, die ich bei der Gestaltung eines Bildes anstelle. Die Touchbar bietet mir hier die Möglichkeit diese Funktion rasch im Zugriff zu haben.

Auslöser (halb gedrückt) – nur Belichtungsmessung: Die Trennung von Autofokus-Start und Belichtungsmessung hat weitreichende Auswirkungen auf meine Arbeitsweise. Der Grund liegt in der Belichtungsmessung der EOS R. Bei eingeschaltetem AF gewichtet die EOS R den Bereich um das AF Messfeld stärker bei der Belichtungsmessung. Das ist zwar keine an das AF-Feld gekoppelte Spotmessung, aber immerhin eine Möglichkeit den Bereich im Bild gezielt anzumessen, auf den man die Belichtung legen möchte. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass der AF eingeschaltet ist. Bei ausgeschaltetem AF erfolgt die Mehrfeldmessung ohne diese zusätzliche Gewichtung. Im Auslieferungszustand startet zusammen mit der Belichtungsmessung auch immer der AF. Im günstigsten Fall findet der AF an der Stelle, an der das AF Messfeld sitzt, genug Kontrast für eine Messung. Im ungünstigsten Fall tut er das jedoch nicht und läuft dann, auf der Suche nach Kontrast, in die Unschärfe. Durch die Änderung der Tastenbelegung des Auslösers startet auch bei eingeschaltetem AF nur die Belichtungsmessung – inklusive der gewichteten Messung um das AF Messfeld. Damit kann ich das AF Messfeld komfortabel dazu nutzen, die Mehrfeldmessung gezielt zu gewichten ohne dabei Gefahr zu laufen, dass mir der AF einen Strich durch die Rechnung macht, weil das AF Messfeld gerade in einem sehr kontrastarmen Bereich des Bildes liegt. Hinweis: Hierzu gibt es weiter unten (am Ende des Berichts) ein Update vom 11. August 2019!

Control-Ring – Belichtungskorrektur: Die Belegung des Control-Ring mit der Belichtungskorrektur scheint mir die sinnvollste der angebotenen Optionen. Canon hat in einem der zahlreichen Interviews zur Vorstellung der EOS R angekündigt in einem kommenden Firmwareupdate noch weitere Belegungsoptionen für den Control-Ring anzubieten. Vielleicht ist da ja etwas dabei?

Ausblendung Info-Screens: Mit der Info-Taste kann zwischen verschiedenen Anzeigeoptionen im Display bzw. Sucher (besser: EVF) umgeschaltet werden. Für das Display stehen fünf vordefinierte Anzeige-Layouts bereit, für den EVF immerhin noch drei. Einige dieser Anzeigen bieten so viele Informationen auf dem Screen, dass man kaum noch was vom Motiv sieht. Canon hat bereits bei der EOS M die Möglichkeit eingeführt, nicht benötigte Layouts auszublenden und bestehende Layouts anzupassen. Diese Funktion steht auch bei der EOS R bereit. Davon habe ich Gebrauch gemacht und mir zwei Layouts konfiguriert, die sehr minimalistisch sind, mich aber optimal unterstützen. Ein Layout enthält neben der Anzeige des Fokuspunktes und des Akkustandes nur noch die wesentlichen Informationen zur Belichtung (Zeit/Blende/Iso und Belichtungswaage). Das zweite Layout blendet alles aus und erlaubt mir, mich ablenkungsfrei auf die Bildgestaltung zu konzentrieren. Durch die Belegung der Touchbar kann ich in beiden Layouts bei Bedarf rasch das Histogram oder die Wasserwaage zuschalten. Unabhängig vom Anzeige-Layout habe ich die Drittellinien als Hilfsmittel zur Bildgestaltung permanent eingeblendet.

