„Das muss in den Frachtraum!“ zählt zu den Sätzen, die man als Fotograf auf einer Flugreise beim Check-In oder beim Boarding nicht hören möchte, wenn es um das Handgepäck mit der Kameraausrüstung geht. Surfbretter, Fahrräder und Ski können bei vielen Airlines als Sportgepäck sehr günstig oder gar kostenfrei transportiert werden. Hier haben die Airlines die Bedürfnisse der Kunden erkannt und darauf reagiert. Weniger aus Wohltätigkeit, mehr um keine Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Zu groß scheint der Kuchen der Sportreisenden zu sein, als dass man davon nicht auch ein Stück abhaben möchte.
Als Fotografen würden wir auf Reisen gerne unsere Fotoausrüstung mitnehmen und dabei zumindest die teuren und empfindlichen Kameras und Objektive im Handgepäck bei uns haben. Leider sind die Fluggesellschaften auf diese Bedürfnisse nicht so kundenorientiert eingestellt, wie das noch beim Sportgepäck der Fall ist. So ist es kaum möglich, bei der Buchung ein zusätzliches Handgepäckstück für vernünftiges Geld hinzuzufügen oder das Gewichtslimit für das Handgepäck zu erhöhen. Man muss statt dessen meist in die nächst höhere Buchungsklasse wechseln, bspw. von Economy in Business, was nicht selten den Ticketpreis um den Faktor sechs nach oben treibt.

Wenn man die Buchung einer höheren Reiseklasse ausschließt, gibt es für den reisenden Fotografen im Wesentlichen zwei Strategien mit der Situation umzugehen: Man kann es entweder darauf ankommen lassen, den Flug mit dem geringen Handgepäcklimit buchen und hoffen, dass alles gut geht, oder man informiert sich im Vorfeld der Reise, ob es nicht vielleicht eine Airline gibt, die das gleiche Ziel anfliegt, dabei aber ein großzügigeres Handgepäcklimit hat.
Ich persönlich versuche stets eine Airline zu finden, die ein Handgepäcklimit hat, das meinen Anforderungen genügt. Ein etwas höherer Ticketpreis oder eine etwas längere Reisedauer (bspw. einmal Umsteigen statt Direktflug), sind mir die Sicherheit wert, dass ich ohne Probleme meine Fotoausrüstung mitnehmen kann.

Auf den Pirmasenser Fototagen bin ich u.a. mit dem Fotografen Oliver Schwenn ins Gespräch gekommen. Oliver ist ein super netter Typ, sehr sympathisch und wir kamen rasch auf die Frage, wo beim jeweils anderen die nächste Reise hingeht. So waren wir schnell auch bei diesem Thema. Daraus entstand die Idee, in einem Blogartikel eine kleine, unverbindliche Zusammenstellung von „Fotografen-freundlichen“ Airlines zu zeigen und damit den Einstieg in die Planung etwas zu vereinfachen.

Die folgende Tabelle listet die gängigsten Fluggesellschaften, die mit einem Handgepäcklimit von 12kg oder mehr besonders zu den Anforderungen von Fotografen auf Reisen passen. Alle Angaben beziehen sich auf reguläre Tarife in der Economy-Class und sind ohne Gewähr! Verbindlich ist nur, was in der Buchungsbestätigung steht.

Beim Klick auf den Namen der Airline landet Ihr direkt auf der Seite mit den detaillierten Bestimmungen für das Handgepäck.

AirlineAbmessungen (cm)Gewicht (kg)
Air Canada55 x 40 x 23keine Beschränkung(1)
Air France55 x 35 x 2512
American Airlines56 x 36 x 23keine Beschränkung(1)
bmi regional55 x 40 x 2312
British Airways56 x 45 x 2523
Brussels Airline55 x 40 x 2312
Delta Airlines56 x 35 x 23keine Beschränkung(1),(2)
easyJet56 x 45 x 25keine Beschränkung(1)
Iberia56 x 45 x 25keine Beschränkung(1)
KLM55 x 35 x 2512
United Airlines56 x 35 x 22 (3)keine Beschränkung(1),(3)
WOW Air56 x 45 x 25 (4)12 (4)
1) „keine Beschränkung“ bedeutet üblicher Weise, dass das Gepäckstück ohne fremde Hilfe in den Gepäckfächern verstaut werden kann.
2) Bei Zubringerflügen mit Delta-Connection, die weniger als 50 Sitzplätze haben, wird das Handgepäck beim Boarding eingecheckt!
3) Gilt nicht für den Tarif „Basic-Economy“!
4) Muss gegen Aufpreis dazu gebucht werden.