MyMenu Einträge: Um bestimmte Funktionen rasch im Zugriff zu haben, habe ich mir drei MyMenu-Einträge zusammengestellt, die häufig genutzte Funktionen nach Anwendungsgebieten gruppieren:

MyMenu – Landschaft MyMenu – Nacht bzw. Langzeitbelichtung MyMenu – Wiedergabe-Einstellungen

Adaptierung von Objektiven

Zum Anschluß von Objektiven mit EF-Bajonett stellt Canon gleich drei verschieden Adapter zur Verfügung (siehe oben). Canon nennt die EOS R als vollständig kompatibel mit den hauseigenen EF Objektiven. Das ist auch ganz unspektakulär und das habe ich ehrlich gesagt auch nicht anders von Canon erwartet. Neben meinen Canon EF-Objektiven funktioniert übrigens auch mein Tamron 100-400 Di VC (A035 mit Firmwarestand 2.0) mit EF Bajonett via Adapter, bezogen auf meine Motive, sehr gut an der EOS R.

Die Burgruine Münz  an einem Herbstmorgen. EOS R + Tamron 100-400 Di VC.

Dennoch will ich meine folgenden Beobachtungen mit dem adaptierten Tamron Objektiv an der EOS R nicht für mich behalten, auch wenn diese Punkte für Landschaftsmotive weniger ins Gewicht fallen: Da ist zunächst die AF-Geschwindigkeit, die offenbar ein wenig gelitten hat. Der AF ist zwar nicht direkt träge geworden, aber für sich rasch bewegende Objekte sicher nicht mehr gut geeignet. Zum anderen habe ich beobachtet, dass der AF, wenn er die Schärfe nicht sofort findet, vom Schärfepunkt wegläuft und dann im Bereich deutlicher Unschärfe einfach stehen bleibt. Es gibt an der EOS R eine Kameraeinstellung „Schärfesuche wenn AF unmöglich“, die eigentlich genau dieses Stehenbleiben verhindern soll. Jedoch funktioniert das in Verbindung mit dem Tamron nicht zuverlässig.

Die Adapter haben keine optischen Elemente (Linsen) verbaut, sondern entsprechen in der Konstruktion einem Distanzring, der das Auflagemaß anpasst. Die Innenseite der Adapter ist jedoch nicht glatt, sondern mit Lamellen versehen. Genau diese Lamellen habe ich im Verdacht, bei extremen Gegenlichtsituationen Reflexe mit den Linsen des adaptierten Objektivs zu erzeugen. Passiert ist mir das genau einmal, mit dem adaptierten EF 16-35 f/4L. An einer gleichzeitig aufgebauten 5DIV mit gleichem Objektiv konnten diese Fehler bei identischem Bildwinkel nicht beobachtet werden.

Ausschnitt aus dem Bildbereich mit Reflexen Lamellen im Inneren des EF/RF Adapters

Wie bei den meisten Reflektionen hat auch hier eine geringfügige Änderung des Bildwinkels die Reflexe komplett verschwinden lassen. Mir ist das bisher nur einmal begegnet. Sollte das wieder auftreten, werde ich versuchen die Ursache näher einzugrenzen. Bis dahin ist es erstmal eine Beobachtung, von der ich selbst noch nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Unerwähnt lassen wollte ich das an dieser Stelle jedoch nicht.

Fokusierhilfen

Bei meinen Landschaftsaufnahmen lege ich den Fokus oft manuell. Am meisten nutze ich dabei auch an der EOS R den klassischen, bereits vom LiveView der DSLR bekannten, Weg mit der Lupenfunktion in 5x oder 10x Vergrößerung. Zusätzlich kann ich, bei ausreichendem Licht, bei aktivierter Lupenfunktion und gedrückter Abblendtaste grob die Lage der Schärfentiefe beurteilen. Angenehm ist, dass der EVF ebenfalls diese Vergrößerungsmöglichkeit bietet.

Das Fokuspeaking (neu bei der EOS R im Vergleich zu den bisherigen EOS DSLRs) nutze ich kaum. Ich habe den Eindruck, dass ich mit der 10x Vergrößerung den Fokus präziser (pixelgenauer) setzen kann, als das mit dem Peaking möglich ist. Eine Hilfe wäre es, wenn das Peaking auch bei der Lupenfunktion zur Verfügung stehen würde. Leider ist das nicht der Fall, ich hoffe hier auf ein Software-Update von Canon.

Als weitere Fokusierhilfe bietet die EOS R den sogenannten „Fokusassistent“. Das ist eine Anzeige im Display, die beim manuellen Fokussieren in der Form unterstützt, dass sich zwei Pfeile gegenseitig nähern und sich dann überlappen, wenn auf den ausgewählten Bereich scharfgestellt ist. Zusätzlich wird dann die Anzeige grün. Nun ist es so, dass dieser Assistent nur dann funktioniert, wenn er auch ausreichend Kontrast in dem Bereich findet, den er überwachen soll. In diesem Fall kann man aber auch gleich den AF nutzen, sofern das Objektiv darüber verfügt. Bei rein manuell zu fokussierenden Objektiven bietet der Fokusassistent tatsächlich einen Mehrwert, zumindest so lange man nicht TS-E (Tilt/Shift) Objektive verwendet. Bei diesen Objektiven arbeitet der Fokusassistent bei genutzter Tilt-Funktion nicht korrekt. Hier ist dann wieder die Sache mit der 10x Lupe gefragt.

Bildqualität und Bearbeitung der RAW Dateien der EOS R

Meine Bilder entwickle ich aus den RAW-Files mit Adobe Lightroom. Es dauert nach Erscheinen eines neuen Kameramodells in der Regel immer ein wenig, bis die RAW-Konverter mit den Files der neuen Kamera umgehen können. Bei der EOS R hat Adobe hier sehr schnell ein Update für Lightroom geliefert, mit dem die RAW-Files der EOS R verarbeitet werden können. Das finde ich einerseits gut, weil die Kunden nicht lange warten mussten. Andererseits hätte ich mir eine etwas gründlichere Qualitätskontrolle seitens Adobe gewünscht. Dann wäre sicher auch aufgefallen, dass Lightroom den Weißabgleich der RAW Files für die EOS R durchgehend ca. 1500K bis 2500K zu warm interpretiert. Ein Fix für dieses Problem ist, nach Auskunft von Adobe, mit dem nächsten LR-Update geplant. Bis dahin muss ich den Weißabgleich nach dem Import von Hand korrigieren. Das ist zwar lästig, aber kein Beinbruch.

Die Saarschleife zum Sonnenaufgang.
EOS R + RF 24-105 F/4L, Panorama aus Hochformat-Aufnahmen zusammengesetzt in Adobe Lightroom.

Der Sensor in der EOS R ist nahezu identisch mit dem Sensor der EOS 5D Mark IV. Canon bezeichnet ihn als „Weiterentwicklung“. Technisch mag dies stimmen, in der Bildqualität wird man keinen nennenswerten Unterschied zwischen beiden Kameras finden. Banding oder gar grüne Streifen beim starken Anheben von Belichtung und/oder Schatten konnte ich bisher keine feststellen. Ich orientiere mich hier aber auch nur an dem was für mich praxisrelevant ist und da konnte ich bisher selbst bei einem extremen Motivkontrast keine Probleme entdecken.

Zur Veranschaulichung ein Vorher/Nachher-Vergleich. Links ist das unbearbeitete Bild, rechts ist das Bild was in Lightroom mit den folgenden Werten korrigiert wurde: Belichtung+1,00 / Kontrast+100 / Lichter-100 / Tiefen+100 / Schwarz+100

Diese Bearbeitung ist sicher ein Extremfall, der bei sorgfältigerer Belichtung nicht so ausgefallen wäre. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass die EOS R deutliche Reserven im RAW-File mitbringt, die gut genutzt werden können.

Ebenso vergleichbar zur 5D Mark IV sind die High-Iso Eigenschaften der EOS R. Hier kann ich, beispielsweise wenn es sehr windig ist, bei Bedarf problemlos mit der ISO nach oben gehen um eine ausreichend kurze Verschlußzeit zu erreichen, damit keine störende Bewegungsunschärfe auftritt:

Sonnenblumen Anfang November bei Zweibrücken.
EOS R + EF 16-35 F/4L – Aufnahme mit ISO3200. 

Akkus/Fremdakkus

Auch beim Thema „Stromversorgung“ integriert sich die EOS R gut in bestehende EOS Systeme. Die EOS R nutzt mit den LP-E6 bzw. LP-E6N Akkus, dieselben Stromquellen, die ich auch schon für meine 5DsR und zuvor die 5DIII genutzt habe. Es sind also reichlich Akkus vorhanden, darunter auch zwei preiswerte Nachbau-Akkus von Amazon, die bereits in meinen zuvor genutzten 5er Modellen gut funktioniert haben. Die EOS R kommt mit diesen Nachbauten ebenfalls problemlos zurecht.