Stand: November 2017 – Alle Angaben ohne Gewähr!
Falls ich in der Übersicht eine Airline vergessen haben sollte, schreibt mir eine Nachricht. Ich ergänze das dann gerne.

Vorsicht gilt übrigens bei Code-Sharing Flügen. Das ist ein und derselbe Flug, der aber von zwei oder mehreren Fluggesellschaften jeweils unter einer eigenen Flugnummer angeboten wird. In diesem Fall gelten immer die Regeln der ausführenden Gesellschaft. So kann es passieren, dass Ihr einen Flug mit United Airlines bucht und Euch in Sicherheit glaubt, weil die kein Gewichtslimit für das Handgepäck haben. Tatsächlich führt aber Lufthansa diesen Flug aus und die haben gerade mal 8kg als Limit für das Handgepäck. Deswegen solltet Ihr bei der Buchung immer darauf achten was unter „Ausführende Gesellschaft“ steht.

Die Liste der Airlines, die es besonders gut mit uns Fotografen meinen, ist nicht gerade lang. Was ist nun, wenn man ein Reiseziel hat, welches entweder gar nicht von einer dieser Airlines angeflogen wird, oder nur über ein sehr unattraktives Routing mit langen Umsteigezeiten erreicht werden kann? Vielleicht hat ja auch eine andere Airline einen so guten Preis für unser Ziel, dass man nicht drum herum kommt sich mit niedrigeren Handgepäcklimits zu arrangieren? Dazu im Nachfolgenden ein paar Erfahrungen und Tipps und Tricks, die mir geholfen haben.

Eigene Erfahrungen mit dem Handgepäck auf Flügen

In bisher weit über hundert Flügen habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht was den Umgang mit dem Handgepäck angeht. In den meisten Fällen wurde nicht kontrolliert, hin und wieder wurden aber auch die Abmessungen und/oder das Gewicht kontrolliert. Bis auf eine Ausnahme kam ich bei diesen Kontrollen immer gut davon, meist weil ich mich an die Limits gehalten habe. Zu beobachten war dabei aber auch, dass bei solchen Kontrollen der Verhandlungsspielraum sehr klein zu sein scheint.

Verlasst Euch nicht darauf, dass Ihr nicht kontrolliert werdet!
Was ich in diesem Zusammenhang immer zum Haare raufen finde, sind die Diskussionen in Foto-Foren zu diesem Thema. Da fragt „A“ ob es denn ein Problem wäre mit großem Fotogepäck bei einer Airline einzusteigen, die sehr geringe Limits hat. „B“ gibt zu Protokoll, dass er mit denen schon mal geflogen ist und nicht kontrolliert wurde, worauf dann „A“ ganz erleichtert das Thema für sich als erledigt sieht. Leute, was ist wenn die bei Euch kontrollieren? Wollt Ihr dann mit einem Verweis auf das Thema aus dem Forum argumentieren?

Minimales Handgepäck – Was darf wirklich nicht in den Koffer?
Es ist kein Fehler, sich schon im Vorfeld der Reise damit zu beschäftigen, was man unbedingt im Handgepäck haben muss und was vielleicht doch in das aufgegebene Gepäck wandern darf. Für mich gesetzt und nicht verhandelbar sind im Handgepäck neben den Akkus (Sicherheitsvorschriften der Airlines) die Kameragehäuse und die Objektive. Alles andere (Filter, Fernauslöser, Ladegerät, etc.) kann, wenn es sein muss, auch im aufgegebenen Gepäck reisen. Mein Stativ muss ohnehin im Koffer reisen. Je nachdem, wie viel ich über den Kameras und Objektiven noch „Luft“ habe, kommen als erstes Filter und Fernauslöser wieder ins Handgepäck.

Modularer Rucksack
Fotorucksäcke können schnell sperrig sein, erst recht, wenn sie neben der Fotoausrüstung noch weiteren Gegenstände wie Kleidung oder Proviant Platz bieten sollen. Ganz pfiffig sind hier modular aufgebaute Rucksäcke wie es sie beispielsweise von fStop gibt. Dort lässt sich der Einsatz mit der Fotoausrüstung herausnehmen. Der Rucksack kann dann flach zusammengelegt im aufgegebenen Gepäck mitreisen. Der Einsatz mit der Fotoausrüstung kann als Schultertasche getragen werden und liegt in den Abmessungen i.d.R. in den Größenlimits der Airlines.

Kabinen-Trolley
Als Alternative zu dem modularen Rucksack kann man seine Fotoausrüstung auch in einen Handgepäcktrolley packen. Selbstverständlich legt man die Ausrüstung nicht einfach lose in den Trolley. Gepolsterte Objektivtaschen oder eine kleine, einfache Kameratasche leisten hier aber gute Dienste. Der Rucksack kann dann auch wieder im aufgegebenen Gepäck mitreisen.