Was den Stromverbrauch angeht, habe ich nur den Vergleich zum LiveView-Betrieb der EOS 5DsR. Dort werden aber wesentlich mehr Pixel ausgelesen und deswegen ist der Vergleich sicher nicht fair. So ist es einfach nur eine Feststellung, wenn ich hier schreibe, dass der Akku im Liveview bei der 5DsR früher zur Neige ging, als das bei der EOS R der Fall ist. Eine Angabe in „Bildern pro Akkuladung“ ist in der Landschaftsfotografie eher weniger aussagekräftig, da dort deutlich mehr Zeit mit „Gestaltung“ und „Warten auf Lichtänderungen“ verbracht wird, als in anderen Bereichen, bei denen in kürzerer Zeit mehr Aufnahmen enstehen. Vielleicht dient es als ungefährer Anhaltspunkt, wenn ich hier schreibe, dass ich mit der EOS R mit einem Akku problemlos über einen Morgen komme, während das bei der EOS 5DsR schon mal knapp werden konnte.

L-Winkel

Viele Landschaftsfotografen, mich eingeschlossen, schätzen einen L-Winkel zur Befestigung der Kamera auf der Schnellwechseleinheit. Für den Quasi-Standard, das „Arca-Swiss“ Schwalbenschwanz-Profil, gibt es von vielen Herstellern verschiedene Angebote. Einige Anbieter haben dabei speziell auf die Kamera angepasste L-Winkel im Sortiment. Diese kameraspezifischen L-Winkel berücksichtigen die Lage des Akkufachs und der Anschlüße an der Kamera bestmöglich, sind aber ein gutes Stück teurer, als die nicht-kameraspezifischen L-Winkel, bei denen man u. U. Kompromisse eingehen muss im Hinblick auf die Erreichbarkeit von Akkufach und Anschlüssen. Für die EOS R sind Stand heute (November 2018) noch keine kameraspezifischen L-Winkel lieferbar, die einschlägigen Hersteller arbeiten alle noch daran. Da ich auf die Vorteile eines L-Winkels aber nicht verzichten wollte, habe ich beschlossen, an der EOS R zunächst einen nicht-kameraspezifischen L-Winkel zu nutzen und mich entsprechend umgesehen.
Vom Preis/Leistungsverhältnis unschlagbar dürfte hier der L-Winkel von Mengs sein. Er überzeugt durch eine gute Verarbeitung und ist mit einem Preis von knapp über zehn Euro schon fast unverschämt günstig. Leider passte der Mengs L-Winkel nicht gut in meine RRS (Really Right Stuff) PC-LR Schnellspannklemme. Das Mengs-Profil scheint minimal breiter zu sein als Really Right Stuff dies vorsieht, weswegen sich die Spannvorrichtung in der RRS PC-LR nur mit sehr viel Kraft schließen lässt. Meine Wahl fiel daher auf den 3 Legged Thing QR11-LC L-Winkel. Dieser L-Winkel kostet dann zwar schon knapp 50 Euro, er passt aber deutlich besser in die RRS PC-LR Schnellspannklemme. Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig es sein kann, einen gut sortierten Fachhändler vor Ort zu haben. So konnte ich vor dem Kauf bei DigitFoto prüfen, wie gut das 3 Legged Thing – Profil in die Really Right Stuff – Klemme passt.
Ein Hinweis in diesem Zusammenhang: In einer Schnellwechselklemme, die mit einer Schraubspindel geschlossen wird, wird dieser Unterschied überhaupt nicht auffallen. Eine Schnellspannklemme ist jedoch viel kritischer, was die Maßhaltigkeit des Klemmprofils angeht.

Der 3 Legged Thing QR11-LC L-Winkel passt, was die Bedienmöglichkeiten der Kamera angeht, recht gut an die EOS R. Wichtig ist dabei, dass man den L-Winkel bei der Befestigung so am Boden der Kamera ausrichtet, dass das Akkufach noch ausreichend weit für einen Akkuwechsel geöffnet werden kann. Achtet man darauf, bleibt links an der Kamera ca. 1,5 cm Luft zwischen den Anschlüssen auf der Gehäuseseite und dem Hochformat-Profil des L-Winkels. So lässt sich auch die Buchse des Fernauslösers gut erreichen, was bei direkt anliegendem L-Winkel nicht der Fall wäre. Das Display kann vollständig zur Seite geklappt werden ohne dabei am L-Winkel anzustoßen. Um es zu drehen, muss man es aber wieder etwas anwinkeln, da ist dann doch der Hochformat-Teil des L-Winkels im Weg.

Montage des QR11-LC an der EOS R.

Weiteres Zubehör

GPS: Die EOS R bietet kein GPS on-board. Stattdessen kann sie entweder via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden werden und von dort GPS-Daten beziehen. Wie das genau geht, habe ich noch nicht rausgefunden, das mache ich irgend wann einmal im Winter wenn gerade kein Fotowetter ist. Da sie dann aber ziemlich sicher den Akku des Smartphone mit GPS-Abfragen belastet, finde ich das per se nicht sonderlich elegant. Statt dessen nutze ich die zweite Möglichkeit mit dem Canon GP-E2 GPS-Empfänger, der einfach auf den Blitzschuh der Kamera gesetzt wird und die GPS-Daten direkt ins RAW schreibt. Das kenne ich bereits von der EOS 5DsR wo ich mit dieser Lösung schon sehr zufrieden war. Leider wird an der EOS R, warum auch immer, nicht die Blickrichtung (Ausrichtung der Kamera) in die RAW-Files geschrieben. Bei der EOS 5DsR war dies noch der Fall. Ich würde mich freuen, wenn Canon hier mit einem Firmwareupdate (sei es für die EOS R oder den GP-E2) nachbessern würde.

Fernauslöser: Die EOS R nutzt den kleineren Fernauslöseranschluß vom Typ E3 (die großen EOS DSLR nutzen den Typ N3) und damit den gleichen Anschuß wie ihn auch die kleineren EOS DSLR und die EOS M5 nutzen. Der passende Auslöser ist der Canon RS-60 E3 und der wirkt zugegebener Maßen etwas spielerisch im Vergleich zum RS-80 N3 der größeren EOS Kameras. Das Gute daran ist: Er kostet als Canon-Originalteil unter 20 Euro und wer, wie ich, im Jahr mindestens einen Fernauslöser verschleißt, wird sich über die Ersparnis gegenüber dem wesentlich teureren RS-80 N3 freuen. Die EOS R bietet auch einen Touchauslöser, der beim Antippen des Displays reagiert. Kombiniert man diesen mit dem Selbstauslöser mit 2 Sekunden Vorlauf, kann man auch ohne Kabelfernauslöser die Kamera praktisch erschütterungsfrei auslösen.
In diesem Zusammenhang noch ein weiterer Tip: Wenn man eine Belichtungsreihe (Bracketing) macht und dabei möchte, dass einmal Auslösen genügt um alle Aufnahmen der Belichtungsreihe zu machen, sollte man ebenfalls den Selbstauslöser mit 2 Sekunden Vorlauf nutzen.

Kameragurt: Auch an der EOS R nutze ich die genialen Kameragurte von PeakDesign. Das mittlere Modell ‚Peak Design Leash‚ passt m.E. sehr gut zur EOS R.

Herbstnebel steigen aus dem Pfälzerwald. EOS R + Tamron 100-400 Di VC

Was mir an der EOS R bisher fehlt

Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten, die ich an der EOS R vermisse bzw. einfach noch gerne hätte. Da ist zunächst der Nachtmodus, wie ihn bereits die EOS M5 hat. Dahinter verbirgt sich ein Umschalten der Menüanzeigen auf einen Rot-Ton, zusammen mit einer deutlichen Reduzierung der Helligkeit des Displays. Bei Nachtaufnahmen wird dadurch die Dunkeladaption des Auges weit weniger gestört, wie dies mit dem bunten, hellen Licht der normalen Displayanzeige der Fall ist.