Nichts anmerken lassen
Kontrollen sind meist Stichproben und dazu müssen Kandidaten ausgewählt werden. Ein Handgepäckstück, was nicht besonders sperrig wirkt, wird in dieser Hinsicht weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen als ein deutlich voluminöseres Stück Handgepäck – auch wenn das kleinere Stück schwerer sein sollte.  Wenn der Mitarbeiter nicht den Eindruck hat, dass Euer Handgepäck besonders schwer ist, kommt er auch nicht so leicht auf die Idee es zu wiegen. Deswegen der Tipp nicht gerade unter lautem Stöhnen beim Check-In den Rucksack von der Schulter zu nehmen.
Vorsicht an dieser Stelle bei der Banderole „Approved Cabin Baggage“! Diese wird meist beim Check-In vergeben und wenn hier der Eindruck entsteht, dass das Handgepäck womöglich über dem Gewichtslimit liegt, ist es rasch auf der Gepäckwaage. Beim Check-In für einen Lufthansa-Flug von Denver nach Frankfurt (8kg Limit für das Handgepäck) habe ich genau das bei den Passagieren, die vor mir eingecheckt haben, beobachtet. Ab einem Kilo darüber musste umgepackt werden. Da ich wusste, dass mein Fotorucksack zwar innerhalb der Maße lag, im Gewicht aber deutlich darüber war, habe ich beschlossen mir das Gewicht nicht anmerken zu lassen und habe fröhlich lächelnd die knapp 14kg am ausgestreckten Arm über den Tresen gehalten, in der Hoffnung, dass die Dame rasch die Banderole daran klebt. Sekunden wurden zu Minuten als die Dame den Aufkleber nicht auf Anhieb von der Trägerfolie lösen konnte, aber ich habe tapfer durchgehalten…

Be prepared: Umpacken in die Jacke
Bei einem Fototrip nach La Gomera war ich darauf angewiesen mit Condor zu fliegen. Condor hat das sagenhafte Gewichtslimit von 6kg für das Handgepäck und ist berühmt berüchtigt für Kontrollen. Auf dem Hinflug hatten wir noch Glück, der Frankfurter Flughafen war im Streik-Chaos und jeder war froh, wenn es nur irgendwie weiter ging. Beim Rückflug ab Teneriffa konnten wir am Check-In aber schon beobachten, wie jedes Handgepäckstück auf die Gepäckwaage gestellt werden musste. Wir verstauten rasch so viele Objektive wie möglich aus dem Rucksack in den Taschen der Outdoor-Jacke. Der Rucksack wurde gewogen, lag dabei mit knapp 5kg im Erlaubten und bekam seinen „Condor approved Cabin Baggage“-Aufkleber. Nach der ersten Ecke wanderten die Objektive aus der Jacke wieder zurück in den Rucksack.

Last but not least: Freundlich bleiben!
Es wird früher oder später die Situation kommen, in der Ihr gebeten werdet Euer Handgepäck einzuchecken. Sei es, weil Ihr über den Limits seid, oder einfach nur weil der Flug so voll gebucht ist, dass der Stauraum für das Gepäck in der Kabine knapp zu werden droht. Egal warum, wenn Ihr Euch wie ein Gast benehmt, werdet Ihr auch wie ein solcher behandelt. O.k. – die Lufthansa ist da manchmal etwas anders, aber das ist eine andere Geschichte. Also bleibt einfach freundlich und erklärt, warum es für Euch wichtig ist, dass die Fotoausrüstung nicht in den Frachtraum wandert. Versetzt Euch auch in die Lage des Airline-Mitarbeiters, der sieht erst mal nur Euer Handgepäckstück und kennt weder den Inhalt, noch den Wert davon. Spätestens wenn ich erwähnt habe, dass das Zeugs empfindlich ist und einen fünfstelligen Eurobetrag kostet, war die Einsicht da und ich durfte es mit in die Kabine nehmen. Selbstverständlich ist das kein Freifahrtschein für irgendwelche Handgepäck-Exzesse. Seid Euch stets darüber im Klaren, je weiter Euer Handgepäck über dem Limit der Airline liegt, egal ob in Größe oder Gewicht, um so schwieriger kann es für Euch werden das mit in die Kabine zu nehmen.

Wie sind Eure Erfahrungen, was das Fliegen mit der Fotoausrüstung angeht? Habt Ihr Tipps und Empfehlungen, die das Thema ergänzen? Ich freue mich auf Eure Kommentare dazu!