Den nächsten Punkt kenne ich ebenfalls von der EOS M5. Dort habe ich die Möglichkeit zu schätzen gelernt, den Touch-Auslöser einer individuellen Taste zu zuordnen. Damit kann ich ihn gezielt an/aus zuschalten, ohne versehentlich eine Aufnahme auszulösen.

Die EOS R hat kein Moduswahlrad, wie bspw. die 5er-Reihe der Canon DSLR. Stattdessen wird nun auch im ausgeschalteten Zustand der Kamera, aber bei eingelegtem Akku, der gewählte Modus auf dem oberen Display der Kamera angezeigt. Irgendjemand bei Canon ist der festen Auffassung, dass der Benutzer auch bei ausgeschalteter Kamera unbedingt wissen muss, welcher Modus zuletzt gewählt war. Ich finde das recht sinnfrei, zumal es auch nicht wirklich so wichtig sein kann, denn die Top-Modelle aus dem Hause Canon, die Kameras der 1er Reihe, verfügen ebenfalls nicht über ein Moduswahlrad und zeigen den eingestellten Modus bei ausgeschalteter Kamera konsequenter Weise auch nicht an. Mich stört diese Anzeige bei der EOS R nicht wirklich, jedoch könnte ich mir sinnvollere Informationen vorstellen, beispielsweise die Anzeige des Akkustands im ausgeschalteten Zustand.

Dann ist da noch eine Sache mit dem neuen RF Bajonett, wo ich mir ziemlich sicher bin, dass noch keiner der Ingenieure versucht hat bei widrigen Außenbedingungen den Gehäusedeckel (Bajonettdeckel) aufzusetzen. Beim EF Bajonett konnte man den Bajonettdeckel einfach auf das Bajonett auflegen und spätestens nach einer drittel Umdrehung (120°) hat der Deckel in das Bajonett gegriffen und das Gehäuse verschlossen. Beim neuen RF Bajonett geht das jetzt nur noch in genau einer Position. Man muss also den Deckel schon exakt aufsetzen, damit er in das Bajonett greift. Das macht es nicht unbedingt leichter, wenn man im Freien arbeitet. Ich finde das jedenfalls störend.

Mein erstes Fazit

Nach ca. einem Monat intensiver Arbeit mit der EOS R hat sich die Kamera in sehr vielen Punkten als nahezu ideal für meine Arbeit in der Landschaftsfotografie erwiesen. Die Einbindung in mein bestehendes EOS System ist dabei ebenso von Vorteil, wie die Möglichkeit der Anpassung der Kamera an eigene Erfordernisse. Das eine oder andere interessante Feature an der Kamera wartet sicher noch darauf entdeckt zu werden. Vielleicht bringt auch ein Firmwareupdate neue Funktionen (Hallo Canon, Nachtmodus bitte!).  In Summe macht es mir richtig Spaß mit der EOS R zu arbeiten und viel mehr will ich auch gar nicht von einer Kamera.

Diesen Beitrag werde ich ggf. ergänzen, wenn ich weitere Punkte für erwähnenswert halte.  Ansonsten hoffe ich, allen Interessierten mit ein paar Informationen aus der Praxis meiner Landschaftsfotografie geholfen zu haben.

Wenn ihr Anregungen oder Fragen habt, würde ich mich freuen, wenn ihr die Kommentarfunktion unter diesem Blogbeitrag nutzt.

Danke fürs Lesen!
Michael

 


Update 9. Dezember 2018:

Der Fv-Modus – und jetzt macht auf einmal auch der Control-Ring viel mehr Sinn!

Gerade war ich für vier Tage an der Küste Portugals zur Landschaftsfotografie und hatte die EOS R als Hauptkamera dabei. Neben den klassischen Landschaftsmotiven, die ich vorwiegend mit Blendenvorwahl (Zeitautomatik im Programm Av) und vorgegebener ISO fotografiere, waren hier auch Motive dabei, die weniger statisch sind und etwas mehr Dynamik im Bild zeigen sollten. Dazu war es erforderlich, sowohl die Zeit als auch die Blende vorzugeben und über die Varianz des ISO-Wertes die Belichtung zu regeln. Der konventionelle Weg, wie man ihn bisher von Canon DSLRs kannte, wäre ein Umschalten in den M-Modus gewesen, dort die Zeit und Blende vorzugeben und zusätzlich in den Settings der Kamera die ISO auf Automatik zu setzen. Ein hin- und her Schalten zwischen diesen Einstellungen und dem Av-Programm erfordert also immer ein paar Handgriffe und mal rasch Umschalten geht nicht so einfach (außer man legt sich das auf verschiedene Custom Mode, C1 bis C3, die dann aber wieder für andere Einstellungen wegfallen).

Die EOS R bietet hier mit dem Modus Fv einen ganz neuen Ansatz in der Welt der Canon-Kameras. In diesem Modus können die drei belichtungsrelevanten Parameter ‚Zeit‘, ‚Blende‘ und ‚ISO‘ frei geändert werden. Damit verhält sich die Kamera zunächst wie im rein manuellen M-Modus. Das besondere dabei ist aber, dass jeder dieser Parameter auch auf ‚Auto‘ gesetzt werden kann. Eine beliebige Kombination der Parameter mit ‚Auto‘ oder fest vorgegebenem Wert ist möglich. Somit lassen sich, neben einer Zeit- und Blendenautomatik (Av und Tv), auch eine ISO-Automatik einstellen, bei der sowohl Zeit, als auch Blende fest vorgegeben werden.  Die Anwahl eines zu ändernden Parameters geschieht im Fv-Modus über das Modus Wahlrad mit dem Daumen, während der jeweilige Wert dann mit dem Zeigefinger an dem Einstellrad hinter dem Auslöser ausgewählt wird.

Eine Belichtungskorrektur ist im Fv-Modus ebenfalls möglich und erfolgt immer über die Werte, die über eine ‚Auto‘-Einstellung ermittelt werden. Es muss dazu also mindestens einer der drei Belichtungsparameter auf ‚Auto‘ stehen. Ein direkte Auswahl der Belichtungskorrektur mit dem Daumen über das Moduswahlrad ist jetzt allerdings nicht mehr möglich. Die Veränderung der Belichtungskorrektur erfolgt statt dessen wie die Änderung der anderen Belichtungsparameter im Fv-Modus, also durch Anwahl der Belichtungskorrektur mit dem Modus-Wahlrad und anschließender Werteauswahl mit dem Einstellrad hinter dem Auslöser.
Gerade wenn man sich in rasch ändernden Motiv- und Lichtsituation befindet und entsprechend häufig zwischen der Wahl eines Belichtungsparameters und der Belichtungskorrektur umschalten muss, ist der Umweg über das Modus-Wahlrad sicher nicht ideal. An dieser Stelle kommt dann der Control-Ring ins Spiel, mit dem ich Eingangs noch nicht so recht etwas anzufangen wusste (siehe oben). Entsprechend konfiguriert, kann ich über den Control-Ring direkt die Belichtungskorrektur auswählen, ohne erst mit dem Modus-Wahlrad den ausgewählten Belichtungsparameter zu verlassen. So passt das natürlich sehr gut zusammen und ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass die Leute bei Canon das genau so im Blick hatten, als sie das Bedienkonzept der EOS R entworfen haben.

Erde, Feuer, Wasser und Luft and der Küste Portugals. EOS R + Tamron 100-400 Di Vc.
Fv-Modus als ISO-Automatik: Zeit und Blende sind vorgegeben, die Belichtung wird über den ISO-Wert geregelt.

Mit dem Fv-Modus hat Canon einen neuen Modus eingeführt, der auf den ersten Blick zwar unscheinbar wirkt, in meinen Augen aber das Potential hat, die Modi Av, Tv, M und P komplett zu ersetzen. Ich bin sehr angetan davon wie das funktioniert, gerade auch im Zusammenspiel mit dem Control-Ring zur Belichtungskorrektur.

 


Update 11. August 2019:

Automatische Vergrößerung bei manueller Nachfokusierung

Eine pfiffige Funktion verbirgt sich in den Tiefen der AF-Einstellungen der EOS R. Da der AF für meine Arbeit nicht kritisch ist, schenke ich ihm tendenziell eher wenig Beachtung, deswegen habe ich diese Funktion wohl auch die ganze Zeit übersehen. Es handelt sich um die automatische Vergrößerung (10x-Lupe) bei manueller Nachfokusierung.
Was hat es damit auf sich? Man stelle sich vor, der AF greift nicht genau auf den Punkt, auf den man die Schärfe legen will, sondern erfasst (warum auch immer) einen Bereich der vor oder hinter dem gewünschten Fokuspunkt liegt. Will man den Fokus von Hand präzise korrigieren, muss man in die 10x-Lupe wechseln. Dies geschieht durch einmal Drücken der Messfeld-Wahltaste und anschließendes zweimaliges Drücken der Info-Taste. So weit, so gut.

Deutlich angenehmer und vor allem schneller, geht es mit der folgenden Einstellung, die sich im Menu „AF“, Tab 4, erster Eintrag befindet:
Ist diese Einstellung aktiviert, genügt bei aktiviertem AF (in meinem Setup also bei gedrückter AF-On Taste) ein Dreh am Fokusring des Objektivs und das Display wechselt direkt in die 10x-Lupe am aktiven Fokuspunkt. Der AF stoppt dann und springt erst wieder an, wenn ich die AF-On Taste loslasse und erneut drücke. Das macht auch absolut Sinn, denn sonst würde er gegen meine manuelle Korrektur arbeiten. Ein Loslassen der AF-On Taste bewirkt auch den Rücksprung aus der 10x-Lupe in die Vollbildansicht auf dem Display.

 

 

Für mich ist das ein weiterer Baustein in der individuellen Anpassung der EOS R auf meine Arbeitsweise.


Update 6. Oktober 2019:

Akku in der Kamera laden

Es wurde bereits bei der Vorstellung der EOS R, irgendwo im Kleingedruckten, darauf hingewiesen: Die EOS R erlaubt es, bei Bedarf den Akku direkt in der Kamera zu laden. So weit, so gut. Bisher brauchte ich das nicht bzw. kannte ich diese Möglichkeit nur von Sony-Kameras und da auch nur vom Hörensagen. Ich beschäftige mich mit diesen Sachen eben erst dann, wenn es auch für meine Arbeit wirklich relevant wird und dann teile ich diese Infos aus der Praxis auch gerne mit meinen Lesern, wie dies hier der Fall ist.

Möglichst leicht unterwegs
In diesem Fall war es eine Reise, bei der die Fotografie ausnahmsweise einmal nicht an erster Stelle stand. Es war also nicht damit zu rechnen, dass ich jeden Abend mehrere Akkus laden musste. Ebenso hatte ich mein MacBook Pro dabei, was über ein ausreichend starkes USB-C Ladegerät verfügt. Warum also nicht auf die Mitnahme eines eigenen Ladegerätes für die Kamera-Akkus verzichten? Das funktionierte sehr gut.

Smartes Lade-Backup für Fotoreisen
Für „richtige“ Fototrips, bei denen die Fotografie im absoluten Vordergrund steht und sich alles andere diesem Ziel unterordnet, habe ich natürlich nach wie vor ein eigenständiges Ladegerät für meine Kamera-Akkus dabei. Aktuell nutze ich dazu den Hähnel Pro Cube 2. Mit dem USB-C Netzteil meines MacBook Pro habe ich ein ideales Backup dabei, für den Fall, dass mein Akku-Ladegerät einmal ausfallen sollte.

Das Kleingedruckte: Was ist zu beachten, damit das tatsächlich funktioniert?

  • Das USB-C Ladegerät muss den „Power Delivery“ (PD) Standard unterstützen. → Das USB-C Ladegerät meines MacBook Pro tut dies!
  • Der Akku ist ein Original Canon LP-E6N (Wichtig ist hier der Zusatz ‚N‘. Bei älteren LP-E6 funktioniert es nicht)
  • oder der Akku ist ein tatsächlich kompatibler Nachbau zu den LP-E6N (Hier sollte man unbedingt vorher prüfen ob das auch wirklich der Fall ist)

Sind diese Punkte erfüllt, kann der Akku direkt in der Kamera geladen werden. Die Ladegeschwindigkeit ist dabei geringfügig langsamer, als das im Original Ladegerät von Canon der Fall ist.